Bundesliga

Casting-Wochen für den Nachwuchs bei Hertha BSC

Hertha braucht für das kommende Bundesliga-Jahr mehr Qualität und mehr Tiefe. Trainer Jos Luhukay testet deshalb sechs Talente aus dem eigenen Nachwuchs bis Saisonende auf ihre Profi-Tauglichkeit.

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Wird es Leonardo Pavoletti, Torjäger vom AS Varese aus der zweiten italienischen Liga? Oder Ashkan Dejagah vom FC Fulham? Oder Marco Stiepermann von Energie Cottbus? Wie immer im Frühjahr schwirren diverse Namen möglicher Neuer für die kommende Saison bei Hertha BSC durch die Luft. Trainer Jos Luhukay hat aber erst mal einen anderen Weg eingeschlagen.

Von dieser Woche an trainieren sechs Talente aus dem eigenen Nachwuchs bei den Profis mit. Es handelt sich um die Verteidiger Yannick Regäsel, 18, Anthony Syhre, 19, und Steve Breitkreuz, 22. Sowie um die Mittelfeldspieler Shawn Kauter, 17, Louis Samson, 18, und Nils Fiegen, 20. „Es ist abgesprochen, dass sie bis Ende der Saison mit uns trainieren mit Hinblick auf die Kaderplanung für die neue Spielzeit“, sagte Luhukay. „So sehe ich sie auf unserem Niveau und nicht nur innerhalb ihrer eigenen Teams. So können sie sich an unser Tempo und unsere Handlungsschnelligkeit gewöhnen und damit auseinandersetzen.“

Es ist kein Geheimnis, dass Hertha für das kommende Bundesliga-Jahr mehr Qualität und mehr Tiefe im Kader benötigt. Der Trainer hat bereits angekündigt, dass er in allen Mannschaftsteilen Bedarf sieht. Das Personal-Budget bei Hertha steigt zwar für 2014/15 auf 34 Millionen Euro. Das liegt dann rund 20 Prozent über dem, was die Berliner im laufenden Spieljahr haben. Verglichen mit der Liga-Konkurrenz wird der Hauptstadt-Klub damit jedoch keine großen Sprünge machen können.

Ehe also konkret entschieden wird, für welche Neuen Geld ausgegeben wird, läuft bis Mitte Mai die interne Casting-Show bei Hertha. „Es ist schwer zu sagen, was nachkommt. Deshalb schauen wir uns das jetzt auch die nächsten sechs Wochen an“, sagt Luhukay.

Nachwuchsarbeit wird bundesweit gerühmt

Die blau-weiße Nachwuchsarbeit wird bundesweit gerühmt. Seit 2004 haben mehr als 75 Youngster den Sprung von der Hertha-Akademie in den Profifußball geschafft. Die Deutsche Fußball-Liga hat sie gerade erneut mit der höchsten Auszeichnung zertifiziert (Drei Sterne plus Bonus-Stern). Doch der goldene Jahrgang 2004 (Kevin Boateng, Dejagah, Patrick Ebert) liegt schon lange zurück. Seit Jerome Boateng (2006) kam kein Supertalent mehr aus der Hertha-Schmiede.

Luhukay legt ein großes Augenmerk auf die Arbeit mit den Talenten, steht im ständigen Austausch mit U23-Trainer Ante Covic und U19-Trainer Michael Hartmann. Aber Luhukay scheint nicht recht überzeugt zu sein, von dem, was nachwächst. „Hertha hat in der Vergangenheit viele gute Spieler aus der Jugendakademie hervorgebracht. Aber das ist schon eine Zeit her.“

Übersetzt heißt das: Die Arbeit muss besser werden, Hertha muss mehr tun. „Unser Ziel muss es sein, dass wir auf jeden Fall im Unterbau versuchen, uns so gut wie möglich aufzustellen.“ Zumal mit RB Leipzig und dem VfL Wolfsburg finanzstarke Konkurrenten ebenfalls auf dem Markt in Berlin fischen.

Das Sextett kann sich also empfehlen. Regäsel etwa ist rechter Außenverteidiger, eine Position, auf der Hertha Bedarf hat. Das gleiche gilt fürs Abwehrzentrum: Bei den Profis sind kommendes Jahr Levan Kobiashvili und Maik Franz nicht mehr dabei, eine Chance für Syhre. Samson ist ein defensiver Mittelfeldspieler. Luhukay macht den Talenten die Tür auf. Manager Michael Preetz nimmt sie in die Verantwortung: „ Hindurchgehen müssen sie selbst.“