Bundesliga

Poker mit harten Bandagen um Herthas Ramos

Am Wechsel des Stürmers nach Dortmund zweifelt niemand mehr, dabei laufen die Verhandlungen noch. Spieler und Klub nähern sich an. Eine Einigung muss laut Aktienrecht sofort öffentlich gemacht werden.

Adrian Ramos trat am Dienstagnachmittag in Begleitung seines Kumpels Ronny auf den Trainingsplatz von Hertha BSC. Wie immer also. Wie immer auch gab sich der kolumbianische Angreifer dabei unauffällig. Keine großen Gefühlsausbrüche. Kaum eine Regung war im Gesicht des 28-Jährigen zu erkennen.

Ramos ist also noch da und immer noch der Alte. Das ist ja schon mal eine Meldung wert. Zumindest bis Saisonende wird er noch auf Torejagd für die Berliner gehen. Wenn es nach dem Wunsch seines Trainers Jos Luhukay und Herthas Manager Michael Preetz geht, bleibt der beste Stürmer des Aufsteigers auch über das Ende seiner Vertragslaufzeit 2015 bei den Blau-Weißen.

Doch dazu wird es nicht kommen: Dass Ramos ab Sommer für Borussia Dortmund auflaufen wird, gilt als so gut wie sicher. Es ist seine vielleicht letzte Chance für einen Aufstieg in die Königsklasse.

BVB und Ramos stehen kurz vor einer Einigung

Nach Morgenpost-Informationen aus Ramos’ Umfeld sind die Verhandlungen zwischen ihm und dem BVB sehr weit fortgeschritten. Eine Einigung zwischen Spieler und Klub steht kurz bevor. Es gehe nur noch um „Kleinigkeiten“, heißt es.

Neben dem Jahresgehalt und der Vertragslaufzeit dürfte vor allem noch um Prämien und womöglich auch um ein Handgeld verhandelt werden. Fest steht aber: Ramos will nach Dortmund, und Dortmund will Ramos. Er soll die Lücke schließen, die Robert Lewandowski im Sommer hinterlassen wird. Der Pole, der in dieser Saison wie Ramos 15 Treffer erzielt hat, wechselt zum FC Bayern.

Nachdem das Interesse der Borussen an Ramos Ende Januar publik wurde und Luhukay dazu Stellung nehmen musste, wie man Ramos denn ersetzen wolle, war es zuletzt etwas ruhiger um den Stürmer geworden.

Am Dienstag nun meldete die „Bild“, dass Ramos’ Wechsel nach Dortmund perfekt sei: Acht Millionen Euro soll die Ablöse betragen. 2,8 Millionen Euro Jahresgehalt soll Ramos beim BVB verdienen und einen Vertrag bis 2017 unterschreiben – mit der Option auf ein weiteres Jahr.

Berliner dementieren weiter

Eine kolumbianische Nachrichtenagentur zitierte Ramos’ Berater Helmuth Wennin mit den Worten: „Es gibt große Möglichkeiten, dass Adrian nach Dortmund geht.“ Wennin aber dementierte gegenüber den „Ruhr Nachrichten“ umgehend, dass der Wechsel perfekt sei: „Das ist eine falsche Information des kolumbianischen Journalisten“, sagte Wennin.

Gegenüber der Morgenpost sagte der Berater: „Ich bevorzuge es, keine Zahlen oder Informationen zu geben, bevor ein Klub mit einem Angebot kommt, das Hertha zufrieden stellt.“

Das ist bisher nicht geschehen. Bei Hertha haben sie auf die Meldung über den angeblichen Wechsel ihres Angreifers Nummer eins mit Verwunderung reagiert. Von einem bereits ausgehandelten Transfer nach Dortmund wisse man nichts, heißt es im Klub. Luhukay reagierte genervt: „Das sind doch immer die gleichen Gerüchte. Ich möchte das gar nicht mehr kommentieren.“

Der BVB selbst hat eine Einigung ebenso dementiert: „Wir vermelden dann etwas, wenn es etwas zu vermelden gibt“, sagte Michael Zorc, dann flüchtete Borussias Manager lieber in die Ironie: „Ramos ist in den vergangenen Wochen schon vier Mal zu uns gewechselt.“

Der Kolumbianer passt zur BVB-Philosophie

Ein Interesse an Ramos hat der BVB hingegen nie dementiert. Ihn als Ersatz für Lewandowski zu verpflichten, passt zur Philosophie des Klubs: Auch wenn man mit Lewandowski einen Topstürmer verliert, ist der BVB nicht bereit, die hohen Kosten für einen ebenfalls etablierten Topstürmer als Nachfolger auf sich zu nehmen und damit die Gehaltshygiene im Verein zu gefährden.

Ein Transfer von Edin Dzeko (Manchester City) wird in Dortmund als unrealistisch bezeichnet. „Wir holen die Jungs, die wir bezahlen können und die bei uns reinpassen“, sagte Klopp.

Ramos dagegen passt vom Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch fix ist der Wechsel keineswegs. Dass er es nicht sein kann, hat neben all den Dementis einen weiteren Grund: Borussia Dortmund ist eine Kommanditgesellschaft auf Aktien und an der Börse notiert. Nach Paragraph 15 des deutschen Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) müsste der BVB einen Wechsel des Angreifers „unverzüglich“ per Börsenmitteilung (Ad-hoc-Mitteilung) veröffentlichen, da dieser den Börsenkurs des Unternehmens beeinflussen kann.

Mit jener Publizitätspflicht soll Insiderhandel verhindert werden. Ein Transfer müsste zudem vor Veröffentlichung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gemeldet werden. Geschieht das nicht, droht eine Strafe im siebenstelligen Bereich.

Ähnlich wie im Fall Mario Götze

Die Dortmunder haben Erfahrung damit: Als der Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern Ende April 2013 beschlossen war, musste ihn der BVB trotz des ungünstigen Zeitpunkts der Veröffentlichung kurz vor dem Champions-League-Halbfinalspiel gegen Real Madrid zähneknirschend bekannt geben.

Er tat dies, als das schriftliche Angebot der Bayern über die festgeschriebene Ablösesumme für Götze einging und der Spieler seine Wechselabsichten kommuniziert hatte, wie die BaFin später ermittelte.

Pikanterweise wird Ramos mittlerweile auch von Götzes Agentur Sports Total betreut. Die Beratungsfirma gilt als eine der mächtigsten auf dem deutschen Markt und vertritt neben Götze auch Toni Kroos (FC Bayern) und Marco Reus (BVB). Zwischen Wennin und Sports Total gibt es eine Kooperation. Sports Total kümmert sich um die Nöte des Angreifers in Deutschland, da Wennin meist in Südamerika weilt.

Doch zwischen Hertha und Dortmund besteht auch mit ihnen noch keine Einigung. Es ist zu vermuten, dass der BVB erst mit einem konkreten Angebot an Hertha herantreten wird, sobald die Übereinkunft mit Ramos erzielt ist. Das ist noch nicht geschehen. Dann erst muss Preetz entscheiden, wo seine Schmerzgrenze bei Ramos liegt – vermutlich bei rund zehn Millionen Euro.