Hertha

Ronny brilliert in Braunschweig wie in guten alten Zeiten

Der Brasilianer Ronny hat im Aufsteiger-Duell beide Tore vorbereitet und viel Lob von Trainer Luhukay geerntet. Fans zündeten im Gästebereich Dutzende Feuerwerkskörper und verärgerten Manager Preetz.

Foto: Peter Steffen / dpa

Trainer Jos Luhukay klatschte sich mit Manager Michael Preetz ab, Torjäger Adrian Ramos hob beide Hände zum Himmel und bedankte sich für höheren Beistand. Mit zufriedenen Mienen beendete Hertha BSC die Dienstreise nach Braunschweig. Mit 2:0 (1:0) gewannen die Berliner das Duell der beiden Bundesliga-Aufsteiger. Deren Wege haben sich längst getrennt. Während Hertha mit nun 22 Punkten bereits vorzeitig die angestrebte 20-Punkte-Marke überschritten hat und Tabellen-Siebter ist, bleibt Braunschweig abgeschlagen Tabellenletzter.

„Das war ein sehr wichtiger Dreier für uns heute“, sagte Herthas Manager Michael Preetz nach dem Spiel. „Wir wollten die 20-Punkte-Marke knacken. Die letzten beiden Spiele vor der Winterpause sind jetzt dafür da, um vielleicht noch ein, zwei Punkte oben drauf zu packen.“

Pyros im Berliner Fan-Block

Mit der ersten Überraschung wartete Jos Luhukay vor dem Anpfiff auf: Der frisch gekürte Berliner Trainer des Jahres veränderte seine Mannschaft auf drei Positionen. Marcel Ndjeng verteidigte rechts in der Abwehr, John Brooks kehrte in die Innenverteidigung zurück. Und als Spielmacher durfte erstmals seit Ende September wieder Ronny von Beginn an auflaufen. Für die zweite, allerdings negative Überraschung wurde im Auswärtsblock der Hertha-Fans gesorgt. Von den ersten Spielminuten sahen viele Zuschauer nichts, weil im Gäste-Bereich Dutzende Pyros gezündet wurden. Auf die Aufforderung des Stadionsprechers, das gefährliche Tun zu unterlassen, wurde mit neuen Bengalos und mit Kanonenschlägen geantwortet.

Die Unbelehrbaren unter den Hertha-Fans wollen es nicht lernen: Bereits im Januar dieses Jahres (17.000 Euro) und im August (55.000 Euros) wurde der Verein vom DFB eben wegen Pyrotechnik im Hertha-Block bei Auswärtsspielen zu erheblichen Geldstrafen verurteilt. Preetz fand nach dem Spiel deutliche Worte: „Ich finde das abartig. Das hat auf dem Fußballplatz nichts verloren, aber leider gibt es immer noch diese Vollidioten. Das kann man nicht anders sagen.“

Tempo-Fußball über die linke Seite

Im Spiel zeigte sich, dass selbst Experten daneben liegen können. Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht hatte ein müdes, zähes Spiel zwischen den beiden Aufsteigern vorausgesagt. Weit gefehlt. Von Beginn an hielten sich die beide Mannschaften nicht großartig mit Geplänkel im Mittelfeld auf. Braunschweig erarbeitete sich zunächst drei Chancen. Doch die Schüsse von Mirko Boland (6./14. Minute) und Orhan Ademi wurden jeweils zur Ecke abgewehrt.

Bei Hertha setzte Trainer Luhukay auf Geschwindigkeit über die linke Seite. Eine Aufgabe wie geschaffen für den dynamischen Nico Schulz. Ein erster Schuss des Mittelfeldspielers landete an der Latte des Eintracht-Tores (17.). Im nächsten Angriff steckte Ronny den Ball zu Schulz durch, Torwart Daniel Davari klärte in höchster Not zur Ecke. Da dachten sich Ronny und Adrian Ramos: Was in der vergangenen Zweitliga-Saison gut war, kann in der Bundesliga nicht schlecht sein. Der Brasilianer trat den Standard scharf vors Tor, Ramos bugsierte den Ball per Flugkopfball aus fünf Metern ins Netz, 1:0 (20.). Es war das achte Saisontor des Kolumbianers.

Torwart Kraft mit ruhigem Nachmittag

Damit wurde der Druck auf Braunschweig noch größer. Die Hausherren erarbeiten sich zwar ein optisches Übergewicht, aber Hertha verteidigte das eigene Tor mit Geschick, Torwart Thomas Kraft musste kaum einmal ernsthaft eingreifen. Ronny rechtfertigte das Vertrauen, das ihm der Trainer mit der Aufstellung ausgesprochen hatte. Er war aufmerksam, trennte sich rasch vom Ball und wurde durchgehend hart vom Gegner bearbeitet.

In der vergangenen Woche hatte Preetz dem Sorgenkind noch mal ins Gewissen geredet. Ronny hatte, wieder einmal, Besserung gelobt. Die Partie gegen Braunschweig war ein überzeugender Schritt in die richtige Richtung.

Cigerci macht erstes Bundesligator

Im zweiten Durchgang lehnte sich Hertha ein wenig zurück. Die Eintracht war nun noch klarer feldüberlegen. Mit zunehmender Spielzeit häuften sich die Frei- und Eckstöße für Braunschweig. Die größte Chance der Gastgeber hatte Deniz Dogan, sein Freistoß strich nur Zentimeter am Hertha-Tor vorbei (76.). So schlampig die Berliner bis hierher mit ihren Kontermöglichkeiten umgegangen waren, nun drehten sie auf. Der eingewechselte Sandro Wagner köpfte einen Ronny-Eckball an die Unterkante der Latte (78.). Im nächsten Konter zeigte Ronny, dass er zwar kein Laufwunder ist, aber effizient Fußball spielen kann: Er legte für Tolga Cigerci auf. Der belohnte sich für seinen starken Auftritt und versenkte den Ball überlegt flach im linken Eck. Es war das 2:0, im 29. Bundesliga-Einsatz erzielte Cigerci seinen ersten Treffer (80.).

Besonders Ronny bekam nach dem Spiel viel Lob. Trainer Luhukay sagte: „Er war der Wegbereiter für beide Tore. Er hat das Erfolgsrezept der vergangenen Saison wieder aufgenommen.“