Hertha-Gegner

Braunschweig-Manager Arnold lässt Tasmania-Vergleich kalt

Erstmals seit der Rückkehr in die Bundesliga trifft Hertha auf Mitaufsteiger Braunschweig. Eintracht-Manager Arnold über die schwierige Mission Klassenerhalt und die Unterschiede zu den Berlinern.

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Berliner Morgenpost: Herr Arnold, fahren Ihre Profis an Spieltagen immer noch mit dem eigenen Auto ins Stadion?

Marc Arnold: Nein, mittlerweile machen wir das mit einem Bus.

Das stand ja immer ein wenig für die Andersartigkeit Ihres Klubs.

Was das angeht, haben wir uns angepasst, kann man sagen.

Ihr Trainer Torsten Lieberknecht hat Braunschweig in der Aufstiegssaison als ein „kleines, nettes Reihenendhaus“ beschrieben, „an das noch einige Anbauten gemacht werden müssen, damit es ein schönes Gesamtbild ergibt“. Stocken die Bauarbeiten nach 14 Spielen in der Bundesliga?

So würde ich es nicht sagen. Bei uns gab es in den vergangenen Jahren viele echte Baustellen, die zum Teil fantastisch zu Ende gebracht wurden: Die Haupttribüne ist fertig, wir sind in eine neue Geschäftsstelle gezogen. Auch sportlich, darauf wollen Sie ja hinaus, denke ich nicht, dass unser Bauprojekt ins Stocken geraten ist.

Sie haben erst acht Tore erzielen können und stehen mit acht Punkten auf dem letzten Tabellenplatz.

Unsere Mannschaft hat sich dennoch weiterentwickelt. Der Start war mit vier Niederlagen in Folge sehr holprig. Da haben wir nur phasenweise ordentliche Leistungen gebracht. Aber nun haben wir seit ein paar Spielen gezeigt, dass wir auch in der Bundesliga mit den Gegnern auf Augenhöhe mithalten können. Wir hätten schon etwas mehr Punkte einfahren müssen, wenn man den Aufwand sieht, den die Mannschaft betrieben hat.

Nerven Sie die Vergleiche mit Greuther Fürth, dem Aufsteiger, der letzte Saison keine Chance auf den Ligaverbleib hatte?

Ich habe den Eindruck, dass das weniger geworden ist. Zum Anfang kam der Vergleich oft – manchmal sogar auch mit Tasmania. Aber das lässt mich kalt.

Sie sind unerwartet in die Bundesliga aufgestiegen. Hatten Sie den schweren Start eingeplant und sind deshalb nicht beunruhigt?

Wir wissen das gut einzuschätzen. Wir wussten, dass es eine sehr schwierige Aufgabe für uns wird und sind deshalb nicht beunruhigt. Beim Aufstieg war uns klar, dass wir Frustpotenzial mitbringen müssen. Wichtig ist , dass wir schnell lernen und es besser machen.

Ist Braunschweig ein Ort, wo der holprige Saisonstart eher akzeptiert wird?

Absolut. Wir waren 28 Jahre lang nicht in der Bundesliga, und es gab nicht viele, die überhaupt noch daran geglaubt haben, dass es jemals wieder passieren wird. Die Leute hier sind daher glücklich, dass sie wieder die großen Spiele gegen Bayern oder Dortmund sehen können. Alle hier genießen das.

Am Sonntag treffen Sie auf Ihren Mitaufsteiger Hertha. Warum tut sich Braunschweig deutlich schwerer als die Berliner?

Hertha hat im vergangenen Jahr mit einer Bundesliga-Mannschaft in der Zweiten Liga gespielt. Wir spielen in diesem Jahr mit einer Zweitliga-Mannschaft in der Bundesliga. Das erklärt den unterschiedlichen Start.

Sind Sie überrascht von Hertha?

19 Punkte und Platz sieben waren nicht zu erwarten. Aber überrascht bin ich nicht. Sie haben gute Leute dazu geholt und zuvor schon gute Strukturen gehabt. Ohnehin kann man beide Vereine nicht miteinander vergleichen: In Berlin sind die wirtschaftlichen Bedingungen andere als bei uns.

In der vergangenen Saison haben Sie in Berlin eine 0:3-Niederlage hinnehmen müssen. Was erwarten Sie diesmal?

Das ist schwierig zu sagen: Wenn man die aktuelle Tabellenkonstellation sieht, könnte man meinen, dass es wieder in die Richtung des 0:3 gehen könnte. Ich glaube aber eher, dass es ähnlich wie die Hinrundenpartie laufen wird, als wir hier in Braunschweig 1:1 gespielt haben. Denn wir haben uns stabilisiert.

Was macht Sie zuversichtlich, dass Sie am Ende der Saison in der Liga bleiben?

Dass wir eine sehr große Ruhe im Umfeld haben. Dass alle handelnden Personen hinter dem Weg stehen, den wir vor einigen Jahren eingeschlagen haben. Und dass es auch in der Mannschaft nun nach vorn geht.

Sie spielten mit Michael Preetz zusammen im Hertha-Angriff und machen nun den gleichen Job. Tauschen Sie sich da aus?

Nein, das machen wir nicht. Wir haben auch im Vorfeld der Partie nicht miteinander gesprochen. Es wird schön sein, Michael beim Spiel wiederzusehen. Es ist schon eine besondere Partie für mich, denn ich kenne noch ein paar handelnde Personen bei Hertha.