Bundesliga

Herthas junge Hoffnung soll langfristig gebunden werden

Der 18-Jährige Hany Mukhtar gab gegen den FC Bayern sein Bundesligadebüt. Er steht für die Hoffnung der Berliner, sich in Zukunft aus eigener Kraft in der Liga zu etablieren. Nun soll er verlängern.

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Als Hany Mukhtar die Fußbälle einsammelte und in das kleine Netz stopfte, standen seine Kollegen von Hertha BSC schon unter der Dusche. Das Training war bereist seit 20 Minuten beendet, doch der 18-Jährige blieb auf dem von Herbstlaub bedeckten Schenckendorffplatz, um an seiner Schusstechnik zu werkeln. Herthas Trainer Jos Luhukay stand etwas abseits und schaute ihm zu.

Am Sonnabend hatte er Mukhtar dazu verholfen, mit 18 Jahren und 219 Tagen in der Bundesliga zu debütieren – und das in der hektischen Schlussphase gegen den FC Bayern (2:3), als die Berliner drauf und dran waren, dem Champions-League-Gewinner doch noch einen Punkt abspenstig zu machen. „Man muss sich den kleinen Mann da doch nur angucken“, sagte Luhukay. „Den muss man vom Platz tragen und den Ball wegnehmen, sonst nimmt er ihn mit ins Bett.“

Einsatz gegen die Bayern „ein schönes Gefühl“

Kurz vor der 77. Spielminute in München hatte Luhukay seinen Co-Trainer Markus Gellhaus geschickt, um den 1,71 Meter kleinen Mukhtar, der sich hinter dem Tor mit den anderen Ersatzspielern aufwärmte, zur Einwechslung aufzufordern. Mukhtar schaute ungläubig, drehte sich um, zeigte mit dem Zeigefinger fragend auf sich: Was? Ich?

Ja, er sollte ins Spiel kommen, um gegen die Weltstars Franck Ribéry, Bastian Schweinsteiger und Co., die er zuvor nur aus dem Fernsehen kannte, noch das kleine „Wunder“ eines Punktgewinnes zu bewerkstelligen. „Das war einfach ein schönes Gefühl und hat Lust auf mehr gemacht“, sagte Mukhtar, als er nach seiner Extraschicht vom Trainingsplatz stapfte.

Ronny musste länger auf seinen Einsatz warten

Ob er nach seinem unverhofften Bundesligadebüt denn schlafen konnte, wurde der gebürtige Berliner gefragt. Er lächelte: „Nur ein bisschen...“, antwortete er. Eigentlich wollte er danach gar nicht über seinen ersten Bundesligaauftritt sprechen. „Ich fühle mich noch nicht bereit, etwas zu sagen“, erklärte Mukhtar.

Bereit zum Einsatz vor 71.000 Zuschauern in der Allianz-Arena aber hielt ihn Luhukay. „Ich habe ihn ganz bewusst in dieses Spiel gebracht“, sagte der Niederländer, „um ihm zu zeigen, dass er jetzt eine echte Alternative ist und sich bei uns in der Bundesliga weiterentwickeln kann“.

Luhukay wechselte ihn auf der Spielmacherposition – der Ronny-Position – ein, während der Brasilianer weiter auf der Bank verharrte und erst vier Minuten vor Abpfiff kam. „Ich habe Hany vor der Einwechslung gesagt, dass er mutig sein soll, dass er sich etwas zutrauen kann. Junge Spieler müssen unbekümmert sein“, sagte Luhukay.

Ex-Trainer Thom glaubt an den Durchbruch

Mitte Juni 2012 gewann Mukhtar mit Herthas B-Jugend das Finale der Deutschen Meisterschaft gegen den VfB Stuttgart. Nur 16 Monate später ist der Sohn eines sudanesischen Universitätsprofessors und einer deutschen Mutter nunmehr der Nächste in einer Reihe von Nachwuchsspielern, die es bis in die Profi-Elf geschafft haben.

Nach Fabian Holland, vor allem aber Nico Schulz und John Anthony Brooks steht Mukhtar für die Hoffnung der klammen Berliner auf Nachschub aus der eigenen Jugendabteilung und dafür, in Zukunft auch aus eigener Kraft wieder ein etablierter Bundesligaverein zu werden.

Bei Trainer Jos Luhukay klingt das so: „Es ist nicht normal, dass Hany jetzt schon so weit ist. Ich sehe ihn als einen Spieler für die Zukunft von Hertha BSC. Er gibt uns Hoffnung. Brooks, Schulz und jetzt Mukhtar – das sind die Jungs, die wir für uns aufbauen wollen.“

Mukhtar hat das Zeug, um langfristig eine Rolle zu spielen

Andreas Thom, Mukhtars Trainer in der B-Jugend 2012, ehemaliger Herthaprofi, hatte schon früh erkannt, dass sein Kapitän den großen Sprung von den Jugendlichen, bei denen ein Spiel noch 80 Minuten dauert, zum härteren Männerfußball und ins Profigeschäft schaffen kann: „Hany war schon in der B-Jugend ein außergewöhnlicher Spieler. Er war technisch beschlagen und hatte offensive Qualitäten wie wenige.“

Dass der deutsche U19-Nationalspieler dauerhaft unter dem Trainer Luhukay eine Rolle spielen wird, davon ist Thom überzeugt: „Er kann das schaffen, denn er hat alles, was man dazu braucht.“ Letztlich liege es zwar an ihm selbst, ob er weiter so hart an sich arbeite wie bisher, aber es brauche eben auch einen Trainer, der auf die Jungen setzt. „Und das ist mit Jos Luhukay bei Hertha zum Glück so. Das ist schön zu sehen“, sagte Thom.

Vertragsgespräche stehen an

Luhukay will Mukhtar behutsam zu einem Bundesligaspieler formen. In der vergangenen Zweitligaspielzeit wechselte ihn der 50-Jährige sieben Mal ein. Nach starker Saisonvorbereitung verletzte sich Mukhtar jedoch bei der U19-Nationalelf und musste wochenlang pausieren. Nun soll er punktuell in der ersten Liga Erfahrungen sammeln: „Bei Hany habe ich die Hoffnung“, sagte Luhukay, „dass er in dieser Saison noch öfter zu Einsätzen kommt.“

Nach Morgenpost-Informationen wird Hertha demnächst Gespräche über die vorzeitige Verlängerung des Vertrages mit Mukhtar aufnehmen. Bei Holland, Schulz und Brooks handelte Manager Michael Preetz weitsichtig und verlängerte deren Arbeitspapiere vorzeitig bis 2016 (Holland/Schulz) beziehungsweise 2017 (Brooks), bevor andere Interessenten aktiv werden konnten.

Mukhtars Vertragslaufzeit ist auf Juni 2015 datiert. Geht es nach den Berlinern, wird das Talent von heute dann und darüber hinaus eine feste Größe ihres Teams sein.