Künftige Verträge

Hertha berät Folgen von teurem Vergleich mit Fiedler

Die Trennung von Hertha und seinem Torwarttrainer Christian Fiedler ist nun auch vor Gericht vollzogen. Allerdings kostet sie einiges: Dem 38-Jährigen soll der Abschied mit 579.000 Euro versüßt werden.

Foto: Oliver Mehlis / pa/dpa

Die Frage ist einfach. Kann sich ein Profi-Fußballverein von einem Mitglied des Trainerstabs trennen, wenn das interne Vertrauensverhältnis nicht mehr gegeben ist?

Die Antwort, die das Arbeitsgericht Berlin mittels eines Vergleichs angeregt hat, lautet: Ja, aber das kann sehr, sehr teuer werden.

Insgesamt 579.000 Euro kostet Hertha BSC die Trennung von Christian Fiedler (38). Das ist das Resultat eines Vergleichs, den die Anwälte beider Parteien am Mittwoch vor dem Arbeitsgericht geschlossen haben.

Die Details: Die Kündigung von Hertha zum 30. Juni 2013 wurde nicht akzeptiert. Stattdessen endet das Arbeitsverhältnis mit Fiedler erst am 30. Juni 2014. Bis dahin hat der Klub Fiedlers Grundgehalt von monatlich 12.000 Euro zu zahlen (insgesamt 144.000 Euro).

Für Prämien und Sonderzahlungen hat Hertha 25.000 Euro zu überweisen, unabhängig vom Ausgang der laufenden Bundesliga-Saison. Zusätzlich erhält Fiedler eine Abfindung von 410.000 Euro. Und Hertha verpflichtet sich, Fiedler ein „wohlwollendes Zwischen- und End-Zeugnis“ auszustellen. Für diesen Vergleich gilt eine Widerrufsfrist bis zum 9. Oktober.

Die Hertha-Fans im Internet diskutierten den Fall kontrovers. Die einen sahen Fiedler als „Raffzahn“, der 22 Jahre im Verein gutes Geld verdient habe und nun seinen Arbeitgeber ausquetscht. Andere sahen Hertha als schlecht beraten an. Verkehrte Entscheidungen von Manager Michael Preetz hätten den Verein 579.000 Euro gekostet.

Hertha hatte das Angebot schon deutlich erhöht

Die Realität jedoch sieht anders aus. Eine ungeschriebene Juristen-Regel heißt: „Arbeitsrecht ist pervers. Willst du da wenig bezahlen, musst du auch pervers sein.“ Genau diesen Weg ist Hertha nicht gegangen. Von der Entlassung Fiedlers Ende Mai bis zur Verhandlung am Mittwoch gab es kein böses Wort des Arbeitgebers über den ehemaligen Angestellten. In einer Medienstadt wie Berlin wäre es kein Problem gewesen, den Druck auf Fiedler zur Annahme eines Vergleiches zu erhöhen.

Stattdessen hat Hertha seine Angebote erhöht. Von 100.000 Euro beim Gütetermin im Juli auf 470.000 Euro Ende September. Das war der Gegenseite nicht genug. Nun stimmte der Hertha-Anwalt einem Vergleich zu, der sich auf insgesamt 579.000 Euro beläuft.

Das gibt der Familie Fiedler bis auf weiteres Planungssicherheit. Fiedler hat von etwas Gebrauch gemacht, das jedem zusteht: Er hat seine Rechte vor Gericht eingeklagt. Er sagte im Anschluss an die Verhandlung: „Ich war 23 Jahre in diesem Verein. Ich habe alle Höhen und Tiefen mitgemacht. Es ist unglücklich, dass wir uns hier vor Gericht treffen.“

Arbeitsrecht gilt auch im Profifußball

Sein Vorteil ist, dass das Arbeitsrecht, das ursprünglich für prekäre Verhältnisse entwickelt worden ist, mittlerweile auch für die schnelllebige und hochdotierte Branche Profifußball angewendet wird. Demnach ist der Wunsch eines Cheftrainers, einen anderen Torwarttrainer haben zu wollen, kein hinreichender Kündigungsgrund. Bekanntlich trainiert seit Anfang Juni Richard Golz die Keeper des Bundesliga-Aufsteigers.

Die nachgereichten Begründungen von Hertha – es finde eine Neuorientierung statt, der Torwarttrainer solle über eine Ausbildung in Personalführung und Qualitätsmanagement verfügen – wirkten eher hilflos. Martin Heyl, der Vorsitzende Richter, sagte: „Ich bin nicht überzeugt, dass ein Torwarttrainer über diese Fähigkeiten verfügen muss.“

Alle Berechnungen müssen von 1991 ausgehen

Außerdem entschied der Richter, dass alle Berechnungen für Fiedler von einer Betriebszugehörigkeit seit dem 1. Juli 1991 auszugehen haben. Fiedler spielte bis 2009 als Profi, seit 2009 arbeitete er als Torwarttrainer. Durch die lange Zeit kommt die hohe Abfindung zustande.

Für Fiedler wird sich in Zukunft zeigen, ob der Gang vors Arbeitsgericht ihm bei seiner Jobsuche als Torwarttrainer schadet. Er ist freigestellt und kann mit einer einwöchigen Kündigungsfrist jederzeit sein bis 2014 laufendes Angestelltenverhältnis bei Hertha beenden. Manager Michael Preetz sagte: „Wir werden das Ergebnis des Vergleichs beraten und entscheiden, ob wir es akzeptieren.“

Vergleich mit Auswirkungen auf zukünftige Verträge?

Der Verein ist nun in einer Zwickmühle. Er muss entscheiden, welche Auswirkungen dieser teure Vergleich auf künftige Verträge hat. Hertha vertritt die Philosophie, mit eigenen Talenten und Kontinuität auf Schlüsselpositionen eine positive Entwicklung anzustreben.

Nach der Logik des Arbeitsrechtes jedoch sollte Hertha möglichst häufig sein Personal wechseln. Und auf keinen Fall auf Kontinuität setzen – das kann sehr teuer werden.