Affäre bei Hertha

16-Jährige zeigt sich selbst an

Eine 16-Jährige wollte sich mit fünf Hertha-Profis intim eingelassen haben. Nun gab sie eine eidesstattliche Erklärung ab, dass sie gelogen habe und zeigte sich selbst wegen Urkundenfälschung an.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Die Atmosphäre war angespannt. Kein Lächeln, kein Augenkontakt mit den Medienvertretern, als Manager Michael Preetz und Trainer Jos Luhukay Platz nahmen. Auf dem Programm stand die übliche Pressekonferenz vor der Bundesliga-Partie am Wochenende. Wie immer saßen die Vereinsverantwortlichen oben auf dem leicht erhöhten Podium, eine ungewöhnlich große Anzahl an Fernsehteams, Radio- und Print-Journalisten war erschienen. Von den neuen Journalisten gehörten die wenigsten zu einer Sportredaktion.

Mediendirektor Peter Bohmbach verfährt im hundertfach praktizierten Modus: Die Zahl der im Vorverkauf abgesetzten Tickets (55.000). Die Zahl der erwarteten Zuschauer für die HSV-Partie (über 60.000). Verbunden mit der Bitte um rechtzeitiges Erscheinen. Trainer Luhukay referiert über die personelle Lage vor dem dritten Bundesliga-Spieltag und die Gründe für die Offensivstärke des Aufsteigers.

Es dauert zehn Minuten, ehe eine RBB-Reporterin auf den Punkt kommt, der die angespannte Situation verursacht hat: „Wie positioniert sich Hertha BSC zu Gerüchten, die zu lesen waren? Zu einer möglichen sexuellen Beziehung von Hertha-Spielern zu einer Minderjährigen?“

„Das ist ein Versuch, Hertha zu schaden“

Nun wird Manager Preetz aktiv. „Wir halten das für einen Versuch, Hertha BSC zu schaden. Ich kann Ihnen sagen, dass wir uns zu Privatangelegenheiten unserer Spieler nicht äußern. Wir werden diese Angelegenheit auch nicht weiter kommentieren.“

Ein RTL-Reporter setzt nach: „Inwiefern sind diese Vorwürfe haltbar?“ Manager Preetz erwidert: „Ich dachte, ich hätte mich gerade klar ausgedrückt. Wir äußern uns nicht weiter zu der Angelegenheit.“

Gab sich das Mädchen als 19-Jährige aus?

Mit „der Angelegenheit“ war die Berichterstattung der „BZ“ gemeint. Die Zeitung hatte von einem „schmutzigen Geheimnis“ bei Hertha berichtet. Sie hatte ein 16-jähriges Schulmädchen zitiert, das behauptete, sich in diesem Sommer mit insgesamt fünf Hertha-Profis eingelassen zu haben – und sich dabei nach eigener Aussage angeblich als 19-Jährige ausgab. Von einem „bizarren Reigen“ ist die Rede, von „Sex im Kinderzimmer“ und der „Hertha-Lolita“. Was bundesweit zu Diskussionen führte, wurde im Verlauf des Donnerstags aber infrage gestellt.

Das juristische Vorgehen von Hertha gegen die Berichterstattung war ein erstes Signal. Der Bundesligist schaltete einen Berliner Medienanwalt ein, der deutschlandweit sämtliche Redaktionen darauf hinwies, die Finger von der Geschichte zu lassen. Insbesondere sei die Behauptung unwahr, ein Lizenzspieler von Hertha hätte Geschlechtsverkehr mit der Minderjährigen gehabt.

Affäre um Babbel führte zum Abstieg

Das resolute Vorgehen des Hauptstadt-Klubs hat mehrere Gründe. 15 Monate hat der Verein unter Trainer Jos Luhukay einen erfreulichen Aufschwung genommen. Die Rekordsaison in der Zweiten Liga, der direkte Wiederaufstieg und der Start mit vier Punkten in die neue Bundesliga-Saison addieren sich zu einer erfreulichen Entwicklung. Gleichwohl wissen die Verantwortlichen, dass eine funktionierende Mannschaft ein fragiles Gebilde ist. Im bisher letzten Bundesliga-Jahr 2011/12 hatte ebenfalls eine außersportliche Affäre um den damaligen Trainer Markus Babbel der bis dahin stabilen Mannschaft den Halt geraubt. Hertha geriet damals in einen Abwärtsstrudel, am Ende stand das skandalöse Relegationsspiel bei Fortuna Düsseldorf samt dem Abstieg in die Zweite Liga.

Eine solche negative Entwicklung will Hertha unbedingt verhindern. Deshalb der demonstrative Auftritt des Trainers vor den Medien. Die Botschaft von Manager Preetz lautete ebenfalls: Wir stellen uns vor unsere Spieler.

Intern waren die Hertha-Verantwortlichen empört. Zudem sorgten die Schlagzeilen sowie die Art der Präsentation bei der Familie angeblich für einen regelrechten Schock. Die junge Frau soll einen Zusammenbruch erlitten haben.

Unterschrift der Eltern gefälscht

Am Nachmittag stellten die Rechtsvertreter der Eltern fest: Die Einverständniserklärung der Eltern, die die Zeitung gefordert hatte, trage nicht ihre Unterschrift. Da ihre Tochter minderjährig sei, liege für die Berichterstattung demnach keine Zustimmung der Eltern vor.

Der Aufforderung, auf weitere Berichte zu verzichten, kam die „BZ“ trotz Androhung einer Geltendmachung von Unterlassungs- und weiteren presserechtlichen Ansprüchen jedoch nicht nach.

Außerdem traf eine eidesstattliche Erklärung der Tochter bei Hertha ein. Diese liegt der Berliner Morgenpost vor. Darin heißt es, sie hätte deren Eltern von dem Interviewtermin mit der Zeitung erzählt. Die Eltern hätten ihr die Teilnahme verboten. Darauf habe sie den Reportern eine gefälschte Unterschrift ihrer Eltern vorgelegt. Sie habe deswegen eine Selbstanzeige wegen Urkundenfälschung (Aktenzeichen 130822/1300/022550) erstattet.

Mädchen sagt nun, sie sei noch Jungfrau

Außerdem versicherte die Schülerin auch schriftlich, sie hätte die „BZ“-Reporter belogen. Sie habe nie Geschlechtsverkehr mit einem Hertha-Profi gehabt, sie sei Jungfrau.

Hertha wollte sich zu der Erklärung am Abend nicht weiter äußern. Die Mannschaft konzentriert sich auf das Bundesligaspiel am Sonnabend gegen den krisengeschüttelten Hamburger SV im Olympiastadion. Anstoß ist um 18.30 Uhr.