Bundesliga

Herthas Luhukay lockt Ronny mit Einsatz in Startelf

Herthas Trainer Jos Luhukay hat beim 2:2 gegen Nürnberg viel Positives von seinem Team gesehen. Ein Extralob bekam der Brasilianer Ronny, den er noch in der Vorbereitung hart kritisiert hatte.

Foto: GUENTER SCHIFFMANN / AFP

Die Arbeit der Nacht konnte den Frust nicht vertreiben. „Es tut immer noch weh, auch wenn ich nun drüber geschlafen habe“, sagte Sami Allagui am Morgen, nachdem Herthas tunesischem Angreifer und seinen Kollegen der sicher geglaubte Sieg, die Rückeroberung der Tabellenführung, ja sogar der beste Saisonstart in der Geschichte der nunmehr 30-jährigen Bundesligazugehörigkeit der Berliner mit einem Kunstschuss in allerletzter Minute entrissen wurde.

Das 2:2 (0:1) beim 1. FC Nürnberg vom Sonntagnachmittag und damit eine beruhigende Punktausbeute von vier Zählern aus den ersten beiden Partien nach dem Wiederaufstieg seien sonst ja ansehnlich, befand Allagui. „Da kann man nicht meckern. Aber wir hätten trotzdem gern sechs Punkte gehabt“, sagte der Offensivspieler.

Allaguis Trainer Jos Luhukay, der ja selbst einmal Profi war, konnte die Enttäuschung seiner Spieler nachempfinden. In seiner Rolle als Verantwortlicher für das große Ganze aber überwog für den Niederländer etwas anderes: „Die Mannschaft hat sich in Nürnberg sehr gut präsentiert. Das ist das Entscheidende“, sagte Luhukay.

Sein Team, das ja noch „frisch ist in der Liga“, habe bewiesen, dass es mitreden könne. Nach zwei guten Auftritten in den ersten beiden Spielen der Saison sei der Eindruck positiv. „Das ist wichtiger als die Punkte. Denn die Spieler können jetzt glauben, dass wir konkurrenzfähig sind“, sagte der Niederländer.

Im Trainingslager angezählt

Luhukay war in den Wochen vor dem Bundesligastart die Anspannung deutlich anzumerken. Wortkarger und dünnhäutiger als in der erfolgreichen Zweitligaspielzeit davor gab sich der 50-Jährige. Nun aber, da sein Team schneller noch als erwartet in die Bundesliga hineingewachsen zu sein scheint, ist die Zuversicht und Zufriedenheit zurück.

Ein Grund mehr für wohlige Gefühle lieferte dem Trainer in Nürnberg ein Spieler, zudem er seit seinem Amtsantritt im Sommer 2012 eine besondere Beziehung pflegte, der ihn zuletzt aber enttäuscht hatte: der Brasilianer Ronny.

Ihn hatte Luhukay beim Stand von 1:1 zusammen mit Stürmer Sandro Wagner ins Spiel gebracht und damit ein deutliches Zeichen an seine Mannschaft gegeben, nunmehr voll auf Sieg zu spielen. Der Plan ging auf, und Ronny verwandelte sicher einen von Alexander Baumjohann herausgeholten Strafstoß. Zwar war dies letztlich nicht der Siegtreffer, „den hätte ich Ronny sehr gegönnt“, sagte Luhukay. Aber es war der Beweis, dass auf Ronny eben Verlass ist, wenn er gebraucht wird.

Und dies veranlasste Luhukay am Montagmorgen, ein Plädoyer für den 27-Jährigen zu halten: „Ich fand, dass Ronny das angedeutet hat, was wir aus der vergangenen Saison von ihm kennen. Und das gibt mir ein gutes Gefühl“, sagte der Trainer.

„Das ist nicht mehr der Ronny aus der Vorbereitung“

Noch im Trainingslager in Österreich hatte Luhukay einen anderen Eindruck von Ronny. Er ärgerte sich über den schlechten körperlichen Zustand, in dem sein Regisseur aus dem Sommerurlaub in Brasilien zurückgekehrt war. Er soll nicht nur die schlechtesten Fitnesswerte im Team gehabt haben. Er wirkte bei den Einheiten in Irdning auch seltsam lust- und energielos.

Luhukay sagte, er sei nicht sicher, ob er den Spielgestalter, der mit 18 Toren und 14 Vorlagen noch einen maßgeblichen Anteil am reibungslosen Wiederaufstieg hatte, beim ersten Pflichtspiel würde aufstellen können. „Er ist noch nicht auf dem Stand, auf dem ich ihn gern sehen würde“, sagte der Trainer damals und forderte seinen besten Spieler der Vorsaison auf, mehr zu investieren. Später erschrak Luhukay über das mediale Echo, das seine Worte auslösten. Denn Ronny war vorerst einmal diskreditiert.

Und bei manchem Zuschauer wirkte es so, als ruhe sich der Aufstiegsheld nun auf seinem gerade erst zu deutlich besseren Bezügen verlängerten Vertrag aus.

Gemeinsam mit Alexander Baumjohann von Beginn an?

Diesen Eindruck will Luhukay nicht mehr gelten lassen: „Wenn man Ronny im Training sieht, dann erkennt man, dass er sich deutlich verbessert hat. Das ist nicht mehr der Ronny aus der Vorbereitung“, sagte Luhukay. Die Qualität, die der Linksfuß im vergangenen Jahr unter Beweis gestellt hatte, habe er nicht verlernt. Sie musste eben nur wieder freigelegt werden.

Da dies nun offenbar der Fall ist, rundete der Trainer sein Lob an das Sorgenkind von gestern mit einer schönen Perspektive ab: „Wenn er so weiterarbeitet, dann ist er auf einem guten Weg in die erste Elf“, sagte Luhukay.

Am Montag fehlte Ronny zwar mit leichten Rückenbeschwerden beim Training, doch die Worte seines direkten Vorgesetzten dürften ihn zusätzlich motivieren. Denn Luhukay könnte sich auch vorstellen, das Ronny demnächst gemeinsam mit Baumjohann, der ihn zuvor als Spielgestalter verdrängt hatte, von Beginn an aufläuft. „Das sind zwei Spieler, die einfach die Extraklasse besitzen. Die können natürlich auch zusammen spielen“, sagte Luhukay.

Und wer weiß? Vielleicht bekommt das Publikum beim nächsten Spiel gegen den Hamburger SV am Sonnabend wieder einen schönen Freistoß zu sehen, wie zuletzt in Nürnberg, als Hiroshi Kiyotake den Berlinern die Tabellenführung vermasselte. Luhukay lächelte: „Diesmal aber von Ronny.“