Geburtstag

Otto Rehhagel - Das Kind der Bundesliga wird 75

Für Hertha bestritt Otto Rehhagel einst das erste seiner 1033 Spiele. Keiner hat mehr Bundesligaspiele erlebt als der gelernte Anstreicher aus Essen. Heute feiert „König Otto“ seinen 75. Geburtstag.

Foto: Zettler / dpa

Die Bundesliga wird 50, ihr Kind am heutigen Freitag 75. Unmöglich? Nicht für Otto Rehhagel, der sich selbst zum „Kind der Bundesliga“ ernannte, weil er damals schon dabei war.

Am 24. August 1963 trug er für die Mannschaft von Hertha BSC die „2“ auf dem Rücken, und niemand ahnte, dass der rustikale Verteidiger ohne jegliche Länderspielweihen 50 Jahre später ihr Rekordhalter sein würde: Keiner hat mehr Bundesligaspiele erlebt als der gelernte Anstreicher aus Essen, was natürlich daran liegt, dass er ein halbes Leben auf der Trainerbank verbracht hat. Und so stehen 1033 Spiele in den Chroniken, 832 davon als Trainer. Wenn es Jupp Heynckes zu Hause in seinem Garten nicht doch noch zu langweilig wird, ist es ein Rekord für die Ewigkeit. Dem Triplegewinner 2013 fehlen noch 22 Spiele zu „König Otto“, wie sie ihn während seiner knapp 15-jährigen Regentschaft in Bremen irgendwann nannten.

Es hat erfolgreichere Trainer gegeben, aber auch drei deutsche Meistertitel und der EM-Triumph mit Griechenland können sich sehen lassen, obwohl der letzte Einsatz als Feuerwehrmann in Berlin bei Hertha dann mit dem Abstieg endete.

„Menschlich war er eine Granate“

Rehhagels Karriere steckt voller Merkwürdigkeiten. Da ist das 6:0 gegen die mit fünf Weltmeistern angetretenen Bayern mit Kickers Offenbach anno 1974, aber auch das historisch höchste Bundesligaresultat, ein 0:12 mit Dortmund gegen Gladbach, das ihm den Spottnamen „Otto Torhagel“ einbrachte – und die Entlassung. Am nächsten Tag kamen zwei Spieler, die das Desaster angerichtet hatten, mit dem Fahrrad vorbei und erkundigten sich nach seinem Wohlbefinden.

Denn die Spieler schätzten Rehhagel, der mit ihnen bei all seinen Vereinen eine Schicksalsgemeinschaft einging. Er hat sich immer vor sie gestellt, selbst in München, wo er 1995/1996 ein Fiasko erlebte und Opfer von Intrigen wurde – und seinem Mangel an Bereitschaft, mit den Mächtigen zu kooperieren. Und doch sagt sein damaliger Verteidiger Thomas Helmer heute noch: „Menschlich war er eine Granate.“

Seinem Lieblingsspieler Mario Basler ließ er in Bremen einiges durchgehen. Als das schlampige Genie wieder mal zu spät zum Training kam, legte Otto ihm einen Ball hinter (!) die Torauslinie auf Höhe der Eckfahne und sagte: „Mario, wenn Sie den reinschießen, können Sie gleich wieder heimfahren!“ Kunstschütze Basler traf und hatte einen freien Tag. Rehhagels Botschaft: Die Spieler so lassen wie sie sind, wenn sie der Gemeinschaft nutzen.

Mit dieser Devise hat es Fußballwunder in Serienproduktion gegeben: die großen Europacupspiele mit Bremen, die Meisterschaft mit Aufsteiger Kaiserslautern und als Krönung den EM-Titel – leider nicht mit den Deutschen, sondern mit den Griechen. Rehhagel wäre ein guter Bundestrainer geworden, aber als er 2004 das Angebot erhielt, lehnte er ab. Weil er noch einen Vertrag mit den Griechen hatte. Ein Otto, ein Wort.