Trainingslager

Hertha-Trainer Luhukay übt herbe Kritik an Ronny

Herthas Trainer Jos Luhukay ist im Trainingslager in der Steiermark gar nicht mit Ronny zufrieden. Er übt offen Kritik und droht sogar, den Zweitliga-Torjäger zum Erstligastart nicht aufzustellen.

Einige Spieler strebten bereits der Dusche zu. Andere jonglierten auf einer Freifläche hinter einem Tor. Das waren jene Profis, die tags zuvor beim 2:1 gegen US Palermo im Einsatz waren.

Ronny jedoch hatte keinen Feierabend. Der Brasilianer gehörte zu jenen zehn Spielern, die eine schweißtreibende Einheit zu absolvieren hatten: Fünf gegen Fünf auf einem kleinem Feld bei drückender Schwüle im Trainingslager in der Steiermark.

Da stand Ronny in einer Mannschaft mit Maik Franz und Fabian Holland – und wirkte sehr in sich gekehrt. Auch andere Stammkräfte der vergangenen Saison waren noch im Einsatz: Peter Niemeyer etwa, Fabian Lustenberger und Adrian Ramos. Hertha geht die Mission Klassenerhalt mit vier Neuen an. Die sind hoch motiviert. Wie Alexander Baumjohann, der die Partie gegen den italienischen Zweitligisten mit zwei Treffern für den Bundesliga-Aufsteiger allein entschied.

Baumjohann, aus Kaiserslautern gekommen, kann alle Positionen im Mittelfeld spielen. „Am besten bin ich aber im Zentrum“, sagt er. Das war in der vergangenen Saison die Ronny-Position. Doch Trainer Jos Luhukay erklärte nun öffentlich seine Unzufriedenheit über Ronny. „Er ist noch nicht da, wo ich ihn haben will. Ronny braucht jede Einheit. Aber da muss er auch etwas investieren.“

Kritik an mangelhafter Fitness

Luhukay verwies darauf, dass die Vorbereitung mittlerweile fast fünf Wochen dauere. „Die Zeit wird immer knapper. Und ich weiß nicht, ob ich Ronny beim Saisonstart guten Gewissens aufstellen kann.“ Das ist deutlich. Es ist noch nicht lange her, da hatte der Trainer Ronny „als den mit Abstand besten Spieler von Hertha“ gelobt. Das war in der Phase der Vertragsverhandlungen.

Der Verein, Manager Michael Preetz und der Trainer belohnten das außerordentliche Zweitliga-Jahr von Ronny (18 Tore, 14 Vorlagen) mit einem gut dotierten Vier-Jahres-Vertrag. Nun sagt derselbe Trainer, dass er den Publikumsliebling wohl nicht aufstellen werde, wenn Hertha am 10. August mit einem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt in die erste Liga startet.

Um das zu verstehen, muss man kurz auf den Verlauf dieser Vorbereitung zurückschauen. Ronnys Fitness ließ nach der Rückkehr aus dem Heimaturlaub arg zu wünschen übrig. Das war Ende Juni, da hatte sich der Vorgesetzte noch einmal schützend vor ihn gestellt. Nein, er wolle den Namen Ronny nicht bestätigen, sagte Luhukay. Die allermeisten Spieler hätten in den Ferien sehr gut gearbeitet.

Falls der Trainer erwartet hatte, dass Ronny nun Gas geben würde, sah er sich getäuscht. Der Brasilianer schwimmt so mit. Dabei hat Luhukay noch einmal ein großes Plädoyer vor seinen Spielern gehalten und an deren Eigenverantwortung appelliert, was Fitness, Ernährung und die nötigen Ruhephasen angeht. Immer wieder lässt Ronny seine besonderen technischen Fähigkeiten aufblitzen.

Baumjohann glänzt

Insgesamt präsentiert er sich jedoch unauffällig. Zudem hat Ronny etwas Pech. Baumjohann, sein Rivale im Kampf um einen Stammplatz, glänzt nicht nur mit guter Spielübersicht. Und den zwei Toren gegen Palermo. Baumjohann ist auch noch ein wuchtiger, dynamischer Spieler, sehr präsent in Zweikämpfen – eine Qualität, die Ronny nie haben wird.

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Es spricht jedoch für den guten Teamgeist, dass der größte Verteidiger von Ronny sein Kollege ist. Baumjohann sagt, dass er noch nie einen Fußballer gesehen habe, der einen so guten Fuß wie Ronny hat. Er findet, dass sehr wohl ein gemeinsames Mittelfeld mit Ronny möglich sei. „Das haben wir im Test gegen Altglienicke gezeigt. Wir sind dann sehr variabel.“ Und er will nichts davon wissen, dass Ronny niedergeschlagen sei. „Wir reden viel miteinander. Ronny fällt die Vorbereitung schwer. Aber er ist guter Hoffnung, dass er zum Start in einer guten Verfassung sein wird.“

Der Trainer sieht das derzeit offensichtlich anders. Öffentliche Kritik von Luhukay ist ein Stilmittel, das er nur selten einsetzt. Man kann davon ausgehen, dass der Trainer Ronny längst seine Unzufriedenheit mitgeteilt hat. Und es ist sicher kein Zufall, dass Luhukay für Baumjohann nur positive Worte übrig hat: „Alexander macht einen sehr guten Eindruck. Ob Training oder Spiel, das ist sehr erfreulich.“

Ronny sollte die Trainer-Kritik als Weckruf verstehen. Denn die Zeiten, in denen der Edeltechniker bei Hertha nicht zu ersetzen war, sind vorbei – siehe Baumjohann.