Euro 2012

Spanien schießt sich nach Elfmeter-Krimi ins EM-Finale

Der Triple-Traum lebt: Spanien kämpft sich gegen Portugal ins EM-Finale. Superstar Cristiano Ronaldo vergibt mehrere gute Chancen.

Spanien darf weiter vom Titel-Hattrick und dem EM-Wunschfinale gegen Deutschland träumen. In einem Elfmeter-Krimi bezwang der Welt- und Europameister am Mittwochabend beim Halbfinale in Donezk die leidenschaftlichen Portugiesen mit 4:2, nachdem die 120 zähen Minuten zuvor torlos geblieben waren. Damit steht der Titelverteidiger in seinem dritten Finale in Serie bei einem großen Turnier. Um ihre Fußball-Vorherrschaft am Sonntag in Kiew gegen Deutschland oder Italien zu behaupten, müssen sich die Spanier aber deutlich steigern.

Nur die Abschlussschwäche von Portugals Superstar Cristiano Ronaldo, der vor 48.000 Zuschauern mehrfach aus guter Position scheiterte, bewahrte die uninspirierten Spanier vor dem vorzeitigen Aus. Im Elfmeterschießen zeigten dann Joao Moutinho und Bruno Alves Nerven und verschossen. Cesc Fabregas machte für Spanien alles klar.

Del Bosque entschied sich im Sturm für Negredo

Völlig überraschend hatte sich Spaniens Trainer Vicente del Bosque nach der Dauerdebatte um die Offensivformation diesmal für den gelernten Stürmer Alvaro Negredo entschieden. Der 26-Jährige vom FC Sevilla war zuvor bei der EM nur eine Minute zum Einsatz gekommen, erhielt aber den Vorzug vor Fernando Torres und Cesc Fábregas.

Viel bewirkte Negredo nicht, schon nach 53 Minuten musste er seinen Platz wieder für Fábregas räumen. Die gefürchteten Ballpassagen der Spanier blieben lange wirkungslos und wurden von den Zuschauern sogar mit Pfiffen und Buhrufen begleitet.

Die Portugiesen setzten ihre Hoffnung wie gewohnt in Ronaldo und kämpften sich mit viel Leidenschaft in die Partie. In der Spitze ersetzte diesmal der frühere Bremer Hugo Almeida den verletzten Hélder Postiga, ansonsten vertraute Coach Paulo Bento dem bei der EM erprobten Team. Nach zögerlichem Beginn störten die Portugiesen die Kreise der Spanier früher und beeindruckten den Favoriten damit.

Nur einmal wurde Spanien in der ersten Hälfte gefährlich

Nur bei einem Schuss von Ronaldo-Bewacher Álvaro Arbeloa in der 9. Minute und einem Schlenzer von Andrés Iniesta (29.) wurden die Spanier in Hälfte eins gefährlich. Beide Versuche strichen jedoch über das Tor. Auf der Gegenseite zog Ronaldo im Fallen von der Strafraumgrenze ab, der Flachschuss zischte knapp neben dem rechten Pfosten vorbei (31.). Längst hatte sich der Weltfußballer von 2008 seinem Schatten Arbeloa entzogen und wich zunehmend in die Mitte aus.

In der zweiten Halbzeit kamen Xavi und Co. mit ihrem routinierten Rasenschach erneut nicht voran, ein Plan B fehlte ihnen. Schon nach einer Stunde reagierte Coach del Bosque zum zweiten Mal: Jesús Navas, Siegtorschütze gegen Kroatien, ersetzte den wirkungslosen David Silva. Wirklich besser wurde das Spiel des Titelkandidaten aber auch jetzt nicht. Stattdessen trat Ronaldo in der 73. Minute in typischer Westernpose zum Freistoß an, sein Schuss aus 25 Metern war jedoch um einen halben Meter zu hoch angesetzt.

Kein Mittel gegen dichtgestaffelte Portugiesen

Auch in der Schlussphase fiel den Spaniern nur wenig gegen das dichtgestaffelte Mittelfeld der Portugiesen ein. Sekunden vor dem Ende verpasste Ronaldo bei einem Konter zum wiederholten Mal das mögliche 1:0, als sein Schuss weit über das Tor flog. So ging es in die Verlängerung.

Zuletzt hatten sich die Spanier vor zwei Jahren im WM-Finale gegen die Niederlande über 120 Minuten quälen müssen. Damals hieß der Retter Iniesta. In der 104. Minute hatte der Spielmacher des FC Barcelona erneut die Entscheidung auf dem Fuß. Nach Flanke von Jordi Alba scheiterte Iniesta aber mit seiner Direktabnahme an Keeper Rui Patricio. Auch beim Schuss von Jesus Navas war der Schlussmann zur Stelle (111.).

Die Portugiesen wirkten nun müde und konnten den alten Rivalen nicht mehr so effektiv am Vorwärtsgang hindern. Mit letzter Not retteten sie sich ins Elfmeterschießen – und scheiterten doch.