Spiel gegen Portugal

Dänemarks Bendtner sorgt für Furore mit giftgrüner Unterhose

Stürmer Nicklas Bendtner macht immer wieder Schlagzeilen - auf und neben dem Feld. In seiner Heimat lieben sie den Glamourboy für beides.

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Große Fußballer kaufen keine Unterwäsche von der Stange. Der englische Superstar David Beckham trägt laut seiner Frau Victoria gern ihre Tangas, der Franzose Franck Ribery präsentiert beim Richten seiner Hose Boxershorts mit Comicmotiven, und der deutsche Ex-Capitano Michael Ballack posierte in schwarz-rot-goldener Unterhose für ein Magazin. Aber auf was steht eigentlich der Däne? Er setzt noch einen drauf.

Nicklas Bendtner zeigt bei der EM gerade mal wieder, wie frech er ist. Dänemarks Stürmer köpfte beim 2:3 (1:2) gegen Portugal zwei Tore – und stieß den europäischen Fußballverband Uefa mit seinem Jubel vor den Kopf. Nach dem zwischenzeitlichen 2:2 lief er zu den Fans, zog sein Trikot hoch und die Hose runter. Eine giftgrüne Unterhose kam zum Vorschein, auf deren Gummizug steht: Paddy Power. Es ist der Name eines irischen Sportwettenanbieters. Laut Uefa-Statuten ist Spielern jede Art der Werbung verboten. Der Verband hat Ermittlungen eingeleitet, Bendtner droht eine Strafe. Vor dem letzten Gruppenspiel gegen Deutschland am Sonntag dreht sich im dänischen Lager mal wieder alles um ihn. Der 24-Jährige macht auf unschuldig, er habe keinen Vertrag mit Paddy Power: „Diese Hose habe ich von einem Kumpel geschenkt bekommen.“ Ob dieser ihm das Präsent zumindest ungetragen überreicht hat, sagte er nicht. Auf jeden Fall sollte die Hose Glück bringen. „Aber das hat sie ja nicht.“

Ehe mit Baronin hielt nicht

Bendtners Traum ist das Viertelfinale. Er ist der einzige Star in der Mannschaft, war mit der Baronin Caroline Fleming verheiratet, traf sich nach der Scheidung mit der Schauspielerin Julie Zangenberg. Der Glamourboy soll es richten. „Wir müssen gegen Deutschland was mitnehmen“, fordert er deshalb. Als Mario Gomez sein 1:0 gegen die Niederlande schoss, stand Bendtner nach der Partie gegen Portugal noch in den Katakomben des Stadions in Lemberg und gab Interviews. Er schaute sich den Treffer auf einem Fernseher an und grinste. „Die Deutschen sind eine starke Mannschaft, aber wir konzentrieren uns auf uns selbst.“

Das konnte er schon immer. Als Jüngling von 17 Jahren wechselte er für 250.000 Euro vom FC Kopenhagen zum FC Arsenal, beim 5:0 gegen den FC Porto vor zwei Jahren erzielte er als erster Däne einen Hattrick in der Champions League. Heute beträgt sein Marktwert geschätzte 7,5 Millionen Euro.

Doch der 1,94 Meter große Angreifer ist nicht gerade diplomatisch, und das bringt ihm Ärger mit Trainern und Kollegen ein. Sein damaliger Mitspieler Emmanuel Adebayor verpasste ihm in der Kabine mal eine blutige Nase. Arsenal hat ihn zuletzt an AFC Sunderland verliehen. Der Klub erlaubte ihm im vergangenen Jahr, eine Verletzung in Kopenhagen auszukurieren. Doch statt zu ruhen, zog er mit einer Frau um die Häuser und bestellte am Ende der Partynacht in einem italienischen Restaurant eine Pizza. Seine Begleitung wartete im Wagen, und als die Pizza fertig war, fiel Bendtner auf, dass er kein Geld dabei hatte. Er forderte, sie umsonst zu bekommen. Die Mitarbeiter weigerten sich, und Bendtner drehte durch: „Wisst ihr eigentlich, wer ich bin? Ich könnte die ganze Pizzeria kaufen!“ Bendtner bettelte schließlich die Gäste an. Ein paar Mädchen hatten Erbarmen und gaben ihm die 120 Kronen (16 Euro). Ein Gast filmte das ganze Theater mit seinem Handy.

In Dänemark mögen sie ihn trotzdem. Bendtner ist Nationalstolz pur. Wenn er das dänische Trikot überstreife, kriege er feuchte Augen, sagt er. Jedes Länderspiel sei so besonders wie sein erstes vor sechs Jahren. Und er hat gute Sprüche drauf. Als er wegen einer Verletzung mit einer Maske spielen musste, sagte er: „Ich sehe damit nicht mal halb so cool aus wie Batman.“

Bendtner will sich nach der EM einen neuen Klub suchen, die dänische Torwartlegende Peter Schmeichel legt ihm einen Wechsel in die Bundesliga nahe. Bei Arsenal soll Bendtner rund 60.000 Euro pro Woche verdient haben. Er ist der teuerste Profi in der dänischen Fußballgeschichte. Zu Recht, findet er: „Wenn sie mich fragen, ob ich einer der besten Stürmer der Welt bin, sage ich ja.“

Unbändiges Selbstbewusstsein

Arroganz? Oder unbändiges Selbstvertrauen, das ein Stürmer im Millionen-Geschäft Fußball braucht? Bendtner nennt seine provokante Art „an sich glauben“. Ein Sportpsychologe untersuchte die mentale Form der Arsenal-Spieler. In der Kategorie Selbstwahrnehmung bewertete er die Profis auf einer Skala eins bis neun. Bendtner erreichte eine Zehn.

Was soll mit diesem Mann erst passieren, wenn er gegen Deutschland ein Tor schießt?