Fußball-EM

"Trap" und Bilic liefern sich spannendes Trainer-Duell

Slaven Bilic und Giovanni Trapattoni trafen sich zum ersten Mal vor 18 Jahren. Für Kroatien und Irland ist das Duell eine Art Endspiel.

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Das erste Mal sind sich Slaven Bilic und Giovanni Trapattoni vor knapp 18 Jahren in der Bundesliga begegnet. Der „Maestro“ trainierte damals den FC Bayern München, Bilic verteidigte für den Karlsruher SC. Die Bayern verspielten zweimal eine Führung in diesem November 1994 und kassierten in letzter Sekunde noch das 2:2 – ein Albtraum für einen Defensiv-Fanatiker wie Trapattoni.

Am Sonntag sehen sich beide bei der EM wieder. Bilic ist mittlerweile Nationalcoach von Kroatien, während „Trap“ im stolzen Alter von 73 Jahren nun den Iren erklärt, wie man Gegentore vermeidet. Für beide Teams ist die Partie in Posen (20.45 Uhr/ZDF) schon eine Art Endspiel, weil es ohne die drei Punkte aus diesem Außenseiter-Duell nur schwer werden dürfte, einen der beiden Gruppenfavoriten Spanien und Italien hinter sich zu lassen. Ganz nebenbei ist Trapattoni gegen Bilic aber auch eines der interessantesten Trainer-Duelle bei dieser EM.

Der Kroate ist nicht nur 30 Jahre jünger, sondern stellt auch noch in einem Maß sein Selbstvertrauen zur Schau, wie es sich der stets im edlen Zwirn gekleidete Gentleman auf der Gegenseite nie erlauben würde. „Es sind nur fünf Spiele bis zum Finale. Wenn wir jedes mit dem richtigen Plan und Motivation angehen, dann können wir bis dahin kommen“, sagte Bilic mit einem Lächeln.

Bilic wechselt nach Moskau

Für den 43-Jährigen beginnt seine Trainerlaufbahn erst richtig nach diesem Turnier, wenn er mit Lokomotive Moskau zum ersten Mal für längere Zeit einen Verein übernehmen will. Jemand wie Trapattoni kann darüber nur lächeln. Er hat schon 1977 den ersten von fünf Europapokal-Titeln geholt und im Laufe seiner Karriere mit fünf verschiedenen Klubs insgesamt zehn Meisterschaften gewonnen. Das kleine Irland nach Polen und in die Ukraine geführt zu haben, ist für den ältesten Trainer der EM-Geschichte nur ein Erfolg von vielen.

„Wir wollen gewinnen, denn wir wissen natürlich, dass dieses erste Spiel von einer enormen Bedeutung ist“, meinte er vor dem Kroatien-Match. Der Italiener braucht solche Siege nur längst nicht mehr für sein eigenes Renommee. Er sagt stattdessen: „Das sind wir unseren Fans schuldig, die große Opfer bringen, um zur EM zu kommen.“

Trapattoni ist in Irland längst mehr als nur ein Fußball-Trainer. Er wird dort ähnlich wie in Deutschland auch als eine Art Klamauk-Figur angesehen, der die Leute regelmäßig mit sprachlichen Kapriolen amüsiert. Vor dem Spiel gegen Kroatien wird aber auch deutlich, wie groß der Respekt vor dem Altmeister in seiner Branche immer noch ist. „Ihre Disziplin in der Defensive ist beeindruckend“, sagte Bilic über die Iren. Auch die Italiener erzählen gern, dass sie allein aufgrund der Person Trapattoni mehr Angst vor Irland als vor den spielerisch eigentlich klar stärkeren Kroaten haben.

Die haben vor dem Spiel noch eine andere Sorge als „Traps“ reichhaltigen Erfahrungsschatz. Ihr Verletzungspech kostete bereits Ivica Olic (Bayern), Ivo Ilicevic (HSV) und Dejan Lovren (Olympique Lyon) die EM-Teilnahme. Immerhin ist Vedran Corluka (Leverkusen) trotz Wadenproblemen gegen Irland dabei.