Bundesliga

TV-Rechte: Der Milliarden-Poker hat begonnen

Die Deutsche Fußball Liga erhofft sich trotz der Coronavirus-Pandemie eine Steigerung der Fernsehgelder für die Jahre 2021 bis 2025.

TV-Kameras übertragen die Geisterspiele aus den leeren Stadien in die heimischen Wohnzimmer.

TV-Kameras übertragen die Geisterspiele aus den leeren Stadien in die heimischen Wohnzimmer.

Foto: Pressefoto Rudel/Robin Rudel/Pool / pa

Berlin. An welchem Ort sich Christian Seifert mit seinen Mitarbeitern in Frankfurt einigelt, soll die Öffentlichkeit nicht erfahren. Der Geschäftsführer der Deutsche Fußball-Liga (DFL) will ungestört an seiner derzeit wichtigsten Aufgabe werkeln, die die Zukunft der 1. und 2. Bundesliga maßgeblich beeinflussen wird. Denn in den kommenden zwei Wochen werden die TV-Rechte für die Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 veräußert, sie sollen mehrere Milliarden Euro auf das DFL-Konto spülen. Kann das gelingen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Worum geht es?

Einfach gesagt: um mehr Geld. Die DFL hofft, künftig eine noch größere Summe durch die TV-Übertragungen herausquetschen zu können. Durch die letzte Auktion wandern inklusive der laufenden und der kommenden Saison 4,64 Milliarden Euro in die Kassen der 36 Profiklubs. Vor der Corona-Krise wurde debattiert, ob künftig die Fünf-Milliarden-Grenze geknackt werden kann.

Die Pandemie wirbelt aber die Pläne durcheinander, vielleicht hat das jahrelange Wachstum ein Ende. Trotzdem glaubt Medienrechte-Experte Kay Dammholz, der als DFL- und DAZN-Manager selbst für Rechtevergaben verantwortlich war, an eine Steigerung. „Die fällt aber vielleicht nicht so groß aus wie ohne Corona“, sagt er dieser Redaktion. Ein Grund sei die gesteigerte Konkurrenz.

Wer mischt mit?

Natürlich möchte Sky wichtigster DFL-Partner bleiben. Aber: DAZN und Amazon drängen auf den Markt, die Telekom bietet mit, RTL und sogar dem Springer Verlag werden für sein Angebot „Bild live“ eine Überraschung zugetraut. Auch ARD (Sportschau) und ZDF (Sportstudio) mischen noch mit. Daher lastet gewaltiger Druck auf Sky. „Sie werden kaum eine Chance haben, ohne Recht auf dem deutschen Markt zu bestehen“, so Dammholz. „Aber sie dürfen auch nicht zu teuer einkaufen, ansonsten gehen sie unter.“

Der US-Gigant Amazon, der schon in der laufenden Saison in die Live-Übertragung der Bundesliga eingestiegen ist, könnte alle anderen Bewerber unter Druck setzen – auch wenn die meisten Beobachter von nur einem gezielten Gebot der Amerikaner auf ein Rechtepaket ausgehen. Schließlich hat Amazon sogar von der Krise profitiert. Der Onlinehändler konnte im ersten Quartal des Jahres seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent auf knapp 69 Milliarden Euro steigern.

Wie läuft der Poker ab?

„Die Angebote können per E-Mail eingereicht werden oder per Post“, erklärt DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Bis zum 19. Juni. In der ersten Woche werden die Pay-TV-Rechte veräußert, in der zweiten Woche die Free-TV-Rechte.

Das höchste Gebot erhält den Zuschlag. Eigentlich, denn wenn das nächstbeste Gebot 20 Prozent oder weniger unter dem Meistbietenden liegt, wird eine zweite Runde eröffnet. Bei gleichbleibender Differenz darf die DFL entscheiden, wer das Rechtepaket erhält. Ein bisschen Spielraum existiert also, um Sky, das während der Krise geholfen hat, zu unterstützen. Ein Ergebnis wird die DFL am 22. Juni verkünden, nachdem alle Vereine informiert wurden.

Ersteigert werden können vier Pakete: die Konferenz, alle 15.30-Uhr-Spiele, die 18.30-Uhr-Partien oder alle Begegnungen am Freitag und Sonntag. Allerdings werden ab 2021 drei zusätzliche Live-Spiele frei empfangbar sein, die Höhepunkte am Samstag ab 18.30 Uhr könnten erneut zur Sportschau wandern. Doch in Stein gemeißelt ist nichts. Wichtig: Am Ende muss das Bundeskartellamt zustimmen.

„Top-Sportrechte für sich alleine genommen sind eigentlich ein Verlustbringer. Gleichzeitig sind Sportrechte der Grund, ein Abo abzuschließen. Das Geschäft wird danach gemacht, mit weiteren Angeboten“, erklärt Dammholz. Dies spräche dann für Amazon.

Warum sind die Verhandlungen so wichtig?

Als zu Beginn der Corona-Krise bereits eingeplante TV-Einnahmen zu platzen drohten, schwankten einige Klubs. Mittlerweile sieht es so aus, dass Schlimmeres verhindert werden kann, da die Saison nach dem Wiederbeginn voraussichtlich beendet werden kann. Doch die damals ausgebrochene Aufregung und Existenzangst einiger Klubs verdeutlicht, welche enorme Bedeutung die Gelder für alle besitzen.

Worauf müssen Fans achten?

Man wird weiterhin mehrere Abos brauchen, um alle Partien live verfolgen zu können. Streamingdienste gewinnen an Bedeutung. Wirklich planen müssen Anhänger aber erst im Vorfeld der Saison 2021/22, da bleibt noch Zeit.

Was steht bereits fest?

Schon jetzt ist klar, dass es Änderungen beim Spielplan geben wird. Statt der fünf Bundesliga-Partien am Sonntag um 13.30 Uhr und der fünf Begegnungen am Montag um 20.30 Uhr werden zehn Spiele am Sonntagabend um 19.30 Uhr stattfinden. Das zweite Sonntagsspiel wird um 17.30 Uhr statt um 18 Uhr angepfiffen.

Das Zweitliga-Topspiel steht am Sonnabend um 20.30 Uhr statt am Montag auf dem Programm, die weiteren Zweitliga-Begegnungen am Sonnabend werden eine halbe Stunde später als bisher um 13.30 Uhr angepfiffen. Zudem werden am vorletzten Spieltag nicht mehr wie bisher alle Bundesliga-Partien parallel stattfinden, der Spieltag wird „normal“ mit unterschiedlichen Anstoßzeiten ausgetragen.