Fussball

Verrückte Ergebnisse durch Geisterspiele?

Die Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga könnten einen entscheidenden Einfluss auf das Saisonende nehmen.

Eintracht Frankfurt musste in der Europa League ein Geisterspiel gegen Basel absolvieren.

Eintracht Frankfurt musste in der Europa League ein Geisterspiel gegen Basel absolvieren.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Köln. 8:0! Beim virtuellen Revierderby hat der Schalker Nassim Boujellab Dortmunds Achraf Hakimi vom Platz gefegt. Wenn die Fußball-Bundesliga im Mai mit Geisterspielen fortgesetzt werden sollte, ist mit einem solchen Kantersieg nicht zu rechnen. Doch Trainer, Spieler und Manager sind sich einig: Die Spiele ohne Zuschauer werden mit verrückten Resultate enden und den Ausgang der Saison stark beeinflussen.

„Die Ergebnisse werden unvorhersehbarer. Es wird Bewegung in die Tabelle kommen, und wir werden noch die eine oder andere Überraschung erleben. Es könnte eine verrückte Saison-End-Rallye geben“, sagte der Dortmunder Lizenzspielerchef Sebastian Kehl dem „Kicker“.

Die besondere Atmosphäre in einem fast leeren Stadion stellt alle Beteiligten vor eine große Herausforderung. „Wer es nicht schafft, sich darauf einzustellen, für den wird es brandgefährlich“, mahnt Kölns Trainer Markus Gisdol.

Heimvorteil ist nicht mehr so entscheidend

Gisdol weiß, worüber er spricht. Vor der Zwangspause aufgrund der Corona-Pandemie unterlag er mit Köln im ersten Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte bei Borussia Mönchengladbach mit 1:2. Beiden Teams war anzumerken, dass sie eine gewisse Anlaufzeit benötigten, um sich auf die ungewöhnlichen Umstände einzulassen. „Entscheidend“, so der Gladbach Patrick Herrmann, „ist der Kopf, der Wille.“

Ebenso wie Kehl geht auch Herrmann an den verbleibenden neun Spieltagen von „mehr Überraschungen“ aus. So würde es ihn nicht verwundern, „wenn zum Beispiel der Heimvorteil einen weniger großen Einfluss hat“. Das Geisterspiel gegen Köln beschreibt Herrmann als „sehr seltsames Feeling“.

Für BVB-Coach Lucien Favre ist der Heimvorteil ebenfalls Geschichte. „Wenn du in Dortmund vor 81.000 Zuschauern spielst – die pushen die Mannschaft ohne Ende. Das wird etwas anders, und wir müssen uns daran gewöhnen“, sagte der Schweizer und wird dies auch in die Spielvorbereitung einfließen lassen: „Wir müssen uns vorbereiten – nicht nur technisch, taktisch und physisch, sondern auch mental.“

Politik entscheidet wohl am 30. April über den Fußball

Der Spielbetrieb in der Bundesliga ruht zunächst bis 30. April. Am kommenden Donnerstag berät die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf ihrer virtuellen Mitgliederversammlung über mögliche Szenarien zur Wiederaufnahme der Saison, die bis zum 30. Juni beendet werden soll.

Aus der Politik kamen zuletzt erste positive Signale. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte Partien unter Ausschluss von Zuschauern als „denkbar“ bezeichnet. Das „Go“ hierfür könnte am 30. April kommen, wenn sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs erneut über die Kontaktbeschränkungen in Deutschland beraten. Dann steht laut Söder auch der Fußball auf der Agenda.

Für Lukas Hradecky würde sich ungeachtet des möglichen Einflusses auf die Ergebnisse noch ein ganz anderes Problem ergeben. Die Spieler müssten „aufpassen, was sie zum Schiedsrichter rufen“, sagte der Torhüter von Bayer Leverkusen.