Fussball

Transfers in der Bundesliga: Dieser Sommer wird ruhig

Wegen der Corona-Krise dürften die Fußballklubs einige Transfers verschieben. Viel Geld für Stars wird kaum investiert werden.

Dortmunds Juwel Jadon Sancho (r.) könnte dem BVB länger erhalten bleiben als gedacht.

Dortmunds Juwel Jadon Sancho (r.) könnte dem BVB länger erhalten bleiben als gedacht.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Essen. Jadon Sancho war zuletzt ein beliebtes Motiv für Fotomontagen. Mal verpassten die Bildbearbeiter dem Fußballprofi ein Trikot von Manchester United. Dann zogen sie dem 19-Jährigen die Sportkleidung des FC Liverpool an. Im Internet kursieren auch Bilder, die den Angreifer in den Vereinsfarben des FC Chelsea zeigen. Dass Sancho zur kommenden Saison nach England zurückkehrt, galt als sicher. Einer der reichen Topklubs werde schon eine Ablösesumme jenseits der 100 Millionen Euro an Borussia Dortmund zahlen. Da waren sich die Experten einig.

Doch dann kam Corona.

Die Pandemie hält seit Tagen auch das globale Fußballgeschäft in Atem. Kein Manager, kein Trainer und kein Spieler weiß, wann und wie es weitergeht. Die Klubs beschäftigen sich mit Notfallplänen für die Fortsetzung der Saison. Die Kaderplanung spielt aktuell eine untergeordnete Rolle. „Der Transfermarkt ist zum Erliegen gekommen“, sagt Jörg Neblung.

Der Spielerberater ist seit zwei Jahrzehnten in der Branche aktiv. Im Frühjahr saß er oft mit Klubvertretern am Tisch und sprach über Perspektiven für seine Klienten. Nun haben sich seine Aufgaben verlagert. Er redet mit den Spielern mehr über das Thema Kurzarbeit und weniger über Transfers. „Derzeit werden keine neuen Verhandlungen aufgenommen, da die Budgets noch nicht feststehen“, sagt Neblung.

Leverkusen dürfte bei Havertz noch einmal überlegen

Jochen Schneider kann das bestätigen. „Bei uns gibt es einen Einstellungs- und Investitionsstopp“, erklärte der Sportvorstand des FC Schalke 04 bei Sport1. „Auch Transfergespräche sind vorerst auf Eis gelegt. Es geht jetzt um andere Dinge. Wir müssen Prioritäten setzen.“ Bei Hertha BSC sieht man sich vergleichsweise gut für die Krise aufgestellt. Die Situation sei „durch den Einstieg des strategischen Partners Tennor im vergangenen Sommer hinsichtlich der Liquidität deutlich besser als bei vielen anderen Vereinen“, sagte Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller kürzlich. Doch auch bei den Berlinern gibt es einen „Investitions- und Ausgabestopp“.

Jörg Neblung rechnet auch nicht damit, dass es auf dem Transfermarkt im Sommer noch rundgehen wird. „Spieler mit auslaufenden Verträgen werden zwar weiterhin die Vereine wechseln, müssen bei einem neuen Abschluss aber geringere Gehälter in Kauf nehmen“, sagt der 52-Jährige. „Bei Spielern, die noch langfristig unter Vertrag stehen, dürfte es aber zu einem Umdenken kommen.“

Er nennt auch zwei konkrete Beispiele: „Wenn Bayer Leverkusen für einen Kai Havertz keine 100 Millionen Euro mehr bekommt, wird der Verein überlegen, ob sie ihn nicht doch vorerst halten. Das gilt sicher auch für Borussia Dortmund und Jadon Sancho.“ So könnten die Ausnahmespieler ihren Klubs vorerst erhalten bleiben.

BVB-Sportdirektor Zorc: „Es wird unlustig“

Auf der anderen Seite dürften auch spektakuläre Neuverpflichtungen ausbleiben. Ob Borussia Dortmund sich in dieser Situation den 16 Jahre alten Zweitliga-Spieler Jude Bellingham von Birmingham City leisten will, ist fraglich. Auch bei Thomas Meunier von Paris Saint-Germain meldete der Bundesliga-Zweite noch kein Vollzug. Der Belgier ist zwar ablösefrei. Dem Rechtsverteidiger soll ein üppiges Gehalt plus Handgeld zugesagt worden sein. Diese Meldung machte vor zwei Wochen die Runde, als die Klubs Geisterspiele planten und eine Bundesliga-Pause noch nicht absehen konnten.

Auch konnte damals noch niemand damit rechnen, welche verheerenden Auswirkungen die Corona-Pandemie auf die Weltwirtschaft haben würde. Es herrscht eine Rezession. Und die wirkt sich auf die Geschäftszahlen der Klubs aus. „Wir haben eine direkte Kopplung zwischen Wirtschaft und Fußball“, sagt Neblung: „Investoren werden weniger Geld in den Sport geben, und die Sponsoren werden niedrigere Budgets zur Verfügung haben.“

Und so wird ein BVB-Sportdirektor Michael Zorc nicht zur großen Shoppingtour aufbrechen. Im Vorjahr sorgte er für Aufsehen, als er innerhalb von drei Tagen 75 Millionen Euro für Thorgan Hazard, Nico Schulz und Julian Brandt ausgab. So etwas wird es 2020 nicht geben. Das versicherte Zorc dem „Kicker“ und gab dabei eine düstere Prognose ab: „Dieser Sommer wird unlustig.“

Die Präsentation der Zugänge dürfte bei Dortmund demnächst sehr kurz ausfallen. Allerdings könnte der Transferstau auch eine gute Nachricht für die Fans mit sich bringen: eine weitere Saison von Jadon Sancho im schwarz-gelben Trikot.