Fußball

Ronaldinho feiert Geburtstag im Gefängnis

An diesem Sonnabend wird der einstige Weltstar 40. Doch Grund zum Feiern hat der Brasilianer nicht. Er sitzt im Gefängnis von Asuncion.

Der ehemalige brasilianische Fußballstar Ronaldinho ist in Paraguay mit falschen Ausweisdokumenten vorläufig festgenommen worden.

Der ehemalige brasilianische Fußballstar Ronaldinho ist in Paraguay mit falschen Ausweisdokumenten vorläufig festgenommen worden.

Foto: Jorge Saenz / dpa

Asuncion. Mit der Leichtfüßigkeit, mit der er einst an Mann und Maus vorbei dribbelte, flüchtete Ronaldinho dieser Tage aus der Realität. So ging ein 11:2 seines Teams ohne Namen gegen die anderen mit fünf Toren und sechs Vorlagen allein auf die Kappe des weltweiten Fußball-Idols. Das war in einem Gefängnis Paraguays, bruchstückhaft als Foto und Videosequenz auf Handy festgehalten.

Wenn der 2004 und 2005 von der Fifa-Welt zum besten Spieler gekürte Ball-Artist an diesem Sonnabend seinen 40. Geburtstag feiert, gewährt er den Gedemütigten vielleicht Revanche. Mehr Partyspaß ist nicht drin. Denn der brasilianische Staatsbürger Ronaldo de Assis Moreira sitzt seit dem 6. März in der „Agrupacion Especialiada“ in Haft, einer Kaserne der Nationalpolizei in Asuncion.

Ronaldinhos Bruder Roberto Assis in dubioser Rolle

Weil er zwei Tage zuvor an der Seite seines Bruders Roberto Assis (49), seit dem frühen Tod des Vaters – als Ronaldinho acht Jahre alt war – Rädelsführer seiner Taten auf und neben dem Platz, mit falschem Reisepass und Personalausweis eingeflogen war. Die paraguayischen Dokumente wiesen ihn unberechtigt als eingebürgerten Untertan des kleinen Nachbarn aus.

So hocken der frühere Barcelona-Star, der mit den Katalanen 2006 in der Champions League höchste Weihen erlangte, sowie sein Ziehvater-Bruder, mit dem FC Sion 1997 Schweizer Meister, in einer fünf mal fünf Meter engen Zelle. Vor einem Herd, einer Minibar und einem Fernseher. Immerhin steht die Tür zum Hof offen, weil eine Toilette im Raum fehlt.

„Ronaldinho findet seinen Spaß beim Fußball“, erklärt der für die Haftanstalt, in der derzeit 149 Personen einsitzen, verantwortliche Aufseher gegenüber „UOL Esporte“, berichtet aber auch von der Angst der Moreira-Brüder vor Denguefieber. „Wir haben wirklich viele Mücken hier“, gibt Blas Vera zu.

Die Hauptverdächtige ist spurlos verschwunden

Zurück zum mysteriösen Fall: Schon 15 Personen wurden verhaftet, einzig die Hauptverdächtige bleibt spurlos verschwunden. Dalia Lopez soll in den letzten fünf Jahren 400 Millionen US-Dollar umgesetzt haben, mit Scheinfirmen, als Geldwäsche, unter Steuerbetrug, gar in Verbindung zum Drogenhandel. Und so hält Ronaldinho weiter als Trophäe einer Großreinemach-Aktion im vom Kopf bis Fuß korrupten Paraguay her.

Die Corona-Pandemie hat auch Asuncion zur Geisterstadt gemacht. Und erschwert die Anträge von Ronaldinhos Anwälten. Denn die örtliche Justiz arbeitet auf Sparflamme, wickelt nur mit Priorität Ungerechtigkeiten ab. Flucht- und Verdunklungsgefahr sprächen gegen „R10“.

Deshalb bleibt ungeklärt, warum das in den gefälschten Dokumenten benutzte Foto des Weltmeisters von 2002 auf Tausenden Bällen in Lopez’ Wohnung gefunden wurde. Ronaldinho war von der Paraguayerin angeblich eingeladen worden, ihrem Sozialprojekt ein Gesicht zu verleihen. Was hellhörig macht: Als paraguayische Staatsbürger kämen er und sein Bruder besser an Geschäfte im Land heran.

Ronaldinho gibt anderen Insassen Autogramme

Gekostet haben die Papiere 6000 US-Dollar pro Stück, laut ersten Zeugenaussagen geordert von Lopez. Ein Pappenstiel zu den 1,6 Millionen Dollar, die Ronaldinhos Anwälte als Kaution für eine Erleichterung in Hausarrest angeboten haben. Dem Richter angeblich zu wenig angesichts der Besitzverhältnisse des einzigen Fußballers, der Champions League, Libertadores-Cup sowie WM gewann und nebenbei zum Weltfußballer gewählt wurde.

„Jeden Tag gibt es ein paar Jungs, die reinwollen. Ronaldinho empfängt sie gern“, berichtete Gefängnisverwalter Vera weiter. Die Autogrammjäger kommen in Barcelona- oder Selecao-Trikots. Bei den Fans bleibt der Dribbelkünstler hoch geschätzt. Auch wenn er in Paraguay tief fallen könnte.