Coronavirus

Bundestrainer Löw: „Die Erde wehrt sich gegen den Menschen“

Bundestrainer Joachim Löw ruft zu Mäßigung und Miteinander auf. Nationalteam spendet 2,5 Millionen Euro und startet Spendenaktion.

Bundestrainer Joachim Löw (l.) bei der Videokonferenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Rechts: DFB-Pressesprecher Jens Grittner.

Bundestrainer Joachim Löw (l.) bei der Videokonferenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Rechts: DFB-Pressesprecher Jens Grittner.

Foto: Pool / Getty Images

Berlin. Selten hat man Joachim Löw derart bewegt gesehen wie am Mittwochnachmittag. In einer Videokonferenz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) teilte der Bundestrainer seine Einschätzung der Entwicklungen rund um das Coronavirus mit. Mit leicht brüchiger Stimme sagte der 60-Jährige: „Die Welt hat ein kollektives Burnout erlebt.“

Mäßigung war die Botschaft, mit der sich Löw an die Öffentlichkeit richtete: „Die Erde scheint sich ein bisschen zu wehren gegen den Menschen, der immer denkt, dass er alles kann und alles weiß.“ In den vergangenen Jahren hätten weltweit „Machtgier, Profit und Rekorde“ im Vordergrund gestanden.

„Das Tempo, das wir vorgegeben haben, war nicht mehr zu toppen“, betonte Löw. Verheerende Brände in Australien oder Ebola in Afrika „haben uns nur am Rande berührt. Jetzt haben wir etwas, was die ganze Menschheit betrifft, und merken, was wirklich zählt: Freunde, Familie und Respekt füreinander.“ Die Corona-Pandemie habe die Welt „fest im Griff, und nichts ist mehr, wie es vorher war“.

DFB muss den Gürtel enger schnallen

Eine Einschätzung, die man auch beim weltgrößten Einzelsportverband teilen wird. „Im DFB haben wir Notstand“, teilte Verbandsdirektor Oliver Bierhoff mit. Die Mitarbeiter wurden alle nach Hause geschickt, zum eigenen Schutz. „Klar ist aber auch“, so Bierhoff weiter, „dass wir in gewissen Bereichen abspecken und den Gürtel enger schnallen müssen.

„Die Struktur von 25.000 Vereinen und sieben Millionen Mitgliedern muss erhalten werden“, sagte Keller. Anderswo sei es freilich noch schlimmer: Er habe bei der Konferenz der Verbände zur Verschiebung der Europameisterschaft ins kommende Jahr „in sehr besorgte und entsetzte Gesichter meiner Kollegen aus Italien und Spanien“ geblickt.

Wie es mit kleineren, finanzschwachen Vereinen weitergeht, ist jedoch offen. Der DFB kann und darf laut Satzung keine Verluste von Klubs ausgleichen. Überbrückungshilfen für Liquiditätskrisen seien aber möglich.

Nationalteam spendet für soziale Zwecke

Zuvor hatte die Nationalmannschaft bereits einen Spendenaufruf gestartet und ist mit gutem Beispiel vorangegangen: Die Nationalspieler um Kapitän Manuel Neuer spenden 2,5 Millionen Euro für soziale Zwecke. Über die Plattform wirhelfen.eu kann sich jeder Fan an der Aktion beteiligen, die die Profis am Mittwoch über Instagram bekanntmachten.

„Wir müssen aufeinander schauen in solchen Zeiten“, betonte Neuer, der sich wie mehrere seiner Kollegen in einer Videobotschaft an die Fans wandte. „Wir allen merken, dass wir uns in einer absoluten Ausnahmesituation befinden. Jeder von uns ist betroffen“, ergänzte Joshua Kimmich: „Deshalb ist es wichtig, dass wir einander helfen und unterstützen. Wir sollten uns alle unserer Verantwortung bewusst sein und Solidarität zeigen.“

Der DFB hat angekündigt, die Regional- und Landesverbände „strukturell und finanziell zu unterstützen“, sagte DFB-Präsident Keller. Sein Appell an alle: „Durchhalten, zusammenhalten – und dann schaffen wir das.“