Länderspiele

Für Löw und das Nationalteam bleibt keine Zeit mehr

Mit der Aussetzung der Liga und der Absage erster Länderspiele fehlen die Möglichkeiten der Vorbereitung vor der geplanten EM.

Bundestrainer Trainer Joachim Löw muss sich in Geduld üben.

Bundestrainer Trainer Joachim Löw muss sich in Geduld üben.

Foto: Tom Weller / dpa

Köln. Ob Geduld zu seinen Stärken gehöre, wurde Joachim Löw einmal gefragt. „Eher nicht“, meinte der Bundestrainer und lächelte. In den kommenden Tagen, Wochen, wahrscheinlich sogar Monaten wird Löw sich jedoch an das Gefühl des endlosen Wartens gewöhnen müssen. Im ungünstigsten Fall sogar mit seltsamen Folgen. Denn sollte die EM im Sommer tatsächlich stattfinden, könnte die junge deutsche Fußball-Nationalmannschaft fast ohne Spielpraxis in das Turnier gehen.

Seit dem 19. November, dem 6:1 gegen Nordirland, hat Löw seine DFB-Auswahl nicht mehr gesehen. Nun fällt wohl auch das Länderspiel-Fenster im März komplett aus – das Heimspiel gegen Italien (31. März) ist bereits abgesagt, die für den 26. März angesetzte Begegnung in Spanien wird in Kürze folgen. Der Weltverband Fifa hat die Abstellungspflicht bereits aufgehoben.

Weiter ginge es für Löw, Stand jetzt, erst am 31. Mai gegen die Schweiz – nach fast siebenmonatiger Pause und unmittelbar vor der EM. Und nicht nur das: Der bisherige Plan sieht vor, dass Löw im Mai schon einen vorläufigen Kader benennen muss. Eine skurrile Vorstellung.

Uefa-Sitzung am Dienstag soll Klarheit bringen

Das Problem hat indes jeder Nationaltrainer, und deswegen scheint eine Verschiebung der EM ins Jahr 2021 immer wahrscheinlicher. Eine Entscheidung könnte schon am Dienstag auf einer Krisensitzung der Europäischen Fußball-Union (Uefa) fallen. „Ich gehe fest davon aus, dass wir am Dienstag konkret Bescheid wissen, was mit der Europameisterschaft passiert und was mit den Länderspielen passiert“, sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius.

Sollte die EM doch gespielt werden, muss Löw die Vorbereitung seiner noch immer jungen Mannschaft komplett neu aufstellen, schließlich ist Spielpraxis das A und O. „Man darf nicht vergessen, dass es Mannschaften gibt, die schon länger zusammenspielen und uns somit auch einen Schritt voraus sind“, hatte er zuletzt immer wieder betont. Sein Credo: „Unsere Mannschaft muss sich noch entwickeln.“

Aber wie? Und wann? In zwei Wochen in Spanien wohl kaum, auch wenn der EM-Test offiziell noch nicht abgesagt wurde. Das dürfte sich schnell ändern. „Ich gehe davon aus, dass das Spiel auf Basis der heutigen Faktenlage nicht stattfinden kann“, hatte DFB-Präsident Fritz Keller zuletzt betont. Laut Generalsekretär Curtius steht der DFB im „täglichen Austausch“ mit dem spanischen Verband. Da in Madrid sogar Cafés und Restaurants geschlossen sind, ist eine Absage die einzig logische Maßnahme.

Vielleicht erst bei der Nations League im nächsten Einsatz

Weil Ende März zudem das Play-off für die paneuropäische EM ansteht und nun wohl ausfällt, könnte das für Juni geplante Turnier schon bald folgen. Für Löw hätte das indes auch einen positiven Aspekt: Lange verletzte Stammkräfte wie Niklas Süle und Leroy Sane stünden ihm zu einem späteren Zeitpunkt, etwa im Sommer 2021, wieder voll zur Verfügung.

Seine Spieler würde Löw bei einer EM-Absage wohl erst im September zum Auftakt der Nations League wiedersehen. Fast zehn Monate nach dem letzten Treffen also. Bis dahin bräuchte Joachim Löw vor allem eines – viel Geduld.