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Tweet von Arsenals Özil löst Beziehungskrise mit China aus

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Mesut Özil sorgt momentan mehr mit seinen Tweets als mit seinem Spiel für Schlagzeilen.

Mesut Özil sorgt momentan mehr mit seinen Tweets als mit seinem Spiel für Schlagzeilen.

Foto: David Klein / dpa

Mesut Özil vom FC Arsenal beschwert sich in einem Tweet über die Lage der muslimischen Uiguren in China. Mit fatalen Folgen.

London.  Kritischer Tweet mit weitreichenden Folgen: Mesut Özil hat eine Beziehungskrise zwischen dem FC Arsenal und China ausgelöst. Nachdem der gläubige Muslim deutliche Worte zum Umgang mit dem Volksstamm der Uiguren postete, nahm der staatliche TV-Sender CCTV das Topspiel der „Gunners“ gegen Manchester City am Sonntag, das Arsenal deutlich 0:3 (0:3) verlor, kurzerhand aus seinem Programm.

Die landesweite Zeitung „Global Times“ bezeichnete Özils Äußerungen zudem als „falsch“ und schrieb ebenfalls bei Twitter, der Rio-Weltmeister habe „chinesische Fans und die mit Fußball befassten Autoritäten enttäuscht“. Dies berichtete die Nachrichtenagentur AFP.

Özil: „Brüder werden gewaltsam in Lager gesperrt“

Özil hatte sich zuvor in den sozialen Medien für die Uiguren stark gemacht. China wird vorgeworfen, die muslimische Minderheit in der Provinz Xinjiang zu verfolgen und in Arbeitslager einzusperren. „Korane werden verbrannt... Moscheen werden geschlossen... muslimische Schulen werden verboten... religiöse Gelehrte werden einer nach dem anderen umgebracht... Brüder werden gewaltsam in Lager gesperrt...“, schrieb Özil auf türkisch auf seinem Twitter-Account.

Zudem kritisierte der Profi die Untätigkeit und Zurückhaltung anderer muslimischer Länder. „Woran man sich Jahre später erinnern wird, ist nicht die Gewalt der Tyrannen, sondern das Schweigen der muslimischen Brüder“, schrieb Özil weiter.

Menschenrechtsgruppen und Experten berichten von mehr als einer Million Uiguren und anderen Muslimen, die in chinesischen Lagern interniert sind. Nachdem China deren Existenz lange abstritt, erklärte das kommunistische Land inzwischen, es handle sich um Ausbildungszentren zur Umschulung und Deradikalisierung.

Arsenal distanziert sich von Özil

Der FC Arsenal, der zahlreiche wirtschaftliche Verbindungen nach China unterhält, distanzierte sich von Özils Kommentaren. „Die veröffentlichten Inhalte sind Özils persönliche Meinung“, teilten die Gunners über den chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo mit. „Als Fußballverein hat sich Arsenal immer an das Prinzip gehalten, sich nicht in die Politik einzumischen.“

Zuletzt hatte auch die nordamerikanische Basketball-Liga NBA Chinas Zorn nach Kommentaren zur Hongkong-Krise zu spüren bekommen. Ein später zurückgezogener Tweet von Daryl Morey, dem General Manager der Houston Rockets, kühlte die Beziehungen der Geschäftspartner enorm ab und löste in den USA eine Diskussion über Meinungsfreiheit aus. Superstars wie LeBron James hielten sich mit Kritik an Chinas Politik womöglich auch aus wirtschaftlichen Interessen zurück.

Chinas TV-Sender zeigt anderes Premier-League-Spiel

Für die NBA entstanden aus dem Streit „ziemlich dramatische“ finanzielle Folgen, wie Liga-Boss Adam Silver berichtete. Auch Arsenal könnten die Folgen von Özils Kritik treffen. Die Klubs der Premier League bemühen sich seit Jahren sehr um den lukrativ chinesischen Markt.

Noch ist nicht abzusehen, wie groß die Folgen aus Özils politischer Meinungsäußerung sind, der TV-Bann ist aber ein erstes Indiz für die Empfindlichkeit Chinas bei unliebsamen Meinungsäußerungen aus dem Ausland. Statt des Topspiels flimmerte Wolverhampton Wanderers gegen Tottenham Hotspur über die Flachbildschirme.

( sid )