Bundesliga

Der FC Bayern hat seine Meister-Garantie verspielt

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Patrick Strasser
Joshua Kimmich ist sauer über die Auftritte der Bayern.

Joshua Kimmich ist sauer über die Auftritte der Bayern.

Foto: Frederic Scheidemann / Bongarts/Getty Images

Beim Serienmeister kippt die Stimmung nach der erneuten Niederlage, denn immer mehr Teams stehen in der Tabelle vor den Münchnern.

München. Über der abendlichen Weihnachtsfeier des FC Bayern für Spieler, Trainer und Verantwortliche lag ein Schleier. Das 1:2 bei Borussia Mönchengladbach durch den Elfmeter in der Nachspielzeit und der Blick auf die Tabelle mit sieben Punkten Rückstand zu Tabellenführer Gladbach dürften ein ziemliches Magengeschwür auslösen.

Rang sieben! Vor 25 Jahren, unter Trainer Giovanni Trapattoni, war man ähnlich schlecht (Achter). Bayern momentan unter Interims-Chefcoach Hansi Flick out of Europe – außerhalb der Champions-League-Plätze, überhaupt außerhalb der Ränge für ein europäisches Ticket. Das 1:2 war die bereits vierte Pleite der Saison, so oft hatte man zuletzt 2011/12 nach 14 Spieltagen verloren. Lauter böse Zahlen. Hat der Meister der letzten sieben Jahre etwa sein Abo auf die Schale gekündigt? Die von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge eingeforderte Herbstmeisterschaft („Bis Weihnachten von der Spitze des Baumes nach unten schauen“) ist quasi außer Reichweite.

Die Starspieler der Münchner sind angefressen

Der Frust war dementsprechend groß. 1:2 vor einer Woche gegen Bayer Leverkusen, nun 1:2 in Gladbach. Dasselbe Resultat, dasselbe Muster: Man ist über weite Strecken die bessere Mannschaft, mit dem Manko, fatalen Chancenwucher zu betreiben. Wie verflixt! Der Unterschied zum vergangenen Wochenende: Die Stimmung ist gekippt.

Joshua Kimmich sprach von „einem negativen Lauf“, war richtig angefressen. „Es ärgert mich unendlich, ich könnte durchdrehen“, gestand der stets super ehrgeizige Nationalspieler. Nach der Führung durch Ivan Perisic habe man „komplett aufgehört, Fußball zu spielen“, befand Sportdirektor Hasan Salihamidzic, „ich weiß nicht, aus welchem Grund. Darüber muss man reden.“

Der enttäuschte Thomas Müller: „Hier zu verlieren, ist brutal für uns – gerade in unserer Tabellensituation.“ Der Flick-Effekt ist verpufft. Die ersten vier Partien nach der Entlassung von Niko Kovac gewann der ehemalige Assistent, 16:0 Tore wurden erzielt. Der Hype um Hansi war groß, Bayerns Triple-Trainer Jupp Heynckes sprach davon, dass er als Chef eine „Epoche prägen“ könne. Und nun? Eher über kurz als über lang dürfte er – allerspätestens im Sommer – wieder ins zweite Glied rücken.

Vergangene Saison holten die Bayern noch neun Punkte auf

Erneut steht der FC Bayern vor einem Berg namens Aufholjagd. „Wir kennen zwar diese Situation, das ist das Gute. Aber es ist ärgerlich, das ist nicht das, was wir uns vorstellen und was uns liegt“, befand Kapitän Manuel Neuer. Ob der anstehende Gipfelsturm noch einmal gelingt wie in der vergangenen Saison als man ab Dezember neun Punkte auf die enteilte Dortmunder Borussia aufholen konnte? Selbst die Bayern zweifeln nun. „Noch mehr Mannschaften sind vor uns als in der letzten Saison“, so Kimmich, damit werde es „deutlich schwieriger“.

„Zur Winterpause auf Platz eins zu stehen, ist jetzt nahezu unmöglich“, meinte Kimmich. Drei Spieltage sind es noch bis dahin (mit den Spielen gegen Bremen, in Freiburg und gegen Wolfsburg). Müller will „noch neun Punkte holen, sonst schaut’s schattig aus“. Weihnachten droht zappenduster zu werden für die Bayern.