Bundesliga

Gladbach träumt vor Liga-Hit gegen Bayern vom Titel

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Die Gladbacher Spieler um Torjäger Marcus Thuram (M.) feiern ihrer Erfolge in der Bundesliga.

Die Gladbacher Spieler um Torjäger Marcus Thuram (M.) feiern ihrer Erfolge in der Bundesliga.

Foto: Lars Baron / Bongarts/Getty Images

Erstmals seit vielen Jahren ist der Bundesliga-Klassiker zwischen Mönchengladbach und Bayern auch wieder ein absolutes Topspiel.

Mönchengladbach. Günter Netzer gegen Franz Beckenbauer, Berti Vogts gegen Gerd Müller oder auch Hennes Weisweiler gegen Udo Lattek: Beim Gedanken an solch legendäre Duelle bei den immer brisanten Begegnungen zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München bekommen Fans noch heute glänzende Augen.

Gladbach gegen Bayern ist das Duell der frühere Erzrivalen

Viele Jahre aber lebte der Klassiker der Bundesliga-Schwergewichte aus den 70er-Jahren nur noch von der Nostalgie, doch am Sonnabend (15.30 Uhr/Sky) treffen die Erzrivalen seit langer Zeit wieder in einem echten Topspiel aufeinander - weil Tabellenführer Mönchengladbach sich anschickt, den etwas hinterherhinkenden Meister München mehr als nur ärgern zu können.

Gladbach träumt von der ersten Meisterschaft seit 1977

Ex-Bundestrainer Berti Vogts traut seinem Leib- und Magenklub den Bundesliga-Titel zu - sollte im Schlagerspiel gegen den Titelverteidiger ein Sieg gelingen. „Wenn Borussia es hinbekommt, die Bayern am Sonnabend zu schlagen. Dann wird es schwer für die anderen Mannschaften“, sagte der 72-Jährige im Rahmen der Auftaktpressekonferenz zum 30. Mercedes-Benz JuniorCup. Vogts betonte, dass er noch „Leipzig eine Menge zutraue“, aber sollten die Gladbacher am Sonnabend gewinnen, „dann muss man sie auf dem Zettel haben. Dann wird es schwer, wenn man sie noch oben wegholen will, weil sie mit einem enormen Selbstvertrauen in die nächsten Spiele gehen“. Wichtig sei, dass die Borussia ohne Respekt und Furcht in den Klassiker geht: „Wenn Gladbach keine Angst vor den großen Bayern hat, kann es eine Überraschung geben, dass Mönchengladbach gewinnt.“

Vogts und Bonhof träumen vom Meistertitel

Auch sein einstiger Teamkollege Rainer Bonhof, ebenfalls ein Held der glorreichen „Fohlen“-Jahre und heute Vizepräsident des wiedererstarkten Klubs, bezeichnete in einem „Welt“-Interview öffentliche Träume von der ersten Meisterschaft seit 1977 entgegen dem branchenüblichen Understatement zumindest als „nicht verwerflich“.

Chefcoach Trainer Marco Rose, den Vogts schon mit der Borussen-Legende Hennes Weisweiler vergleicht, fällt denn auch eine realistische Einordnung der im Wochenrhythmus wachsenden Hoffnungen wenigstens auf die Herbstmeisterschaft immer schwerer. „Es sind erst 13 Spiele gespielt. Wir tun gut daran, weiter von Spiel zu Spiel zu denken“, sagte der 43-Jährige zuletzt zur ungewohnt erfreulichen Tabellensituation seines Teams.

Beste Zwischenbilanz seit der letzten Meistersaison 1976/77

Durch Roses Amtsantritt zu Saisonbeginn hat Gladbach nach jahrelanger Aufbauarbeit den oft schwierigen Schritt auf das nächste Level offenbar vollzogen. Die momentan 28 Punkte jedenfalls sind die beste Zwischenbilanz der Rheinländer nach 13 Runden seit ihrer bislang letzten Meistersaison 1976/77, und nach fünf Heimsiegen in Serie ist der Borussia-Park geradezu wieder eine Festung. „Borussia spielt auf einem sehr, sehr hohen Niveau“, meinte der nicht gerade für überschwängliche Lobeshymnen bekannte Ex-Bundestrainer Vogts zur Entwicklung unter Rose.

Sportdirektor Eberl hat großen Anteil am Erfolg

Sportdirektor Max Eberl, der durch jahrelang kluge Personalplanung gleichermaßen großen Anteil an der neuen Perspektive der Borussen hat, stellt unterdessen schon wichtige personelle Weichen. Nacheinander verlängerten zuletzt die Mittelfeldspieler Laszlo Benes und Florian Neuhaus sowie aus dem Kreis der Führungsspieler auch Torwart Yann Sommer und Ex-Weltmeister Christoph Kramer ihre Verträge vorzeitig. Es sei zu spüren, beschrieb Kramer unabhängig vom derzeitigen Höhenflug seine Sicht auf den Entwicklungsprozess, dass „man einen klaren Plan und eine klare Vision hat“.

Die dazugehörige Phase vereinzelter Ausrufezeichen hat Gladbach nach Bonhofs Ansicht aber mittlerweile abgeschlossen. „Die Nadelstiche haben wir gesetzt. Wir haben uns in den vergangenen acht Jahren fünf Mal für Europa qualifiziert, waren einer von drei Vereinen, die in dieser Zeit immer einstellig platziert waren. Das ist nicht unverdient, weil alle hart dafür arbeiten.“

Dennoch wertet der Weltmeister von 1974 die Tabellenführung zunächst jedenfalls lediglich als willkommenen Nebeneffekt der Bemühungen: „Wie lange wir dafür belohnt werden, wird sich zeigen.“

( sid )