Polizeikosten

DFL schmettert den Bremer Antrag ab

Bremen muss die Kosten bei Hochrisikospielen selbst tragen, nachdem die Erst- und Zweitligisten eine Umlage auf alle Klubs ablehnen.

Polizeikräfte sichern den Eingang zum Gästeblock am Bremer Weserstadion.

Polizeikräfte sichern den Eingang zum Gästeblock am Bremer Weserstadion.

Foto: Christian Charisius / dpa

Neu-Isenburg. Nach der krachenden Niederlage bei der Abstimmung über einen Solidarfonds im Profi-Fußball schaltete Werder Bremens Führungsriege umgehend in den Angriffsmodus. Die deutliche Abfuhr der Erst- und Zweitligisten für den auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingebrachten Werder-Vorschlag, die Beteiligung an den Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen auf alle Schultern zu verteilen, stachelte den Kampfgeist der Bremer nur noch mehr an.

„Um die Interessen von Werder zu vertreten, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als den Rechtsweg zu beschreiten. Wir hätten diese Situation gern vermieden. Aber wir müssen alles dafür tun, dass der Schaden, den das Land Bremen uns aufbürdet, so gering wie möglich ausfällt“, erklärte Klaus Filbry, Werders Vorsitzender der Geschäftsführung, in einer Vereinsmitteilung.

„Wir haben heute gemerkt, dass es keine Solidarität mit Werder Bremen gibt. Werder steht isoliert da“, resümierte Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald beim Verlassen des noblen Tagungshotels vor den Toren Frankfurts.

Bayern-Boss Rummenigge: „Wäre völlig falsches Zeichen“

„Wir können mit Werder Bremen nicht solidarisch sein, weil es das völlig falsche Zeichen wäre. Wenn wir einen Fonds gründen würden, wäre das eine offene Tür und ein Muss für alle Länder, die Bundesliga zur Kasse zu bitten“, begründete Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Ablehnung. „Das können wir nicht akzeptieren.“

Unterstützung erhielt er von Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: „Es gibt keinen Grund, den Alleingang der Bremer Landesregierung von Seiten der DFL zu subventionieren. Ich bin der Meinung, dass sich das Land Bremen auf dem Holzweg befindet.“

Von den 34 anwesenden Vereinen – nur die Vertreter der Zweitligisten Hannover 96 und VfL Osnabrück fehlten bei der rund zweistündigen Versammlung in Neu-Isenburg – votierten 32 gegen den Bremer Antrag. RB Leipzig enthielt sich der Stimme. Damit bleibt Werder vollumfänglich auf den vom Land Bremen in Rechnung gestellten Kosten in Höhe von 1,17 Millionen Euro sitzen.

DFL zieht vor das Bundesverfassungsgericht

Die Rechnungen, die zunächst von der DFL beglichen wurden, werden nun an Werder weitergeleitet. Die Hälfte der Gesamtsumme wird dem Bundesligisten allerdings bis zur abschließenden juristischen Klärung gestundet.

Die DFL will in dem Rechtsstreit auf jeden Fall vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Wann dies geschehen wird, ist offen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte im März entschieden, dass die Bundesländer die zusätzlichen Polizeikosten bei Hochsicherheitsspielen grundsätzlich der DFL in Rechnung stellen dürfen.

Bis es so weit ist, müssen auch künftige Gebührenbescheide vom betroffenen Verein allein getragen werden. Werder erwägt daher, bei Hochrisikospielen künftig keine Tickets mehr an Gäste-Fans zu verkaufen. „Das ist keine Drohung von uns. Wir sind schon im April von der Polizei Bremen mit diesem Thema konfrontiert worden“, sagte Hess-Grunewald. Wäre es damals im Halbfinale des DFB-Pokals zum Nord-Derby gegen den Hamburger SV gekommen, hätten die Bremer 1200 Gäste-Karten nicht verkaufen dürfen.

Überlegungen auch in Hamburg und Rheinland-Pfalz

Derzeit werden Gebührenbescheide nur vom Bremer Senat erhoben. In Rheinland-Pfalz und Hamburg soll es aber zumindest Überlegungen für eine ähnliche Regelung geben. „Ich glaube, wenn auch andere Vereine davon betroffen wären, müsste man die Situation noch einmal neu bewerten“, sagte Werder-Präsident Hess-Grunewald.

Bayern-Boss Rummenigge lehnt das rundweg ab. „Grundsätzlich haben wir kein Verständnis dafür, an den Polizeikosten beteiligt werden zu sollen. Wir zahlen alle wahnsinnig viele Steuern. Ich habe da dreistellige Millionenbeträge im Hinterkopf, die Bayern München abliefert. Wir sind uns mit dem Innenminister einig, dass dies in Bayern auf keinen Fall passieren wird.“ Insgesamt ist von 1,28 Milliarden Euro die Rede, die die 36 DFL-Klubs an Steuern und Abgaben zahlen.