Bundesliga

Bayern-Coach Flick ist Münchens Hansi im Glück

Bayern-Boss Rummenigge stellt dem Coach eine Anstellung bis Saisonende in Aussicht. Der Klubchef handelt dabei nicht uneigennützig.

Hans Dieter Flick hat längst eine tragende Rolle beim FC Bayern eingenommen. Im Hintergrund: Co-Trainer Hermann Gerland.

Hans Dieter Flick hat längst eine tragende Rolle beim FC Bayern eingenommen. Im Hintergrund: Co-Trainer Hermann Gerland.

Foto: Frank Hoermann/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

München. Der 1. Advent, der Auftakt zur – theoretisch – besinnlichen Zeit dürfte für Niko Kovac einen faden Beigeschmack haben, ihn ziemlich nachdenklich machen. Da verlieren die Bayern ein Bundesliga-Spiel, und was passiert? Dem verantwortlichen Cheftrainer wird nicht der Prozess gemacht, sondern eine längere Beschäftigung in Aussicht gestellt. Auf den Tag genau vier Wochen ist die Demission von Kovac an Sonntag erst her – so schnell dreht sich die Welt.

„Es war das beste Bundesliga-Spiel der Saison. Für uns leider mit dem falschen Ergebnis“, sagte Karl-Heinz Rummenigge am Sonntagvormittag, und das gar nicht mal so schlecht gelaunt wie man nach einer Heimniederlage vermuten könnte. Das 1:2 gegen Bayer Leverkusen unter Nachfolger Hansi Flick hatte rein spielerisch eben so gar nichts zu tun mit der 1:5-Demontage gegen Eintracht Frankfurt am 2. November.

„Das Wichtigste ist der Matchplan, die Spielqualität – und die stimmt bei Hansi Flick“, erklärte Bayerns Vorstandsboss und betonte demonstrativ: „Wir sind mit ihm sehr zufrieden. Es ist viel Empathie zu spüren und auch eben ein klarer Matchplan.“ Will sagen: Endlich wieder.

Bayern-Bosse verschaffen sich mehr Zeit

Rummenigge verkündete am Tag nach der ersten Pleite von Flick im fünften Spiel sogar, dessen kurzfristiges Engagement in ein mittelfristiges umwandeln zu wollen: „Es ist wichtig, dass wir in ihm einen Trainer haben, der gut zur Mannschaft passt. Ich kann mir vorstellen, dass wir auch über den Winter hinaus mit ihm weitermachen.“ Nach Ende der Hinrunde will man sich unterhalten, eine Zusammenarbeit des von der Mannschaft so geschätzten Interimstrainers bis Saisonende scheint sicher.

Womit die Bayern noch mehr Zeit gewinnen. Erstens, sich ein Bild darüber zu machen, ob der 54-Jährige nicht doch vielleicht die Dauerlösung sein könnte. Dazu Rummenigge vieldeutig: „Das werden wir besprechen mit ihm. In aller Ruhe.“ Und zweitens, um mit potenziellen Nachfolgern des so furios gestarteten Lückenbüßers (vier Siege, 16:0 Tore) zu verhandeln.

So kann man abwarten, wie sich die Dinge bei Thomas Tuchel und Paris Saint-Germain sowie Erik ten Hag und Ajax Amsterdam im Frühjahr entwickeln. Und bei Mauricio Pochettino, vor zwei Wochen bei Tottenham Hotspur entlassen, die Bereitschaft eines möglichen Einstiegs abzuklopfen. Eine „große Lösung“ mit einem prominenten Namen wie der drei Genannten plus Flick als künftiger Bestandteil des Trainerstabes bleibt die Wunschlösung der Bosse.

Bayern hat mehr Konkurrenz als in den Vorjahren

Das war auch die Tabellenführung an Weihnachten – wird schwer. Die Konkurrenz ist zwar nicht so stark wie vor Jahresfrist Borussia Dortmund im Herbst, dafür zahlenmäßig recht groß. Borussia Mönchengladbach, am Sonntag mit einem X:X gegen den SC Freiburg, RB Leipzig und der FC Schalke sind alle vor Bayern, der BVB nur noch einen Punkt dahinter. Nächsten Sonnabend geht’s nach Mönchengladbach.

Eine Weichenstellung im Titelrennen? „Wir müssen unaufgeregt weitermachen“, fordert Rummenigge, „wenn wir so spielen wie gegen Bayer, werden wir die nächsten Spiele allesamt gewinnen.“

Wenn sie mit ihren Chancen derart fahrlässig umgehen und sie so „kläglich verwerten“ (Leon Goretzka), dann nicht. „Es gibt so Tage, wo der Ball einfach nicht rein will und wir haben trotzdem eine gute Leistung gezeigt“, fand Goretzka. Das wilde, aber höchst spektakuläre 1:2 gegen Leverkusen war aus Sicht der Bayern ein absurd überlegen geführtes Spiel mit 73 Prozent Ballbesitz sowie 23:11 Torschüssen, von den 23 klatschten drei an Latte oder Pfosten.

Müller verliert erstmals ein Liga-Spiel, in dem er trifft

„So etwas habe ich selbst noch nicht erlebt“, haderte der ansonsten selten sprachlose Thomas Müller, der einzige Münchner, der traf – und nun auch noch seinen Rekord los ist. Erstmals verliert Bayern eine Bundesliga-Partie, in der Müller ein Tor erzielt, zuvor war das 87 Mal (82 Siege, fünf Remis) nicht der Fall.

Flick nahm sein Team in Schutz: „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen.“ Machte eben auch der Vorstandschef nicht. „Das Tor war wie vernagelt. Wir hatten kein Glück, das muss man akzeptieren“, meinte Rummenigge milde. „Es ist wichtig, dass wir uns nicht zu sehr aus der Bahn werfen lassen.“

Aus Hans Dampf wurde in 90 Minuten Hansi im Pech. Aber bitte, bei den Aussagen seines Chefs, bleibt Flick weiter Hansi im Glück. Bis auf Weiteres. Am Sonntag waren Profis, Trainer und Bosse der Bayern unterwegs, besuchten traditionell im Advent ausgewählte Fanclubs nah und fern.

Bayern-Trainer Flick hofft auf langes Bleiben

Flick reiste nach Franken, war zu Gast in der Erlebnisscheune Walkmühle in Feuchtwangen bei den „Bayern Bazis Romantische Straße“. Beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Feuchtwangen versprach der gebürtige Heidelberger den Fans: „Die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, ist so, wie ihr es wollt: Initiative, Leidenschaft und Einstellung sind da.“

Auf die wahrscheinliche Fortsetzung seines Jobs über die Winterpause hinaus angesprochen, sagte Flick den Fans: „Ich hoffe, dass wir uns noch lange und oft sehen im Stadion.“

Da hat jemand Gefallen gefunden an der neuen Aufgabe.