EM 2020

So kompliziert ist der Weg zur Europameisterschaft

Fest steht: Deutschland hat bei der EM 2020 drei Heimspiele in München. Alles Andere ist noch offen. Das sind die wichtigsten Fragen.

Bundestrainer Joachim Löw beim 6:1 gegen Nordirland in Frankfurt.

Bundestrainer Joachim Löw beim 6:1 gegen Nordirland in Frankfurt.

Foto: Foto: Tom Weller / dpa.

Berlin. Als die EM-Qualifikation geschafft war, setzte sich Bundestrainer Joachim Löw mit seinen Mitarbeitern zusammen, um zu sehen, was im Sommer 2020 auf ihn zukommen könnte. „Da haben wir die ganze Geschichte mal auseinandergenommen“, sagt er. Die Erkenntnis: „Das ganze Verfahren ist nicht so einfach.“

Das ist untertrieben. Für sein pan-europäisches Turnier mit zwölf Gastgeberländern hat der europäische Fußball-Verband Uefa einen Qualifikationsmodus ersonnen, der eine Wonne für Menschen sein dürfte, die sonst Spaß an der Bundesmehrarbeitsvergütungsverordnung haben.

Dem Rest bleibt vieles erst einmal ein Rätsel. Auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff, zuständig für alles Organisatorische rund um die Nationalmannschaft, musste sich nach dem 6:1-Sieg gegen Nordirland von Journalisten erklären lassen, dass seine Mannschaft nun in der Gruppenphase in jedem Fall drei Heimspiele in München hat. Das sind die wichtigsten Fragen.

Warum wird in zwölf Ländern gespielt?

Das ist das Erbe des wegen diverser Ethik-Vergehen gesperrten früheren Uefa-Präsidenten Michel Platini. Der verkaufte die Idee als besonderes Ereignis zum 60. Geburtstag des Turniers. Er dürfte aber auch seine treuen Stimmbeschaffer in kleinen Fußballverbänden im Kopf gehabt haben, die eher nicht in der Lage sind, die auf 24 Teilnehmer aufgeblähte EM alleine zu stemmen – nun aber als Austragungsort in Frage kommen.

Wie soll das funktionieren?

Die zwölf Austragungsorte werden in sechs Gruppen gepaart. Qualifiziert sich ein Gastgeberland für die EM, landet es automatisch in seiner Gruppe. Deutschland trägt also seine Vorrundenspiele in München aus – weil Co-Gastgeber Ungarn nicht direkt qualifiziert ist, gibt es drei Heimspiele. Ansonsten hätte gelost werden müssen, wo die Partie gegeneinander stattfindet.

Wer sind die deutschen Gegner?

Die Auslosung ist am 30. November. Deutschland ist dank sieben Siegen aus acht Qualifikationsspielen in Topf Eins. Da Gastgeberländer als mögliche Gegner ausscheiden, bleiben übrig: Frankreich, Polen, die Schweiz und Kroatien aus Topf Zwei, Portugal, die Türkei, Österreich, Schweden und Tschechien aus Topf Drei. Zu Topf Vier später mehr.

Wissen andere Teilnehmer schon Bescheid?

Ja. Die Co-Gastgeber Russland und Dänemark treffen in Gruppe B aufeinander – und auf Belgien. Theoretisch wäre in Topf Eins auch die Ukraine als Nicht-Gastgeberland verfügbar gewesen, doch hier greift eine weitere Besonderheit: In der Gruppenphase sind nämlich politisch brisante Duelle ausgeschlossen. Russland darf also nicht gegen die Ukraine oder den Kosovo spielen, der zudem nicht gegen Serbien oder Bosnien-Herzegowina.

Was ist mit Lostopf Vier?

Bislang sind 20 von 24 EM-Plätzen vergeben. Die übrigen vier werden über ein Play-off ermittelt. Gedacht war, dass die jeweils vier Gruppensieger der Ligen A bis D aus der Nations League pro Liga einen Teilnehmer ausspielen. Das birgt aber Schwierigkeiten.

Denn erstens führt diese Regelung dazu, dass ein Leichtgewicht aus Liga D (Georgien, Nordmazedonien, Kosovo und Weißrussland) in jedem Fall dabei ist, während stärkere Nationen wie etwa Island, Schottland, die Slowakei oder Rumänien größtenteils auf der Strecke bleiben.

Und zweitens: Weil viele Gruppensieger bereits qualifiziert sind (von den zwölf Nationen aus Liga A haben es elf Länder auf direktem Weg geschafft, nur Island nicht) werden die übrigen Plätze mit Mannschaften aus Liga C aufgefüllt – weil auch aus Liga B die meisten Mannschaften direkt qualifiziert sind. Welche genau das sind, wird Freitag ausgelost.

Was bedeutet dies für die deutsche Gruppe?

Eine der Mannschaften im Play-off ist Ungarn, das im Falle der Qualifikation in der deutschen Gruppe landen würde. Allerdings könnte in Rumänien oder Schottland ein weiterer Gastgeber im gleichen Qualifikationspfad landen, der ja in eine ganz andere Gruppe gehört.

Weil die Uefa als Bonus-Komplikation schon am 30. November auslost, das Play-off aber erst im März 2020 stattfindet, kann sich also auch nach der Auslosung noch etwas verändern. Mögliche Gegner sind daher auch Norwegen, Serbien, Bulgarien, Israel und Island sowie die Sieger aus Liga D, in dem die erwähnten Außenseiter Georgien, Nordmazedonien, Kosovo und Weißrussland um ein EM-Ticket spielen.