Nationalmannschaft

Niklas Stark kämpft um ein Ticket zur EM 2020

Ungewöhnlich viele Profis konkurrieren um die Plätze für die EM 2020. Dafür braucht das DFB-Team einen Sieg gegen Weißrussland.

Niklas Stark trainiert nach seinem Nasenbeinbruch bei der Nationalmannschaft mit einer Carbonmaske.

Niklas Stark trainiert nach seinem Nasenbeinbruch bei der Nationalmannschaft mit einer Carbonmaske.

Foto: Foto: Baron / Bongarts/Getty

Düsseldorf. Robin Koch gehört noch zu der Sorte Nationalspieler, die in der Öffentlichkeit schnell mal untergehen kann. Was zum einen daran liegt, dass 23 Jahre alte Verteidiger in dieser Woche erst zum zweiten Mal im Kreis der besten deutschen Fußballer mitmischt, und er zudem beim SC Freiburg unter Vertrag steht, bei dem vor allem Trainer Christian Streich Aufsehen erregt. Zum anderen hebt sich Koch äußerlich (anders als sein Vater Harry) nicht groß von anderen Fußball-Profis seiner Generation ab. Die Frisur glänzt, die Schuhe ebenfalls. Ein Tattoo buhlt um Aufmerksamkeit, unterm Knie prangt ein schwarzes Kreuz.

So steht Koch am Donnerstagmorgen im Kabinentrakt des Düsseldorfer Stadions, das Training hat noch nicht begonnen, und spricht über die Verletztenserie, die ihn überhaupt erst zur Nationalmannschaft katapultiert hat. In der Defensive fehlen Niklas Süle (Kreuzbandriss) und Antonio Rüdiger (Leistenverletzung). Mats Hummels (aussortiert) darf nicht mehr kommen. Nur was des einen Leid ist, ist des anderen Chance. Denn plötzlich darf sich Koch Hoffnung auf die Teilnahme an der Europameisterschaft 2020 machen. Weil er nicht nur aussieht wie die meisten Fußballer seiner Generation, sondern ebenfalls genauso gut ausgebildet ist.

Bundestrainer Löw und die große Auswahl

Wie er profitieren noch andere Profis von der Verletztenserie der Nationalspieler. Etwa Luca Waldschmidt (23). Auch Suat Serdar (22). Nadiem Amiri (23) und Herthas Niklas Stark (24). Emre Can (25) war bei der WM-Blamage 2018 nicht dabei, wird nun regelmäßig eingeladen. Selbst Profis wie Jonas Hector (29) und Sebastian Rudy (29), die schon abgemeldet schienen, werden von Bundestrainer Joachim Löw wieder angerufen. Für sie alle geht es in den beiden EM-Qualifikationsspielen am Sonnabend gegen Weißrussland (Mönchengladbach) und drei Tage später gegen Nordirland (Frankfurt/beide 20.45 Uhr, RTL) auch um ihre persönliche EM-Qualifikation. Denn wie Koch erklärt: „Natürlich ist es ein Ziel, dann dabei zu sein.“

Für die Bewerber-Gruppe ist diese Woche also eine Art Assessment-Center bei Bundestrainer Löw, das alle mit unterschiedlichen Voraussetzungen absolvieren. Helfen würde allen ein Sieg gegen Weißrussland, weil die DFB-Elf dann das Ticket für die EM 2020 sicher hat – wenn parallel die Niederlande mindestens einen Punkt gegen Nordirland holen. Da dann die Chancen auf einen Einsatz im letzten Spiel gegen Nordirland erheblich steigen würden.

Davon könnte Koch profitieren, der bislang einen guten Eindruck hinterlassen hat. Genauso wie Verteidiger Niklas Stark, der am Donnerstag mit einer Carbonmaske trainierte, und unbedingt seine Länderspiel-Premiere feiern will. Aufgrund der begrenzten Plätze im Abwehrzentrum müssen sich jedoch beide strecken, wenn sie die EM nicht im Urlaub am Strand verfolgen wollen. Das gilt ebenfalls für Suat Serdar und Nadiem Amiri, die im Mittelfeld nicht mehr als Außenseiterchancen besitzen.

Can gefällt mit Robustheit und Selbstvertrauen

Emre Can und Luca Waldschmidt hingegen sollten noch kein Reisebüro für den Sommerurlaub aufsuchen. Can besticht durch seine Robustheit, sein Selbstvertrauen. Fähigkeiten, die Löw bei seiner Ankunft in Düsseldorf gefordert hat. Allerdings meinte DFB-Direktor Oliver Bierhoff: „Man benötigt für Robustheit regelmäßige Spiele in der Meisterschaft.“ Und Can kommt beim italienischen Meister Juventus Turin derzeit nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus. Stürmer Waldschmidt steht stattdessen in Freiburg wie sein Mannschaftskollege Koch regelmäßig in der Startelf. Seine EM-Chancen sind gut.

Dann sind da Rudy und Hector, die Löw schon lange kennt. Bei denen er weiß, dass er zuverlässige Fußballer einlädt. Beide sind turniererprobt. Rudy war nach seinem schwachen Jahr auf Schalke außen vor, bei der TSG Hoffenheim dirigiert er wieder. Hector erlebt mit Köln gerade turbulente Tage. Trotzdem berichtet er, dass er sich freue, wieder bei der Nationalelf dabei zu sein: „Es ist ein Ansporn für mich, in die Mannschaft zu kommen.“ Denn zumindest bei Löw will keiner der Bewerber untergehen.