Bundesliga

Nach Bayern-Gala: Uli Hoeneß wütet live im "Doppelpass"

Bayerns Präsident Uli Hoeneß meldet sich in einem skurrilen TV-Telefonat zu Wort. Es geht um die Kritik an Sportdirektor Salihamidzic.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß (l.) kritisierte den Umgang mit Salihamidzic als „unverschämt“ und „despektierlich“.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß (l.) kritisierte den Umgang mit Salihamidzic als „unverschämt“ und „despektierlich“.

Foto: Matthias Balk / dpa

München. Der eine, Karl-Heinz Rummenigge, spricht sonnabends ein Machtwort in der Trainerfrage, das beinahe untergeht. Der andere, Uli Hoeneß, ruft am Sonntagvormittag live im Fernsehen an – mit großem Echo. Auch kurz vor der letzten Woche von Hoeneß als amtierendem Präsidenten könnte man sagen: Alles wie immer.

Der Reihe nach: Sonnabendabend überrollt der FC Bayern Titelrivale Borussia Dortmund mit 4:0 - alles wie immer also. Interimstrainer Hansi Flick (54), für zwei Spiele als Zwischenlösung auserkoren, bleibt nun Chef – bis auf Weiteres. „Er hat vor dem Spiel gesagt, die zwei Spiele sind jetzt erst mal die Ziellinie. Die hat er, würde ich sagen, bravourös überschritten“, stellte Vorstandsboss Rummenigge fest, „und jetzt werden wir in aller Ruhe mit ihm weitermachen.“ Beim Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf am 23. November sitzt Flick also wieder auf der Bank.

Trainer Flick soll wohl bis zur Winterpause bleiben

Der ehemalige Assistent von Nationaltrainer Joachim Löw hat es geschafft, die Mannschaft nach dem Abgang des im Team unbeliebten Niko Kovac für sich zu gewinnen, gegen den sich einige Stars nach dem 1:5 in Frankfurt ausgesprochen hatten. Flick richtete den Fokus auf die Defensive, machte gezieltes Taktik-Training, stellte mutig um, ließ etwa die Künstler Thiago und Coutinho draußen. Ein solides 2:0 in der Champions League gegen Olympiakos Piräus, nun die 4:0-Gala gegen den BVB, ein erneuter Statement-Sieg. „Es ist ein Zeichen für uns, dass wir selber keine Top-Truppe sind“, konstatierte BVB-Ersatzkapitän Mats Hummels frustriert.

Hoeneß wütet im Sport1-Doppelpass

In der Trainerfrage müsse das Ziel eine „langfristige Lösung“ sein, betonte Hoeneß. Etwa Thomas Tuchel (Paris St. Germain) oder Erik ten Hag (Ajax Amsterdam), die jedoch frühestens zum Juli 2020 frei sind. Daher sei Flick „keine schlechte Lösung“ (Hoeneß). Flick wird sich überzeugen lassen, seinen Job als Cheftrainer („Ich habe es sehr genossen, mit der Mannschaft zu arbeiten. Es gibt keine Absprache“) mindestens bis zur Winterpause, sehr wahrscheinlich bis Saisonende, fortzusetzen.

Salihamidzics Transfers seien seine eigene Idee gewesen

Hoeneß’ Motivation seines wütenden wie skurrilen Anrufs im TV war: Eine Verteidigungsrede für Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der ihm in der Talk-Runde „Doppelpass“ auf Sport1 zu kurz kam. Hoeneß beklagte sich einerseits über „despektierliche“ Äußerungen gegenüber seinem Zögling und andererseits darüber, dass es „unverschämt“ sei, „wie über ihn gar nicht gesprochen wurde, so als gäbe es ihn gar nicht.“

Was nun? Hoeneß rief ins Telefon: „Hasan hat einen guten Job dieses Jahr gemacht. Dass er nicht ständig genannt wird, zwischen Karl-Heinz und mir, ist klar.“ Außerdem seien die aus Hoeneß’ Sicht „sensationellen Transfers“ von Lucas Hernández und Benjamin Pavard sowie von Talent Alphonso Davies „allein auf Hasans Mist gewachsen.“

Hoeneß will in Zukunft öfter bei TV-Sendungen anrufen

Der 42-jährige Salihamidzic, seit dem 1. August 2017 Sportdirektor an der Säbener Straße, wird am Montag bei der letzten Aufsichtsratssitzung, die Hoeneß als Vorsitzender leitet, zum Sportvorstand berufen. Doch wer glaubt, dass sich ein Hoeneß dann endgültig zurückzieht, irrt. Er will künftig öfter in TV-Sendungen anrufen: „Das habe ich den Herren schon angekündigt“, sagte Hoeneß am Sonntagabend. „Jetzt, wo ich keine offizielle Funktion mehr habe, werde ich die Abteilung Attacke wieder ausfahren. Immer, wenn ich Unsachliches höre und sehe, werde ich den Verein wie eine Glucke bewachen.“