Bundesliga-Gipfel

Bayern gegen BVB: Mit Männerfußball gegen den Novemberblues

Bayern München geht angeschlagen in das Top-Duell der Bundesliga. Selbstbewusste Dortmunder wollen die Schwäche des Meisters nutzen.

Die Bayern haben es gerade schwer, sich durchzusetzen. So wie hier Robert Lewandowski (Mitte) gegen zwei Dortmunder.

Die Bayern haben es gerade schwer, sich durchzusetzen. So wie hier Robert Lewandowski (Mitte) gegen zwei Dortmunder.

Foto: Marius Becker / dpa

München. Kriselnder Branchenprimus gegen wiedererstarkten Herausforderer, zweifelnder Titelverteidiger gegen selbstbewussten Vizemeister: Bayern München kämpft im Liga-Gipfel gegen Borussia Dortmund am Sonnabend (18.30 Uhr/Sky) gegen seinen Herbstblues – und die Vorzeichen haben sich trotz der Horrorbilanz des BVB in der Allianz Arena verschoben.

Große Kampfansagen vom Serienmeister? Fehlanzeige! Der deutsche Fußball-Rekordchampion gibt sich nach turbulenten Wochen und der Trennung von Trainer Niko Kovac zurückhaltend. „Wir können ein weiteres Zeichen setzen“, sagte Interimscoach Hansi Flick. Können? Nein! Müssen. Ein Sieg muss her. Sonst herrscht triste Novemberstimmung.

Als Mutmacher dient ein Blick auf die vergangenen Liga-Heimspiele gegen Schwarz-Gelb. 5:0, 6:0, 4:1, 5:1 – der BVB hat zuletzt in München immer „ordentlich auf die Nuss gekriegt“, wie Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke feststellte. Doch nun soll alles anders werden – mit echtem „Männerfußball“, wie Sportdirektor Michael Zorc forderte. Man brauche nicht viel über Taktik reden, so Zorc: „Wir müssen Kerle sein.“

Bayern will vor allem auf die Defensive achten

Davon waren aber auch die Münchner zuletzt weit entfernt. Das unansehnliche 2:0 in der Champions League gegen Olympiakos Piräus war nur ein kleiner Hoffnungsschimmer. Die verunsicherten Bayern werden daher erneut erst mal zusehen, dass die „Null steht“, wie Flick signalisierte. Dies war gegen Piräus erstmals nach acht Spielen gelungen.

Eine stabile Defensive sei wichtig für eine gute Offensive, betonte Flick, daher sei „klar, dass die Defensive im Fokus steht“. Und der BVB ist ja auch nicht Piräus: „Dortmund ist ein ganz anderes Kaliber, wir müssen eine Schippe drauflegen.“ Und ja, auch „fußballerisch ist noch Luft nach oben“.

Zumindest bei Leon Goretzka, der fünf Jahre für Schalke 04 auflief, klingt es vor dem Duell mit „Lüdenscheid Nord“ ein bisschen nach „Mia san mia“. Man wolle da abliefern, man werde da abliefern, versicherte der Nationalspieler: „Das ist das, was den FC Bayern ausmacht.“

Der BVB will zeigen, was ihn bei den wettbewerbsübergreifend jüngsten drei Siegen ausgezeichnet hat: Eine verbesserte Offensive, mehr Zielstrebigkeit, ein größerer Glaube. „Wir werden uns deutlich besser präsentieren als letzte Saison. Das war damals eine richtige Klatsche, und das sollte uns in einer Weiterentwicklung der Mannschaft nicht noch mal passieren“, sagte Watzke.

Hummels kehrt erstmals nach München zurück

Trainer Lucien Favre versicherte, „ohne Angst“ in München aufzulaufen, auch wenn der Einsatz von Kapitän Marco Reus und Jungstar Jadon Sancho fraglich ist und der letzte Ligasieg in München (3:0) am 12. April 2014 gelang. „Wir müssen dagegenhalten, das ist die Forderung an unsere Mannschaft, da müssen wir anders auftreten als zuletzt in München“, sagte Zorc.

Im Rampenlicht soll dabei Mats Hummels stehen. Bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte muss der BVB-Innenverteidiger die Münchner Tormaschine Robert Lewandowski (14 Treffer) stoppen. Beim im Titelrennen vorentscheidenden 5:0 im April köpfte Hummels noch den Rekordmeister in Führung.

„Mir ist auch aufgefallen, dass einer der besten Spieler der Bayern in diesem Spiel nun auf der anderen Seite spielt. Das ist auch nicht so schlecht“, sagte Watzke, der aber davor warnte, den angeschlagenen Gegner zu unterschätzen: „Bayern hat nach wie vor eine Top-Mannschaft.“ Mit einem Sieg könnte sich der BVB aber von den Bayern auf vier Punkte absetzen und die Krise beim Rekordmeister drastisch verschärfen.