Kommentar

Bayerns Schwäche ist die Chance für alle anderen

Wenn nicht jetzt, wann dann: Die Bundesliga muss die Schwäche der Bayern nutzen. Zeit für einen neuen Meister, findet Dietmar Wenck.

Uli Hoeneß (l.) und Karl-Heinz Rummenigge verstehen die Bayern-Welt nicht mehr. Und die Fußball-Welt versteht auch die Bayern nicht mehr.

Uli Hoeneß (l.) und Karl-Heinz Rummenigge verstehen die Bayern-Welt nicht mehr. Und die Fußball-Welt versteht auch die Bayern nicht mehr.

Foto: Matthias Balk / dpa

Freunde der Satire kommen beim „Postillon“ immer auf ihre Kosten. Aktuell besonders im Visier der Spaßvögel: der FC Bayern München. Täglich werden neue Meldungen zum Durcheinander an der Isar erfunden. Mal ist Jupp Heynckes spurlos verschwunden, der Trainer, der die Bajuwaren mehrfach aus misslichen Situationen befreit hat. Für sachdienliche Hinweise über den Aufenthaltsort des 74-Jährigen soll der Klub 500.000 Euro ausgelobt haben. Mal hat Frau Heynckes das häusliche Telefonkabel durchgeschnitten, damit ihr Mann unerreichbar ist und nicht auf dumme Gedanken kommt.

FC Bayern holt sich nur Absagen

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Der 29-malige deutsche Fußball-Meister gibt gerade ein ziemlich beschädigtes Bild ab. Die Entlassung von Niko Kovac war nur die logische Konsequenz aus den teils desaströsen Leistungen, die der Serien-Champion bot. Aber damit ist kaum alles gut. Zum einen haben ja vor allem die hochdekorierten Stars auf dem Rasen versagt. Zum anderen kommen in schneller Abfolge Absagen vermeintlicher Wunschkandidaten der Bayern für die Kovac-Nachfolge.

Thomas Tuchel, Ralf Rangnick, Erik ten Hag – niemand zeigt Interesse an einem schnellen Wechsel. Stattdessen übernimmt bis auf Weiteres ausgerechnet Hansi Flick, dessen größter Erfolg als Trainer ist, dass er als Löw-Assistent beim deutschen WM-Triumph 2014 dabei sein durfte. Chefcoach war er zuletzt von 2000 bis 2005 bei der TSG Hoffenheim. Er wurde entlassen, weil er in vier Anläufen nicht den Sprung von der Regional- in die Zweite Liga schaffte. Flick ist kaum der Typ, ein Rudel Wölfe zu bändigen. Das kann doch nicht der Ernst des FC Bayern sein! Zumal der einzige, der in der Mannschaft verlässlich liefert, längere Zeit auszufallen droht: Torjäger Robert Lewandowski muss operiert werden.

Chance für den BVB – und viele andere

Andererseits: Alle Fußball-Fans, die es nicht mit dem Stern des Südens halten, dürfen nach sieben schweren Jahren vorsichtig hoffen. So angeschlagen wirkten die Münchner ewig nicht, nicht nur, weil ihre Anführer Hoeneß und Rummenigge unfähig scheinen, den Kahn wieder flott zu bekommen. Bayern München ist nur Tabellenvierter der Bundesliga, hat von zehn Spielen nur fünf gewonnen. Besserung scheint nicht in Sicht. Auch der Neunte, die TSG Hoffenheim, liegt bloß einen Punkt zurück. Das verspricht zumindest mehr Spannung als in den vergangenen Spielzeiten. Irgendein Verein wird doch in der Lage sein, diese einmalige Chance zu nutzen!

Vielleicht wissen alle schon am Sonnabend mehr, wenn Borussia Dortmund in München versuchen wird, dem FC Bayern den nächsten Dämpfer zu versetzen. Vielleicht kommt so eine Gelegenheit nicht so bald wieder. Auch wenn der Postillon ein weiteres Gerücht gestreut hat. Angeblich starrt Lothar Matthäus zu Hause auf sein Telefon und wartet auf einen Anruf, seit Kovac entlassen wurde. Dieser Anruf wird aber nicht kommen. Das wäre sonst Real-Satire.