Champions League

Bayerns Trainer Flick gibt Müller Einsatzgarantie

Bayerns Interimstrainer Hansi Flick sieht sich selbst nur als Übergangslösung. Stattdessen rückt Thomas Tuchel erneut ins Blickfeld.

Gut gelaunt beim ersten Training: Interimstrainer Hansi Flick (l.) und Co-Trainer Hermann Gerland.

Gut gelaunt beim ersten Training: Interimstrainer Hansi Flick (l.) und Co-Trainer Hermann Gerland.

Foto: Sven Hoppe / dpa

München. Vergangenheit und Zukunft prägten beim FC Bayern München den Dienstag an der Säbener Straße – und mittendrin die Gegenwart: Interimstrainer Hansi Flick. Vor der Vormittagseinheit hatte sich Niko Kovac, der Gegangene, von der Mannschaft und den Mitarbeitern verabschiedet. „Komisch und traurig“ sei es gewesen, erzählte Joshua Kimmich, „als Spieler ist es immer auch ein Versagen, weil es nicht dazu gekommen wäre, wenn wir erfolgreich gewesen wären.“ Hätte, hätte, Fehlerkette.

Die intensive Suche nach einem neuen, starken Mann auf der Cheftrainer-Position hat längst begonnen – Stichwort Zukunft. Laut Sky haben die Bayern-Bosse erneut Thomas Tuchel, vor Kovacs Verpflichtung bereits der Wunschkandidat von Karl-Heinz Rummenigge, kontaktiert. Der aktuelle Coach von Paris St. Germain soll jedoch ein kurzfristiges Engagement abgelehnt haben. Und im Sommer 2020? Das hänge, so das Tuchel-Lager, vom sportlichen Abschneiden der Franzosen ab. Heißt: kein Nein!

Flick will als erstes die anfällige Defensive stärken

In dieser Gemengelage, in einem aufgewühlten Verein auf der Suche samt einer verunsicherten Mannschaft, muss Flick schnell liefern. Am Sonntagabend saß er zu Hause mit seiner Frau beim Abendessen als der Anruf von Sportdirektor Hasan Salihamidzic kam. „Für mich war klar, dass ich das mache“, so Flick, „weil es mich ehrt, auch aus Loyalität dem Verein gegenüber.“

Eine Woche mindestens ist der 54-Jährige nun Chefcoach, bestreitet mit dem Champions-League-Gruppenspiel am Mittwoch gegen Olympiakos Piräus (18.55 Uhr, Sky) und dem Bundesliga-Klassiker gegen Borussia Dortmund am Sonnabend (18.30 Uhr, Sky) zwei Spiele. Mit der Chance auf eine Weiterbeschäftigung? „Alles, was kommt, interessiert mich erst mal null“, sagte der gebürtige Heidelberger, als Spieler von 1985 bis 1990 für den FC Bayern aktiv.

Bei seiner Operation Gegenwart will Flick wieder den Fokus des Teams schärfen, appelliert an dessen Ehrgeiz: „Die Mannschaft hat verstanden, dass sie jetzt in der Verantwortung steht. Es geht auch um die Einstellung.“ Unter Kovac hatte der unbedingte Wille gefehlt, auch aus Frust über die unklaren taktischen Vorgaben. Der Neue will die Abwehr stärken. „Die Tore, die wir bekommen haben – das ist nicht Bayern-like. Wir waren in den letzten Wochen immer einen Tick zu spät. Mir ist wichtig, dass die Mannschaft aktiv ist und die Initiative ergreift“, sagte Flick, der im Vormittagstraining speziell Defensiv-Verhalten einstudieren ließ.

Auch Innenverteidiger Martinez soll gegen Piräus und Dortmund spielen

Javi Martinez, der in die zuletzt wacklige Innenverteidigung rückt, und vor allem Thomas Müller sind die Profiteure. Der Weltmeister von 2014, damals vom Duo Joachim Löw/Flick gecoacht, erhielt eine Einsatzgarantie und viel Lob: „Ich kenne ihn ein bisschen länger. Er ist für den Verein eine wichtige Identifikationsfigur, kann die Mannschaft führen und mitreißen, verhält sich auf dem Platz sehr intelligent.“ Müllers Renaissance gilt auch für das Dortmund-Spiel, da Flick möchte, dass sich gegen Piräus eine erste Elf für Sonnabend findet.

Barcelona-Leihgabe Philippe Coutinho, zuletzt schwach, wird wohl auf die Bank müssen. Und Jérome Boateng, nach seiner Roten Karte beim 1:5 in Frankfurt nun für zwei Bundesliga-Spiele gesperrt, ist auch für Piräus raus – damit die Abwehrformation sich einspielt. Und das, obwohl ansonsten mit Benjamin Pavard nur ein einziger weiterer Innenverteidiger zur Verfügung steht. Der Gegenwart-Coach forderte: „Wir müssen alle Körner raushauen und zeigen, was wir können.“