Fussball

Süles Ausfall bringt Löw in Bedrängnis

Der Kreuzbandriss des Verteidigers schmerzt auch die Bayern, doch sie haben die besseren Optionen als der Bundestrainer.

Niklas Süle stürzt mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden nach einem Duell mit Florian Niederlechner.

Niklas Süle stürzt mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden nach einem Duell mit Florian Niederlechner.

Foto: Michael Weber IMAGEPOWER via www.imago-images.de / imago images/Michael Weber

München. Die Diagnose, nur noch die niederschmetternde Bestätigung der traurigen Vermutungen vom Vorabend, kam am Sonntagmorgen um 10.10 Uhr. Der FC Bayern gab nach der Untersuchung durch Vereinsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt bekannt, dass sich Niklas Süle einen Riss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie zugezogen hat. Bereits am Sonntag wurde der Abwehrchef in Innsbruck operiert.

Es ist ein Schock, in erster Linie für Süle und seine Ziele. Dennoch gab er sich optimistisch und schrieb bei Instagram: „Wer es einmal schafft, schafft es jedes Mal wieder!!!“ Zweitens natürlich für den FC Bayern und Trainer Niko Kovac, die ihren konstantesten und wichtigsten Abwehrspieler für die nächsten Monate – je nach Heilungsverlauf und Reha sogar für die komplette Saison – verlieren. Und drittens für Bundestrainer Joachim Löw und die Nationalelf, die um Süles Teilnahme an der EM 2020 im Juni/Juli nächsten Jahres bangen. Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit. Sechs, sieben Monate Wettkampfpause sind mindestens einzuplanen. Wie schnell Süle, der im Dezember 2014 schon einmal dieselbe Blessur erlitten hatte, danach wieder in Topform kommt, ist die andere Frage.

Boateng dürfte wohl länger bei Bayern bleiben

Der 24-Jährige hatte sich beim 2:2 in Augsburg ohne Foul und Fremdverschulden nach gut zehn Minuten verletzt. Der Ausgleich der Augsburger in der Nachspielzeit kostete die Bayern zwei Punkte und führte sie nach dem schlechtesten Saisonstart nach neun Jahren in eine erneute Herbst-Depression. Süles Ausfall sei „schmerzlich“ und „beeinträchtigt die Entwicklung unserer im Umbruch befindlichen jungen Mannschaft,“ teilte Löw mit. „Niklas ist ein Gesicht der jungen Spieler-Generation, er war ein Fixpunkt in unseren Planungen und hatte sowohl im Klub als auch bei uns seine regelmäßigen Einsätze.“ Wie Süle stand nur sein Bayern-Kollege Joshua Kimmich in allen acht Länderspielen 2019 jeweils 90 Minuten auf dem Platz.

Kovac kann Süles Verlust mit den Zugängen Benjamin Pavard und Lucas Hernández sowie dem gebürtigen Berliner Jerome Boateng (31) auffangen. Durch den Langzeitausfall von Süle dürfte ein von Boateng favorisierter Wechsel in der Winterpause nun ausgeschlossen sein.

Neue Chance für Herthas Stark beim DFB

Für Löw sieht es düsterer aus in der Innenverteidigung. Nachdem freiwilligen Verzicht auf die 2014er-Weltmeister Mats Hummels und Boateng bleiben Matthias Ginter (Gladbach), Antonio Rüdiger (Chelsea), Jonathan Tah (Leverkusen) und Robin Koch (Freiburg), den Löw erst kürzlich zum Nationalspieler beförderte. Plus Herthas Niklas Stark (24), zuletzt der DFB-Pechvogel, weil er nach acht vergeblichen Anläufen weiter auf sein Länderspiel-Debüt wartet. Des einen Leid, des anderen Freud.

Denn da wäre ja noch Hummels, der 30-jährige Abwehrchef von Borussia Dortmund, zuletzt in guter Form. „Wenn ich irgendwann noch einmal das Trikot für Deutschland anziehen darf, würde ich mich nicht dagegen wehren“, sagte der Ex-Bayern-Profi jüngst im „Kicker“. Gut möglich, dass Löw sich im Frühjahr bei Hummels meldet. „Ich bin sicher, dass Niklas sich wieder herankämpfen wird“, machte ihm Löw Mut, „wir werden überhaupt keinen Druck aufbauen und ihn weiter bestmöglich unterstützen.“ Damit er selbst nicht den Gang nach Canossa wählen, sprich in seinem Handy den Kontakt von Hummels anklicken muss.