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Thomas Müller: Identifikationsfigur vor dem Abschied?

Thomas Müller will den FC Bayern angeblich verlassen. Es wäre das Ende einer großen Ära in München. Freigabe schon in der Winterpause?

Bayern-Angreifer Thomas Müller (l.) kommt wie hier im Bundesligaspiel gegen RB Leipzig nur selten zum Einsatz.

Bayern-Angreifer Thomas Müller (l.) kommt wie hier im Bundesligaspiel gegen RB Leipzig nur selten zum Einsatz.

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

München. Gerade einmal zehn Jahre war Thomas Müller alt, als er im Jahr 2000 vom kleinen TSV Pähl in die D-Jugend des FC Bayern wechselte. Jetzt ist Müller 30, eine Identifikationsfigur beim deutschen Rekordmeister, der Liebling der Fans und der letzte echte (Ober-)Bayer im Kader. Die viel diskutierte Frage in München ist aber längst: Wie lange noch?

Müller soll Freigabe in der Winterpause anstreben

Der Weltmeister von 2014 will den Verein angeblich nach 19 Jahren, in denen er die Bayern wie ein Bastian Schweinsteiger oder Philipp Lahm entscheidend geprägt hat, verlassen. Dies berichtet die „Sport Bild“. Müller soll eine Freigabe in der kommenden Winterpause anstreben. Ob die Bayern ihn überhaupt gehen lassen, ist jedoch fraglich. Es wäre auf jeden Fall das Ende einer großen Ära beim FC Bayern.

Nach einem Gespräch mit Trainer Niko Kovac will sich Müller alle Optionen für die Zukunft offen halten. „Wenn das Trainerteam mich in Zukunft nur noch in der Rolle des Ersatzspielers sieht, muss ich mir meine Gedanken machen. Dafür bin ich einfach zu ehrgeizig“, sagte er im „Kicker“-Interview am Mittwoch. „Ein Trainer muss vor jedem Spiel schwierige Entscheidungen treffen. In den vergangenen fünf Spielen war allerdings ein Trend zu erkennen, der mich nicht glücklich macht.“

Unter Trainer Kovac nur noch zweite Wahl

Der Frust beim Münchner Dauerbrenner ist groß, unter Kovac dauerhaft nur noch zweite Wahl zu sein. Nach der Verpflichtung des Brasilianers Philippe Coutinho verlor der mit Titeln hochdekorierte Müller seinen Stammplatz. Bei der 1:2-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim am vergangenen Sonnabend saß Müller zum fünften Mal in Folge zu Beginn auf der Bank.

Kovac hatte zudem vor dem Spiel mit seiner „Not-am-Mann“-Aussage für reichlich Wirbel gesorgt. Man müsse „da nichts draus zaubern“, merkte der Coach wenig später an. Doch selbst mit wenig Fantasie sind die Worte - ob beabsichtigt oder nicht - als offizielle Degradierung zum Ersatzspieler zu verstehen.

Auch in der Nationalmannschaft ausgebootet

Nach seiner Ausbootung in der Nationalmannschaft im Frühjahr ist dies für den umtriebigen Offensivspieler, der mit den Bayern 2013 das historische Triple und insgesamt acht Mal die Meisterschaft gewann, der zweite schmerzhafte Schlag. Verwunderlich wäre deshalb nicht, wenn sich „der Raumdeuter“ (O-Ton Müller) mit einem Abschied aus München beschäftigen würde. Sein Vertrag beim FC Bayern läuft noch bis 2021. Gespräche über eine Verlängerung gab es bisher nicht.

„Natürlich ist es so, dass ich mit Bayern München verwurzelt bin, große Erfolge gefeiert habe und auch noch große Erfolge feiern will“, sagte Müller zu Beginn des Jahres bei Sky. Aber, fügte er an, er könne „weder in die Zukunft schauen, noch irgendwelche Versprechen abgeben. Man wird sehen, was in den nächsten Jahren passiert.“

Müllers Vertrag beim FC Bayern läuft bis 2021

Dabei deutete lange vieles darauf hin, dass Müller seine Karriere in München beendet. Als Manchester United ihn 2015 auf die Insel locken wollte und für damalige Verhältnisse „unmoralische 100 Millionen“ (Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge) bot, lehnten die Bayern dankend ab und verlängerten stattdessen den Kontrakt bis 2021. Der 100-malige Nationalspieler galt als unangefochten.

Müller gehört mit rund 15 Millionen zu den Top-Verdienern

Die Gegenwart sieht für Müller, der als Vize-Kapitän im Mannschaftsrat sitzt und zu den Top-Verdienern (rund 15 Millionen) gehört, allerdings nicht ganz so erbaulich aus. Bisher stehen gerade einmal 450 Pflichtspielminuten in der Saison-Bilanz mit einem Tor und vier Vorlagen. Der schon legendäre Satz seines ehemaligen Trainers Louis van Gaal, „Müller spielt immer“, hat längst keine Gültigkeit mehr.

Müller, der sich sonst nie um eine klare Aussage drückt, wollte seine unbefriedigende Situation bisher noch nicht kommentieren. „Nothing to say, wie der Engländer sagt“, meinte er am Sonnabend nur kurz, bevor er die Allianz Arena verließ.