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BVB-Bankdrücker Balerdi: Für Argentinien reicht’s

Kurios, aber wahr: Leonardo Balerdi spielt in Dortmund nur Regionalliga, ist aber Nationalspieler. Wie passt das zusammen?

Innenverteidiger Leonardo Balerdi (20) gab im September sein Länderspiel-Debüt.

Innenverteidiger Leonardo Balerdi (20) gab im September sein Länderspiel-Debüt.

Foto: Jose Breton / picture alliance / NurPhoto

Berlin. In den vergangenen Wochen hat Leonardo Balerdi (20) einiges erlebt. Erst traf der junge Argentinier von Borussia Dortmund den Basketballer Manu Ginobili, der zu den größten Sportidolen seines an großen Sportidolen nicht eben armen Heimatlandes zählt. Dann war er mit seinem Kumpel Mateu Morey im Dortmunder Zoo, und Fußball gespielt hat er auch noch – in der Regionalliga West für die zweite Mannschaft des BVB.

In der Bundesliga wartet er weiter auf den ersten Einsatz. Nur einmal, gegen Werder Bremen, wurde er von Trainer Lucien Favre für den Kader nominiert. An seiner misslichen Situation wird sich so schnell vermutlich auch nichts ändern, angesichts von Konkurrenten wie Mats Hummels oder Manuel Akanji.

Umso mehr freut sich Balerdi, dass er wohl doch bald dem Dortmunder Publikum sein Können vorführen darf. Wenn schon nicht im Trikot der Borussia dann wenigstens im himmelblau-weiß gestreiften der argentinischen Nationalmannschaft.

Messi, Agüero und di María werden geschont

Denn Balerdi ist, so verwunderlich das im ersten Moment auch klingen mag, argentinischer Nationalspieler. Gegen Mexiko (4:0) hatte er vor vier Wochen sein Debüt gegeben und auch für das Spiel am Mittwoch gegen Deutschland (20.45 Uhr, RTL) wurde er wieder berufen.

Balerdi ist nicht der einzige im Aufgebot, der dem täglichen Broterwerb in Deutschland nachgeht. Auch Lucas Alario (Leverkusen) und Nicolas Gonzalez (Stuttgart) sind dabei. Der eine sitzt in Leverkusen oft auf der Bank, der andere spielt in der Zweiten Liga.

Von den 25 Spielern, die Trainer Lionel Scaloni für die Spiele gegen Deutschland und Ecuador berufen hat, sind die wenigsten der breiten Masse bekannt. Am ehesten noch Paulo Dybala, der Angreifer von Juventus Turin. Lionel Messi, Sergio Agüero und Angel Di María – die großen Namen fehlen.

Messi ist nach seiner Schiedsrichterschelte bei der Copa America noch gesperrt, auf die viel beanspruchten Aguero (Manchester City) und Di Maria (Paris) verzichtete Scaloni. Von ihnen weiß der Trainer, was sie können.

41 verschiedene Nationalspieler im Jahr 2019

Es gibt derzeit sicher höhere Hürden, als Nationalspieler der stolzen Fußballnation Argentinien zu werden. Allein im Kalenderjahr 2019 verhalf Scaloni 41 verschiedenen Spielern zu Einsätzen in der „Seleccion“. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Besten wie Messi oder Agüero sind chronisch überlastet, für unwichtige Länderspiele möchte man sie nicht noch zusätzlich malträtieren.

Dazu kommt, dass in Südamerika die wichtigsten Wettbewerbe gerade in ihre entscheidende Phase gehen. So schonte Scaloni etwa alle Spieler der beiden Traditionsklubs Boca Juniors und River Plate, weil die sich in zwei Wochen im Viertelfinale der Copa Libertadores gegenüberstehen. Das ist die Chance für Spieler wie Balerdi, Gonzalez und all jene, die noch in der heimischen Liga spielen.

Für Letztgenannte sind diese Freundschaftsvergleiche wie gegen Deutschland wichtig. Sie können sich nicht nur zeigen, auch ihr Marktwert steigt, sobald sie das Nationaltrikot einmal übergestreift haben.

15 Millionen Euro Ablöse, aber kein Profi-Einsatz

Berater und Funktionäre sind besonders interessiert daran, dass möglichst viele Spieler in der „Seleccion“ zum Einsatz kommen. Der Export läuft dann besser. In der vergangenen Saison spielten etwas weniger als 800 Argentinier im Ausland, die Rede ist von 760 bei Profiklubs. Nur Frankreich und Brasilien schickten noch mehr Fußballer in die Fremde.

Der Kader für das Spiel gegen Deutschland setzt sich aus Spielern zusammen, die in zehn unterschiedlichen Ländern aktiv sind. Auch wenn die Nationalmannschaft sportlich schon mal erfolgreichere Zeiten erlebt hat, sind argentinische Talente aufgrund ihrer guten Ausbildung noch immer enorm begehrt. Borussia Dortmund bezahlte vergangenen Winter 15,5 Millionen Euro für Leonardo Balerdi – und da war der noch kein Nationalspieler.