Internationaler Fussball

Werner und Leipzig zeigen eine reife Leistung

Stürmer Timo Werner schießt Leipzig mit zwei Toren zum Sieg bei Benfica und profitiert von den Erfahrungen der Vergangenheit.

Treffsicher: Nationalspieler Timo Werner (r.) gelangen in den ersten sechs Pflichtspielen der Saison sieben Tore.

Treffsicher: Nationalspieler Timo Werner (r.) gelangen in den ersten sechs Pflichtspielen der Saison sieben Tore.

Foto: Pedro Fiuza / picture alliance / NurPhoto

Lissabon/Salzburg/Neapel.  Mit einem entspannten Lächeln kaute Timo Werner an den letzten Bissen der hochverdienten Stärkung, doch hungrig blieb RB Leipzigs Tor-Held trotzdem. Der Doppelpack im ohrenbetäubend lauten Estadio da Luz, der Auftaktsieg in der Champions League bei Benfica Lissabon: Alles nur Appetitanreger für den Stürmer, der schon auf die kommenden Spiele in der Königsklasse schielte. Und gar auf einen möglichen Gruppensieg.

„Wir sind nicht in der Champions League, um nur dabei zu sein. Wir wollen weiterkommen – wenn es möglich ist, auch als Tabellenerster“, sagte der Fußball-Nationalspieler nach dem 2:1 (0:0) beim portugiesischen Rekordmeister. Alles andere als utopisch, schon gar nicht, wenn Werner zu Hause gegen Olympique Lyon (2. Oktober) und Zenit St. Petersburg (23. Oktober) so zünden sollte wie in der Stadt des Lichts.

RB-Außenstelle in Salzburg glänzt mit 6:2 gegen Genk

Mit sieben Toren in sechs Pflichtpartien hat der Angreifer unter dem neuen Trainer Julian Nagelsmann einen Traumstart hingelegt und ist zu einem Profi gereift, der den Qualitätsunterschied zwischen zwei Teams ausmachen kann. Das veränderte System mit weniger langen Bällen und einem vermehrt spielerischen Ansatz passt perfekt zum schnellen Werner. Der aber blieb gewohnt bescheiden und fand andere Gründe für den Höhenflug: „Wir sind alle ein wenig älter geworden und haben mehr Spiele auf dem Buckel“, meinte er, die Mannschaft hat gezeigt, dass sie auf diesem Niveau mithalten kann.“ Angreifer-Kollege Emil Forsberg (27) sah es ähnlich: „Der Schlüssel ist, dass wir mehr erfahrene Spieler auf dem Platz haben, die wissen, um was es geht“, betonte der Schwede.

An kaum einem Spieler lässt sich dieser Reifeprozess besser festmachen, als an Werner. Ja, ein treffsicherer Angreifer war er schon immer, mittlerweile liefert er aber auch konstant Top-Leistungen ab.

Im Red-Bull-Kosmos werden sie sich allerdings nicht nur über die Entwicklung von Werner in Leipzig freuen, sondern auch über jene der Außenstelle in Salzburg. Bei ihrem langersehnten Königsklassen-Debüt ließen es die Österreicher am Dienstag mächtig krachen: 6:2 gegen Belgiens Meister KR Genk.

Liverpool-Coach Klopp sauer auf deutschen Referee Brych

Herausragender Akteur war dabei der erst 19 Jahre alte Norweger Erling Haaland, der für seine drei Treffer gerade einmal 43 Minuten benötigte. Für die spanische Sportzeitung „Marca“ ist der bullige 1,91-Meter-Stürmer eine „unaufhaltsame Bestie“, für Entdecker Ole Gunnar Solskjaer ein Kandidat für größere Klubs. „Er erinnert mich in seiner Spielweise an Romelu Lukaku“, sagt der Teammanager von Manchester United, „Ich bin mir sicher, dass Erling ein Top-Stürmer wird.“ Eine Zwischenstation in Leipzig ist dabei nicht ausgeschlossen.

Ob Haalands Weg langfristig tatsächlich auf die Insel führt? Kurzfristig tut er es auf jeden Fall. Der nächste Gegner in der Champions League ist am 2. Oktober kein geringerer als der FC Liverpool, der sein Auftaktmatch in der Königsklasse mit 0:2 beim SSC Neapel verlor. Teammanager Jürgen Klopp konnte nach Abpfiff trotzdem noch lachen, als ihm Trainerkollege Carlo Ancelotti zuflüsterte: „Wenn man in Neapel verliert, gewinnt man am Ende die Champions League.“ So zumindest hatte es sich in der Vorsaison zugetragen.

Dass der Titelverteidiger das erste Spiel der Folgesaison verliert, hatte es zuletzt vor 25 Jahren gegeben (AC Mailand). Verantwortlich dafür war in Klopps Augen nicht nur der Chancenwucher seiner Elf, sondern auch der deutschen Referee Felix Brych, der einen Strafstoß verhängte, der zum 0:1 führte (82.). „Das“, meinte Klopp, „war klar und offensichtlich kein Elfmeter. Wir wollten einen Punkt und haben ihn wegen dieses Elfmeters nicht holen können.“