Champions League

Für die Bayern gilt: Jetzt oder nie

Für ältere Spieler wie Lewandowski oder Müller drängt die Zeit, wenn sie in der Champions League noch einmal ganz oben stehen wollen.

Bereit für den vielleicht letzten großen Sprung: Robert Lewandowski (l.) und Thomas Müller beim Torjubel.

Bereit für den vielleicht letzten großen Sprung: Robert Lewandowski (l.) und Thomas Müller beim Torjubel.

Foto: Lars Baron / Bongarts/Getty Images

München. Smart, höflich, zuvorkommend, gastfreundlich. Niemand wird Niko Kovac diese Attribute absprechen. Und um einen weiteren Beleg dafür zu liefern, begrüßte der Bayern-Trainer – kroatische Wurzeln, gebürtig aus Berlin – die mitgereisten serbischen Journalisten auf der Pressekonferenz in ihrer Landessprache.

Entspannt und gut gelaunt präsentierte sich der 47-Jährige vor Bayerns Auftaktmatch in der Champions-League-Gruppenphase gegen den serbischen Meister Roter Stern Belgrad (21 Uhr, Sky). Und ungewohnt angriffslustig. Auch wenn Kovac es in seiner ruhigen Art sanft verpackte, kann man seine Worte mit Bezug auf Bayerns Aussichten in der Königsklasse durchaus als Kampfansage werten.

„Wir haben ein neues Jahr. Neues Spiel, neues Glück. Wir wollen erst einmal die Gruppenphase überstehen“, sagte Kovac. So weit, so normal – weil Pflicht. Aber dann: „Ich bin mir sicher und davon überzeugt, dass wir weiter kommen werden als im letzten Jahr.“

Kovac kontert Rummenigge-Aussagen

Für Trainer Kovac wird sein zweiter Champions-League-Anlauf mit dem durch zwei Weltmeister (Benjamin Pavard und Lucas Hernández) sowie zwei qualitativ richtig dicken Fischen (Ivan Perisic und Philippe Coutinho) aufgemotzten Kader zur ultimativen Weggabelung. Jetzt oder nie! Denn ein so frühes Aus wie im Achtelfinale der vergangenen Spielzeit, als seine Mannschaft dem FC Liverpool (zweieinhalb Monate später der gefeierte und hochgelobte Sieger der europäischen Glanz- und Gloria-Meisterschaft) unterlag, wird sich Kovac nicht noch einmal leisten können.

Nach einem taktisch cleveren, aber doch sehr einseitig verteidigten 0:0 verlor Bayern das Rückspiel zu Hause mit 1:3. Vor allem Kovac scheiterte an der eigenen Courage, ließ seine Elf erneut zu defensiv, zu vorsichtig agieren. Bei jeder Gelegenheit erinnert Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsboss und Kovac-Skeptiker, daran, wie sehr ihn dieses Ausscheiden immer noch schmerzt. Was Kovac dazu gestern erklärte, wird den Bossen nicht so sehr gefallen haben.

„Wir hatten das Lospech, dass wir gegen den Champions-League-Sieger ausgeschieden sind. Im Jahr zuvor hießen die Gegner Besiktas Istanbul und FC Sevilla (in der K.o.-Phase 2017/18, d. Red.), letztes Jahr eben Liverpool. Das ist so.“ Das 1:3 steht in Kovacs Trainerakte als dicker Malus auf der Minus-Seite, als Plus hat er sich das Double erkämpft. Doch nun, oh Fluch der guten Tat, wird er in seinem zweiten Jahr an der Säbener Straße auch noch daran gemessen, erneut Meisterschaft und Pokal einzufahren – sonst würde er national unter Vorjahresniveau landen. Verzwickt.

Das Scheitern hat die Münchner hungriger gemacht

Wie die Launen der Natur. Und die besagen knallhart: Selbst die Besten werden nicht jünger. Manuel Neuer, der Kapitän, ist 33 Jahre alt, seine Stellvertreter Robert Lewandowski 31 und Thomas Müller gerade 30 geworden. Für sie gilt noch mehr, was für Kovac gilt: Jetzt oder nie!

So viele Versuche werden Neuer und Müller, bereits 2013 Champions-League-Champion, und Lewandowski, damals mit dem BVB unterlegener Finalist, nicht mehr bekommen, den Henkelpott in Händen zu halten.

„Durch das Ausscheiden gegen Liverpool ist unsere Motivation riesengroß“, sagte Torhüter Neuer gestern, „wir sind sehr hungrig, haben viele junge Spieler, die den Henkelpott natürlich unbedingt gewinnen wollen. Auch die Älteren, die ihn schon gewonnen haben, wollen ihn wieder holen. Wir wissen, dass wir Qualität im Kader haben, wirklich eine gute Mischung und wollen alles dafür tun.“

Neuer: „Wollen mindestens ins Halbfinale“

In der Gruppe mit Belgrad, am Mittwoch ein Pflichtsieg, dem weiteren Außenseiter Olympiakos Piräus und dem letztjährigen Finalisten Tottenham Hotspur sieht Ex-Kapitän Stefan Effenberg „keine großen Probleme“ für Bayern, „international gehören sie für mich aber nicht zu den Topfavoriten“. Bei einem erneuten frühen Aus, so Effenberg, „bestünde die Gefahr, dass Bayern international abgehängt wird“.

Dem setzte Neuer entgegen: „Ich bin zuversichtlich, weil ich an uns glaube. Dennoch ist es immer ein harter, steiniger Weg, das wissen wir alle. Wir haben in der letzten Saison erfahren müssen, wie bitter es sein kann, auszuscheiden – das war deutlich zu früh für uns. Wir wollen mindestens ins Halbfinale.“

Für Lewandowski, der die Kaderplanung während der Vorbereitung im Juli stark kritisiert hatte, sind vor allem die kurzfristigen Verstärkungen Perisic und Coutinho Grund genug für frischen Optimismus: „Wir haben jetzt einen super Kader.“ Seinen Vertrag hat der Top-Torjäger auch deshalb um weitere zwei Jahre bis 2023 verlängert, um endlich die ersehnte Champions-League-Trophäe zu gewinnen. „Das ist ein großes Ziel für uns“, sagt der Pole, „ich denke, dass wir es schaffen können.“ Jetzt oder nie!