Champions League

Darum stürmt BVB-Star Paco Alcácer mit Wut im Bauch

Der Stürmer von Borussia Dortmund denkt an seine Zeit beim FC Barcelona mit gemischten Gefühlen. Am Dienstag kommt es zum Wiedersehen.

Entschlossen und in Topform: Paco Alcácer stand in der Liga zuletzt vier Mal in der Startelf und schoss fünf Tore.

Entschlossen und in Topform: Paco Alcácer stand in der Liga zuletzt vier Mal in der Startelf und schoss fünf Tore.

Foto: Jens Niering / picture alliance

Dortmund. Den Blutdruck hat Marco Reus nicht gemessen bei Paco Alcácer, und auch sonst hat der Kapitän von Borussia Dortmund keinerlei Untersuchungen vorgenommen. Aber einige Gespräche hat er geführt mit dem spanischen Torjäger, und so ist er sich sicher, recht verlässlich Auskunft geben zu können über dessen Befinden: „Er ist einfach die Ruhe selbst“, erzählt Reus.

Dabei ist dieses Spiel, die Champions-League-Partie gegen den FC Barcelona am Dienstagabend (21 Uhr, Sky), kein ganz gewöhnlicher Termin für Alcácer. Es ist eine Begegnung mit der Vergangenheit.

Zum spanischen Topklub kam er einst als vielversprechender Torjäger vom FC Valencia, erlebte dann aber einen veritablen Karriereknick: Gegen die übermächtigen Konkurrenten wie Lionel Messi, Luis Suarez und Philippe Coutinho konnte er sich nicht durchsetzen. In zwei Jahren kam er zwar immerhin auf 50 Einsätze, doch jene dauerten selten besonders lang.

23 Treffer in 30 Bundesligaspielen

Nur deshalb hatte Borussia Dortmund im vergangenen Jahr ja die Chance, den Spanier vom Wechsel ins Ruhrgebiet zu überzeugen. Zunächst per Leihe, doch schon nach wenigen Monaten zog der BVB die Kaufoption.

23 Millionen Euro kostete Alcácer insgesamt, was schon jetzt als eines der besseren von vielen guten Geschäften gelten darf, die Sportdirektor Michael Zorc im Laufe der Jahre getätigt hat. Und bei aller Ruhe brennt der Spanier nun darauf, den Katalanen zu zeigen, dass sie sich doch geirrt haben in ihm.

Seine Quote zumindest spricht für sich: In insgesamt 30 Bundesligaspielen hat der Spanier bislang 23 Tore erzielt – so gut war bislang nur der Ex-Bayer Roy Makaay vor 16 Jahren in die Bundesliga gestartet. Und doch scheint Alcácer erst jetzt, in seiner zweiten Saison, seine Bestform zu erreichen.

Ob in der Bundesliga, im DFB-Pokal, im Supercup oder in der EM-Qualifikation mit der spanischen Nationalmannschaft: In bislang jedem Pflichtspiel hat der 26-Jährige getroffen.

Fünf Tore in den ersten vier Bundesligaspielen haben zuvor nur die Klublegende Lothar Emmerich (1967/68) und Pierre-Emerick Aubameyang (2015/16) geschossen. „Das kann sein“, antwortete er jüngst der Zeitung „Sport“ auf die Frage, ob er momentan die beste Phase seiner Karriere erlebt. „Die Zahlen sprechen dafür.“

Zwei Tore in 1000 Minuten Champions League

Doch längst sind es mehr als die nackten Zahlen, mit denen der Spanier überzeugt – es sind auch die Aktionen, die in keiner Statistik auftauchen. Zum Beispiel beim jüngsten 4:0 gegen Leverkusen. Das 1:0 schoss er auf die bekannte Paco-Alcácer-Art: Bei einer Flanke aus dem Halbfeld startete er genau im richtigen Moment in den Rücken der Abwehr und schoss per Volley sicher ein.

Beim 2:0 war er entscheidender Wegbereiter, als er Jadon Sanchos Pass für den besser postierten Reus passieren ließ. „Da merkt man, dass er auf dem Platz ziemlich intelligent ist“, schwärmt der Kapitän über den Torjäger. „Er weiß immer, wo sein Nebenmann ist und in welcher Situation er sich besser zurückhalten sollte. Und er ist natürlich ein eiskalter Torjäger, der nicht viele Chancen braucht.“

Aber: Es gibt da diese eine Statistik, die nicht ganz passt zum Bild vom perfekten Torjäger. Etwas über 1000 Minuten hat er bislang in der Champions League gespielt und dabei nur zwei Treffer erzielt. Diese Quote gilt es zu verbessern gegen die alten Kollegen.

„Er freut sich natürlich auf das Spiel, weil er beim FC Barcelona schöne Jahre verbracht hat, obwohl es mit Einsatzminuten etwas gehapert hat“, berichtet Reus. „Für ihn wird es trotzdem ein schönes Erlebnis – und ich hoffe, er kann uns helfen.“

Die Zeit bei Barca hat beim Angreifer Spuren hinterlassen

Alcácer selbst gibt sich auch vor diesem Spiel gewohnt wortkarg, spricht kaum mit Journalisten. Eine Ausnahme machte er vor ein paar Tagen für „Radio Cadena SER Catalunya“. Dort meinte er über die Zeit in Barcelona: „Die Spieler haben sich sehr gut benommen, die Fans meist auch, obwohl mich ein Teil schlecht behandelt hat. Die, die sich sehr gut benahmen, haben meinen Respekt verdient.“

Zwischen den Zeilen war vor allem Kritik an einigen sportlichen Verantwortlichen herauszuhören. „Für mich war sehr wichtig zu sehen, wer mir vertraut, und wer dies nicht getan hat“, sagte der Rechtsfuß. Ohne Frage: Die Tatsache, dass er im Star-Ensemble nie wirklich eine Chance bekam, hat Spuren hinterlassen.

Wie viel Respekt ihm nun beim Wiedersehen entgegenschlagen wird? Nun, vermutlich mehr als je zuvor. Mit seiner Tor-Quote hätte er ihn jedenfalls mehr als verdient.