Champions League

Ansu Fati – ein 16-Jähriger verzaubert Barcelona

Youngster Ansu Fati beflügelt die Träume des FC Barcelona. In Dortmund steht er gleich vor seinem ersten Einsatz in der Königsklasse.

Barcelonas Ansu Fati (r.) ist von Valencias Ezequiel Garay nicht aufzuhalten.

Barcelonas Ansu Fati (r.) ist von Valencias Ezequiel Garay nicht aufzuhalten.

Foto: Joan Monfort / dpa

Barcelona. Gelächter aus dem Kabinengang kündigt die Stars des FC Barcelona zum Abschlusstraining vor dem Champions-League-Auftakt bei Borussia Dortmund an. Zunächst kommt Routinier Sergio Busquets auf den Platz, dann die Gruppe der Franzosen um Topzugang Antoine Griezmann, ziemlich am Ende auch Lionel Messi nebst Busenkumpel Luis Suárez.

Die Rückkehr des in dieser Saison wegen einer Wadenverletzung noch einsatzlosen Superstars ist eine der Nachrichten des Tages. Die andere ist, dass zwischen all den großen Namen auch Ansu Fati wieder mitmacht und nach dem Training den Flieger nach Westfalen besteigt.

Ansu ist 16 Jahre alt und sollte diese Saison zwischen Junioren und zweiter Mannschaft pendeln. Doch wegen Verletzungsproblemen im Angriff durfte er am zweiten Spieltag gegen Betis Sevilla ein paar Minuten für die A-Elf auflaufen.

Fati ist jüngster Torschütze der Barca-Geschichte

Und nachdem er eine Woche später als Einwechselspieler ein Kopfballtor zum Remis bei Osasuna beisteuerte, ist seit seinem Startelfdebüt am Sonnabend gegen Valencia endgültig nichts mehr, wie es war.

Der Junge benötigte zwei Minuten, um die Führung zu erzielen, fünf weitere für eine brillante Torvorlage und nicht viel länger, um das Stadion mit Schlenzern, Dribblings und Lupfern endgültig von den Sitzen zu reißen. Seitdem, konstatiert „Sport“, herrscht „Ansumania“.

Barcas neuer Liebling ist in Guinea-Bissau (Westafrika) geboren und kam mit sechs nach Spanien, wo der Vater als Chauffeur für einen Bürgermeister in der Provinz Sevilla arbeitete. Der Politiker half ihm, seine Familie nachzuholen, und sobald Ansu da war, verbreitete sich die Kunde von seinem Talent wie ein Lauffeuer. Als Zehnjähriger wechselte er nach Barcelona, wo er sich auf dem Weg zum jüngsten Torschützen der Klubgeschichte auch nicht von einem Schien- und Wadenbeinbruch aufhalten ließ.

Messi-Bruder ist Berater der Familie

„Der Ballon um Ansu wird jetzt sehr groß werden, und wir alle werden versuchen, Luft rauszulassen“, erklärte Trainer Ernesto Valverde am Sonnabend. „Ansu ist ein Junge, dessen Kopf mitspielt“, sagt Klubdirektor Guillermo Amor. Im Juli schloss man den ersten Profivertrag, zu den Beratern der Familie gehört Kapitänsbruder Rodrigo Messi. Was den hilfreichen Nebeneffekt einer Adoption durch den mächtigen Superstar hat.

Für Dortmund stehen beide erstmals gemeinsam im Kader. Was macht Valverde? Nach etlichen Auswärtsdebakeln, zuletzt 0:4 in Liverpool, hat Barca nicht nur seine Routinen geändert und das Abschlusstraining zu Hause abgehalten statt am Spielort. Es braucht gegen den Komplex in der Ferne auch gefährliche Angreifer.

Wo es bei Messi kaum für 90 Minuten reichen wird, wo Suárez auswärts in der Champions League zuletzt vor vier Jahren traf, wo Ousmane Dembélé verletzt ist, Griezmann bisweilen noch fremdelt und der 21-jährige Masia-Zögling Carles Pérez nicht die ganz große Durchschlagskraft hat – da spricht doch einiges dafür, weiter die Ansu-Welle zu reiten.