Fussball

Lichtblick Serge Gnabry, beleidigter Toni Kroos

Einzelkritik der DFB-Elf: Während Reus und Kroos enttäuschen, überzeugt neben Gnabry Halstenberg. Einer ist der Turm in der Schlacht.

Sorgte für gute Akzente: Serge Gnabry.

Sorgte für gute Akzente: Serge Gnabry.

Foto: Christian Charisius / dpa

Manuel Neuer: Sorgte mit der ersten Szene des Spiels dafür, dass der lauteste Männerchor der Insel nicht in totaler Ekstase verfiel. Wurde besonders in den ersten 45 Minuten häufiger gebraucht als es ihm vermutlich lieb war.

Lukas Klostermann: Dem RB-Außenverteidiger würde man nur zu gerne Flügel verleihen. Zeigte mehrfach, dass er wahrscheinlich den schlechtesten Abschluss aller Nationalspieler hat.

Niklas Süle: Stellte sich als Oberbefehlshaber der deutschen Defensive bravourös der besonders zu Beginn sehr aggressiven „green and white Army“ entgegen und nahm sich ab und an auch die künstlerische Freiheit, die Abteilung Attacke von hinten heraus zu orchestrieren.

Matthias Ginter (bis 40.): Konnte an der geplanten Operation Wiedergutmachung nur kurz mitwirken.

Jonathan Tah (ab 40.): War nicht einmal fünf Minuten auf dem Feld, ehe er sich und seinen 95-Kilogramm-Körper gegen die einschussbereiten Dallas und Washington entgegen schmeißen musste. Ansonsten: sehr solide.

Marcel Halstenberg: In Halbzeit eins ziemlich viel Leipziger Allerlei. Direkt zu Beginn von Halbzeit zwei dann mit einer ordentlichen Fleischzulage. Wurde nach seinem Tor immer mutiger.

Joshua Kimmich: Versuchte sich im ersten Durchgang mit aller Macht dem wilden Treiben entgegen zu stemmen. Später ein vergleichsweise ruhiger Stratege.

Toni Kroos: Wirkte bei jedem Körperkontakt tief beleidigt, was ihm auf der Insel nicht unbedingt zum beliebtesten Fußballer überhaupt machte.

Serge Gnabry: Picasso hatte zunächst seinen Pinsel vergessen. War aber später der Lichtblick im lange Zeit zu blassen Spiel der Deutschen – und schoss das späte 2:0.

Marco Reus: Durfte als Zehner ran, hatte aber viel zu viele Null-Momente. Aber sein Freistoß-Zuckerle hätte ein Tor verdient gehabt.

Emre Can (ab 85.): Sollte den knappen Sieg mit über die Zeit retten. Ein Satz, den man so nicht in Nordirland erwartet hätte.

Julian Brandt: Optisch der nord-irischte Deutsche. Fußballerisch irgendwo zwischen Brasilien und Färöer.

Timo Werner (bis 68.): Hätte in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit für die beruhigende Führung sorgen können. Doch gerade das raue Belfast ist kein Ort für einen zaghaften Konjunktiv.

Kai Havertz (ab 68.): Brauchte nur Sekunden, um zu zeigen, dass er deutlich mehr Minuten auf dem Platz verdient gehabt hätte.