Fussball

Joachim Löw schaut optimistisch auf die EM 2020

Der Bundestrainer spricht über die Aufbruchstimmung im Nationalteam, seine Fehler bei der WM 2018 und den Fußball der Zukunft.

Bundestrainer Joachim Löw hat eine klare Vorstellung von der zukünftigen Nationalmannschaft.

Bundestrainer Joachim Löw hat eine klare Vorstellung von der zukünftigen Nationalmannschaft.

Foto: Achim Keller / AKE

Freiburg.  Fußball-Bundestrainer Joachim Löw sieht die deutsche Nationalmannschaft auf einem guten Weg Richtung Europameisterschaft 2020.

„Man spürt eine Aufbruchstimmung, aber wir vermissen noch die Stabilität über einen langen Zeitraum“, sagte der 59-Jährige in einem Interview mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vor den beiden EM-Qualifikationsspielen am Freitag gegen die Niederlande in Hamburg und am Montag gegen Nordirland in Belfast (jeweils 20.45 Uhr/RTL).

Löw erkennt nach dem von ihm nach dem Abstieg aus der Nations League eingeleiteten Umbruch die erwünschten Fortschritte: „Die Jüngeren haben Lust, Verantwortung zu übernehmen. Sie sind talentiert, motiviert, lernwillig.“

„Wir waren zu langsam“

Mit Blick auf die EM habe er „schon klare Vorstellungen“ vom erweiterten Spielerkreis. „Es gibt ein Gerüst“, sagt er. „Wir brauchen eine gewisse Kontinuität, denn die Mannschaft muss sich ja auch einspielen.“

Der Bundestrainer blickt optimistisch nach vorn, aber auch selbstkritisch zurück. Die „knallharte Analyse“ nach dem frühen WM-K.o. vor einem Jahr habe ergeben, dass er gleich im Auftaktspiel gegen Mexiko „nicht so ein großes Risiko“ hätte gehen dürfen. „Das war fahrlässig, das kreide ich mir an.“

Auch das Ballbesitzspiel habe nach vielen guten Jahren nicht mehr funktioniert: „Es gab kein schnelles Umschalten mehr. Wir waren zu langsam.“

„Eins-gegen-eins-Spieler sind wichtig geworden“

Er habe nach der großen Enttäuschung und massiven Kritik nach Möglichkeiten gesucht, neue Impulse zu geben und neue Reize zu setzen. Neben personellen Veränderungen wie der „schmerzhaften Entscheidung“, die Nationalmannschafts-Karrieren von Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng für beendet zu erklären, habe er sich auch die Frage gestellt: „Wie sieht der Fußball der Zukunft aus, und wie sieht der Spieler der Zukunft aus?“

Dabei sei er auch zu der Erkenntnis gekommen, dass es „bei den kognitiven Fähigkeiten noch Steigerungspotenzial gibt“. Es gehe um „Handlungsschnelligkeit“ und darum, „richtige Entscheidungen“ zu treffen.

„Eins-gegen-eins-Spieler sind wichtig geworden“, betont Löw, „und wir haben Spieler, die das können.“ Es sei nämlich „nicht mehr so wie früher, dass Defensive Turniere gewinnt“. Löw ist sich sicher: „Wer Tore erzielt, gewinnt Turniere.“