Fußball

Pizarro geht auf Abschiedstournee

Claudia Pizarro ist eine Bundesliga-Legende. Dabei spielt er noch, bestreitet seine 20. Saison. Er sagt, es wird seine letzte. Definitiv.

472 Spiele bestritt er schon in der Bundesliga, 197 Tore erzielte er für Werder Bremen, Bayern München und den 1. FC Köln. Claudio Pizarro will aber auch mit 40 Jahren noch einmal angreifen.

472 Spiele bestritt er schon in der Bundesliga, 197 Tore erzielte er für Werder Bremen, Bayern München und den 1. FC Köln. Claudio Pizarro will aber auch mit 40 Jahren noch einmal angreifen.

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Bremen. Dirk Flock spielte 57 Mal in der Bundesliga, er erzielte dabei sogar ein Tor. Bekannt wurde Flock aber wegen einer Auswechslung. 28. August 1999, es lief die 58. Minute, Werder Bremen spielte bei Hertha BSC, Flock ging vom Platz. Es erschien Claudio Pizarro auf der Bundesliga-Bühne. Der Rest ist Fußball-Geschichte.

Eilts, Baumann, Bode haben längst aufgehört

Neben Pizarro standen damals auch Dieter Eilts, Frank Baumann und Marco Bode auf dem Platz. Bode (Aufsichtsratsvorsitzender) und Baumann (Sportchef) haben schon vor Jahren das Spielfeld gegen den Schreibtisch getauscht, und auch Eilts ist längst Fußball-Rentner. Nur Pizarro ist immer noch da. Der Peruaner spielt und spielt und spielt.

Doch in diesem Sommer ist alles anders. „Das ist das letzte Jahr, ganz sicher“, sagt Pizarro vor dem Bundesliga-Auftakt gegen Fortuna Düsseldorf (Samstag, 15.30 Uhr/Sky), „ich fühle mich ganz gut, aber das ist genug jetzt.“

Im Oktober wird Pizarro 41

Pizarro macht tatsächlich Schluss, eigentlich unvorstellbar. Doch am 3. Oktober wird das ewige Schlitzohr 41 Jahre alt. Nun beginnt also seine Abschiedstournee mit 34 Stationen. Am 16. Mai 2020 will sich Pizarro dann mit einem letzten großen Hurra in die verdiente Rente verabschieden. „In meiner letzten Saison mit Werder will ich Europa erreichen. Dann wäre ich ganz glücklich“, sagt Pizarro, vor zwei Jahrzehnten für 2,8 Millionen Mark von Alianza Lima an die Weser kam.

Damals konnte man noch nicht mit dem Euro zahlen, der Bundeskanzler hieß Gerhard Schröder. Und Pizarro begann seinen Aufstieg zu einem Phänomen. 472 Bundesliga-Spiele hat er mittlerweile bestritten, 197 Tore erzielt für Werder, Köln und Bayern München, sechs Deutsche Meisterschaften und sechs Triumphe im DFB-Pokal gefeiert. Längst ist er vor allem in Bremen wegen seiner sympathischen Art ein Wahrzeichen, einfach Kult. „Ich bin stolz darauf, dass sie mich Legende nennen“, sagt Pizarro, der erstaunlicherweise nie Torschützenkönig wurde.

Sein Trainer ist vier Jahre jünger als er

Mit diesem Titel wird es wohl auch in seiner Abschiedssaison nichts, Pizarro ist ein Mann für gewisse Minuten. Niemand hat in der Bundesliga-Geschichte mehr Jokertore (21) erzielt. Natürlich ist er nicht mehr so schnell wie früher, die Kraft lässt auch bei ihm nach. Aber Pizarro ist jemand, „an dem alle aufschauen und seine Erfahrung aufsaugen“, sagt sein Trainer Florian Kohfeldt, übrigens vier Jahre jünger als Pizarro: „Und wenn er auf das Feld kommt, kann er mit seiner herausragenden Qualität und seiner Ausstrahlung dem Spiel noch einmal einen entscheidenden Impuls verleihen.“

Längst ist Pizarro, der 2007/2008 ein kurzes Gastspiel beim FC Chelsea gab, der älteste Bundesliga-Torschütze, er könnte als sechster Spieler der Geschichte die 200-Tore-Schallmauer durchbrechen als erst neunter Feldspieler überhaupt 500 Bundesliga-Partien bestreiten. Doch eigentlich will Pizarro nur spielen. „Ich versuche, meinen Job zu machen und der Mannschaft so gut es geht zu helfen“, sagt er.

Kohfeldt wechselt ihn nie aus Mitleid ein

Wie bei seinem ersten Spiel 1999 wird Pizarro auch in seiner letzten Saison wieder oft von der Bank kommen. Doch „das größte Kompliment an ihn ist: Es ist nie ein Geschenk, wenn ich ihn einwechsle, sondern immer sportlich sinnvoll“, sagt Kohfeldt. Pizarro ist eben ein Stück Fußball-Geschichte.