Bundesliga

Bayern München und die Mission 50

Das Bayern-Ziel ist eine runde Sache: ihre ihre Titelsammlung auf 50 zu erhöhen. Doch die Konkurrenz wird stärker. Auch Auftaktgegner Hertha.

Applaus vor dem Start der Saison: Jerome Boateng (v.l.), Joshua Kimmich und Leon Goretzka wollen in knapp einem Jahr erneut Meister und Pokalsieger sein.

Applaus vor dem Start der Saison: Jerome Boateng (v.l.), Joshua Kimmich und Leon Goretzka wollen in knapp einem Jahr erneut Meister und Pokalsieger sein.

Foto: Stuart Franklin / Bongarts/Getty Images

München. Zu 50 Prozent hat der FC Bayern München die Schale sicher – sagt die Statistik. Seit Gründung der Bundesliga 1963 wurde die Meistertrophäe bisher 56 Mal ausgehändigt, davon 28 Mal an die Münchner. Der erste Triumph datiert aus dem Jahr 1932, somit stehen die Bayern bei 29 Titeln – und vor einer historischen Saison: Verteidigen sie das Double, winkt Schale Nummer 30, dazu der 20. Erfolg im DFB-Pokal. Ergibt Mission 50, ein Mix aus Auftrag und Verpflichtung.

„Die Meisterschaft wird nur über Bayern München entschieden“, lautet ein Ausspruch von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, den er vor Beginn jeder Saison wiederholt. „Vorige Saison war es das erste Mal wieder ein knapper Kampf“, so Rummenigge über den letztes Jahr neu erwachsenen Rivalen aus Dortmund, „wir sind an Konkurrenz interessiert und an Emotionalität.“ Dass der BVB explizit ausspricht, Meister werden zu wollen, kommt im Süden gut an. O-Ton Rummenigge: „So wissen wir vom ersten Spieltag an: Wir müssen konzentriert und gut spielen, damit wir auch im achten Jahr unseren Titel verteidigen können.“

Kein echter Plan B

Am Freitag (20.30 Uhr, ZDF und DAZN) wird die Jagd auf die Bayern eröffnet. Im Bundesliga-Auftaktspiel in der Allianz Arena fordert Hertha BSC die Münchner mitsamt Trainer Niko Kovac, der in seinem zweiten Jahr am eigenen Erfolg der Vorsaison gemessen wird und als Ziel ausgibt: „Wir wollen immer Meister werden, wollen das Double verteidigen, wissen aber, wie schwierig es wird.“ Was soll er auch sonst sagen? Für den Kroaten ist Dortmund der Hauptkonkurrent, aber auch Bayer Leverkusen und RB Leipzig seien zu beachten. „Die Konkurrenz hat sich gut verstärkt“, findet Kovac. Und der FC Bayern? Kämpft in diesem Transfersommer hauptsächlich mit sich selbst und nicht erfüllten Erwartungen und Hoffnungen.

„Wenn Sie wüssten, wen wir für die neue Saison schon sicher haben“, prahlte Präsident Uli Hoeneß im Frühjahr. Ein Rohrkrepierer. Seitdem war der Kübel Häme, der über die Bayern und den glücklosen Sportdirektor Hasan Salihamidzic ausgeschüttet wurde, reicher gefüllt als der Einkaufskorb. Wunschspieler Leroy Sané von Manchester City, um den man seit Mai irritierend öffentlich geworben hatte, riss sich während des sich anbahnenden Transfers das Kreuzband – Pech.

Einen echten Plan B schien es nicht zu geben für die Schaffung von Außenbahn-Alternativen zu den verletzungsanfälligen Kingsley Coman und Serge Gnabry. Wenigstens unterschrieb der Kroate Ivan Perisic (30) einen Leihvertrag über eine Saison, inklusive einer Kaufoption in Höhe von 20 Millionen Euro. Gegen Hertha ist er jedoch nicht spielberechtigt, sitzt eine Gelbsperre aus der vergangenen Saison der Serie A ab.

Kommt jetzt Mandzukic zurück?

Ist Perisic nur ein Notnagel? Schon, andererseits hat Bayern nun 120 Millionen Euro für drei Spieler ausgegeben, die im WM-Finale 2018 zwischen Frankreich und Kroatien standen: die Weltmeister Lucas Hernández (23 Jahre/80 Millionen Euro Ablöse) und Benjamin Pavard (23/35) sowie Perisic (30/5 Millionen Leihgebühr). Während der Vorbereitung hat Torjäger Robert Lewandowski, Bayerns Lebensversicherung und mittlerweile Vize-Kapitän, mehrmals vehement weitere Zugänge gefordert, die „uns sofort helfen können“. Der Kader ist in der Breite zu dünn, qualitativ und quantitativ. Die Oldies sorgen sich.

Auch Kapitän Manuel Neuer äußerte Zweifel an der internationalen Wettbewerbsfähigkeit – mittels seines Beraters. Nun sagt er: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir einen guten Kader haben werden.“ Die Hoffnung stirbt zuletzt – beziehungsweise am 2. September, dem Ende des Sommertransfer-Fensters.

Die Bayern haben also noch Zeit, (Weltstars) einzukaufen und damit ihr Image aufzupolieren. Der nächste Neue steht ante portas, wie Perisic ein Kroate: Mario Mandzukic (33), von Juventus Turin, der bereits von 2012 bis 2014 bei Bayern unter Vertrag war und weiß, wie man die Champions-League gewinnt (2013).

Kovac: „Viele im Team tun sich noch schwer“

Zunächst muss Kovac die Spielweise der Mannschaft aufhübschen und ihr nach dem Abschied von Innenverteidiger Mats Hummels sowie der Flügelspieler Arjen Robben und Franck Ribéry eine neue Hierarchie geben. Auf das 0:2 im Supercup gegen den BVB folgte ein glanzloses 3:1 in der ersten Pokal-Runde gegen Viertligist Energie Cottbus.

„Keiner weiß, wo er wirklich steht. Viele Mannschaften tun sich noch schwer“, sagte der gebürtige Berliner Kovac vor der Ouvertüre gegen Hertha, „ich erwarte ein enges, schwieriges Spiel.“ Nur Understatement? Nein. „Wir wissen, dass da noch viel Luft nach oben ist“, meinte David Alaba. Auf ihrer Mission 50 gilt: Die Luft ist ziemlich dünn in den Sphären, in die Bayern möchte.