Fussball

Deutschlands Frauenfußball sucht den Weg aus dem Tal

Der Weggang der Stars hat die Bundesliga unattraktiv gemacht. Nach der verkorksten WM setzt der DFB nun auf mehr Präsenz im Fernsehen.

Der VfL Wolfsburg dominiert die Bundesliga und hat entsprechend viel Grund zum Jubeln.

Der VfL Wolfsburg dominiert die Bundesliga und hat entsprechend viel Grund zum Jubeln.

Foto: Peter Steffen / dpa

Frankfurt/Main. Im Grunde glänzte nur die aufgestellte Meisterschale. Als der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Montag im kleinen Konferenzraum vor überschaubarem Publikum sein Konzept für die 30. Saison der Frauen-Bundesliga vorstellte, wirkte nicht nur das biedere Ambiente etwas angestaubt. Von Aufbruchstimmung als Folge der verkorksten WM-Endrunde und der heftigen Kritik im Anschluss war kaum etwas zu spüren.

44 Tage nach dem Aus der Nationalmannschaft im Viertelfinale und kurz vor dem Auftaktspiel am Freitag inspirierte nicht einmal der Name des neuen Ligasponsors (Flyeralarm) – der Auftritt der Protagonisten wirkte eher lethargisch. Immerhin dufte DFB-Direktorin Heike Ullrich verkünden, dass das Duell der Altmeister zwischen dem 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam (18.30 Uhr) live bei Eurosport zu sehen ist.

Zuletzt plätscherte alles dahin

Während Ullrich sich bemühte, die neuen TV-Verträge und die geplante Umstrukturierung als Erfolge zu verkaufen, legte immerhin Siegfried Dietrich den Finger in die Wunde. „So wie es vor sich hingeplätschert ist, ist es nicht der massive Weg nach vorne“, sagte der Manager des siebenmaligen Meisters aus Frankfurt: „Wir wollen aus der Senke herauskommen – was die Nationalmannschaften und die Bundesliga angeht. Wir brauchen Gesichter und Persönlichkeiten.“

Diese Persönlichkeiten hat die Liga zuletzt allerdings massiv verloren. Während England, Spanien, Frankreich und Italien in die Professionalisierung des Frauenfußballs investieren, scheint Deutschland den Anschluss zu verlieren. Ullrich sieht das anders. „Wir sind gut beraten, sehr differenziert den europäischen Markt zu beobachten“, äußerte die Direktorin: „Ich bin überzeugt, dass wir eine sportlich super-attraktive Liga haben – trotz der prominenten Abgänge ins Ausland.“

Weniger als 900 Besucher im Spiele-Durchschnitt

Für die Attraktivität soll unter anderem die neue TV-Präsenz sorgen. Freitagabends wird eine Partie live bei Eurosport übertragen. Zudem ist eine Begegnung am Samstag geplant, von der eine Zusammenfassung in der ARD-Sportschau laufen soll. Sonntags gibt es zwei Spiele bei der Telekom. Über das wahre Interesse ab der Liga kann das nicht hinwegtäuschen. Seit 2013/2014 sind die Zuschauerzahlen rückläufig, zuletzt kamen im Durchschnitt nur 833 Besucher.

Um die Liga voranzubringen, wird es zukünftig einen Ausschuss beim DFB geben. Erster Vorsitzender soll Dietrich werden. Er will zukünftig alle Topklubs unter dem Dach von Männer-Bundesligisten sehen und hofft auf einen dritten Startplatz in der Champions League.

Ein Ausschuss allein wird aber nicht reichen. Gerade zuletzt hatte Nationalspielerin Marina Hegering die mangelhafte Professionalisierung in der Breite bemängelt. Für Almuth Schult ist die Bundesliga „immer noch eine gute Liga – deshalb bin ich noch hier“. Dennoch schaut selbst die Nationaltorhüterin des professionell geführten Double-Gewinners VfL Wolfsburg etwas neidisch nach England: „Da wird die Infrastruktur der Männervereine genutzt.“

Peinliche PR-Panne

In Deutschland dagegen lief sogar die PR-Kampagne für die Liga schief. In Anlehnung an eine Vermisstenanzeige war in den sozialen Netzwerken ein Teamfoto in Schwarz-Weiß-Optik und dem Hinweis „Seit dem 29. Juni nicht mehr gesehen. Bitte teilen“ veröffentlicht worden, um Aufmerksamkeit zu generieren.

An dem Datum waren die Olympiasiegerinnen bei der WM in Frankreich ausgeschieden. Am selben Tag war aber auch die Schweizer Nationalspielerin Florijana Ismaili nach einem Badeunfall für vermisst erklärt worden, drei Tage später wurde ihre Leiche geborgen. „Es lag uns natürlich fern, Gefühle zu verletzten“, sagte Ullrich: „Es tut uns sehr leid.“