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Sanés Kreuzband-Anriss schockt nicht nur die Bayern

Der vom FC Bayern umworbene Leroy Sané hat sich einen Kreuzband-Anriss zugezogen. Holt der Rekordmeister den Nationalspieler trotzdem?

Leroy Sané liegt mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden.

Leroy Sané liegt mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden.

Foto: Frank Augstein / dpa

München. Die Schreckensnachricht erreichte die Bayern-Verantwortlichen am frühen Donnerstagnachmittag – ausgerechnet in ihrem Idyll am Tegernsee, während ihrer fünf Tage Landflucht an den Fuß des Wallbergs, dem zweiten Trainingslager während der Saison-Vorbereitung.

Leroy Sané, seit Wochen und Monaten das Objekt aller Transfer-Begierden des FC Bayern München hat sich laut Meldungen von „Bild“ und „Kicker“ tatsächlich einen Kreuzband-Anriss im rechten Knie zugezogen und muss operiert werden.

Er wird Monate fehlen. Die Vorrunde dürfte mindestens gelaufen sein für den 23-jährigen Flügelstürmer von Manchester City. Wie lange er wirklich ausfällt, wird man erst nach der noch nicht datierten Operation sagen können.

Leroy Sané verletzt sich beim Supercup

Für die Bayern ist es nicht mehr und weniger als: der Super-Gau, denn Nationalstürmer Sané hatte den Münchnern bereits zugesagt, man war sich weitestgehend über einen Fünfjahresvertrag einig. Der Linksfuß hätte nach der gerade beendeten Ära von Franck Ribéry und Arjen Robben das neue Gesicht des FC Bayern werden sollen. Für den Wechsel aus der Premier League in die Bundesliga war der Meister bereit, alle (Bundesliga-)Rekorde in Sachen Ablösesumme und Gehalt zu brechen.

Am Sonntag war Sané im „Community Shield“, dem englischen Supercup, gegen Liverpool (5:4 für City i.E.) bereits in der achten Minute nach einem Laufduell zu Boden gegangen. Sofort griff er sich unter Schmerzen ans Knie, nahm später jedoch mit einem Verband an der Siegerehrung teil – was Hoffnung machte.

Dass der seit Monaten heftig Umworbene von City-Trainer Pep Guardiola, von 2013 bis 2016 als Chefcoach an der Säbener Straße in der Verantwortung, überhaupt eingesetzt wurde, galt hinter vorgehaltener Hand als Affront. Kurz vor einem sich anbahnenden Transfer werden Spieler nicht mehr eingesetzt. Nun haben sie alle den Salat.

Leroy Sané wird auch Joachim Löw fehlen

Nicht zuletzt auch Joachim Löw. Sané ist eine der, wenn nicht sogar die wichtigste Personalie des Bundestrainers, wenn es um den Neuaufbau der Nationalmannschaft geht.

Der Offensivmann hievt – wie zuletzt im EM-Qualifikationsspiel in den Niederlanden (3:2) bewiesen – das DFB-Team aus seiner fußballerischen Eindimensionalität und versteht es dadurch auch, die Mannschaft mitzureißen.

Nun wird er aller Voraussicht nach in den fünf restlichen EM-Qualifikationsspielen des Herbstes fehlen.

Holen die Bayern Leroy Sané dennoch?

Schnell war es gestern vorbei mit der Ruhe am Tegernsee – obwohl: Nun hat man endlich Gewissheit und kann beraten, welche Entscheidung die klügste ist. Steigen sie aus dem Poker aus oder verpflichten sie den Reha-Patienten nach dem Motto: jetzt erst recht?

Einiges spräche dafür. Wenn Sané eine Ära über mindestens fünf Jahre prägen soll, warum könnte man dann nicht einige Monate warten? Bayern hatte sich auf Sané versteift, ein Rückzieher müsste nun durch eine weiterführende medizinische Untersuchung – falls Manchester City das gestattet – und ein daraus resultierendes negatives Fachurteil begründet werden.

Im Fall von Lucas Hernández (23), der sich im Frühjahr einer Knie-Operation unterziehen musste und erst am Dienstag vorsichtig ins Mannschaftstraining eingestiegen war, hatte man nach einem erneuten Medizincheck durch Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt entschieden: Wir kaufen Hernández trotzdem – so wurde der Franzose mit 80 Millionen Euro Ablöse an Atlético Madrid der teuerste Import der Bundesliga.

Manchester City fordert 150 Millionen Euro

Sané, der jetzt etwas günstiger als die im Raum stehenden knapp 150 Millionen Euro werden könnte, sollte der neue Rekordtransfer werden. Bayern kann trotz der Hiobsbotschaft besser pokern, die Ablöse drücken. Denn City fehlt Sané nun auch bis zur Jahreswende. Und: Im Transferfenster Januar kann der englische Meister ja wieder einkaufen.

Andererseits: Sané kann Bayern nun nicht sofort helfen. Als ad-hoc-Alternative zu den Flügelstürmern Kingsley Coman und Serge Gnabry, die als verletzungsanfällig gelten, bleiben Hakim Ziyech von Ajax Amsterdam, der allerdings mit den Holländern noch bis Ende des Monats in der Champions-League-Qualifikation im Einsatz ist, Steven Bergwijn (PSV Eindhoven) und Philippe Coutinho (FC Barcelona).

Ein offizielles Statement von Bayern oder City steht weiterhin aus. Bayern-Präsident Uli Hoeneß war vor Bekanntwerden der Sané-Diagnose kurz angebunden, sagte: „Wir werden Fakten bekannt geben.“ Ob er zuversichtlich sei? Hoeneß’ Antwort: „Tschüss!“