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Lewandowski schlägt Alarm: „Brauchen Top-Transfers“

Der Stürmerstar sieht dringenden Handlungsbedarf und bittet die Klubführung der Münchner, die Mannschaft deutlich zu verstärken.

Bad in der Menge: Robert Lewandowski ist ein beliebtes Fotomotiv bei den Bayern-Fans in den USA.

Bad in der Menge: Robert Lewandowski ist ein beliebtes Fotomotiv bei den Bayern-Fans in den USA.

Foto: Alexander Hassenstein / Bongarts/Getty Images

Los Angeles. Es ist ein anderer Robert Lewandowski, der einem dieser Tage in Kalifornien auf der US-Audi-Sommertour der Bayern begegnet. Offen, kommunikativ, noch selbstbewusster, noch selbstsicherer. Von Trainer Niko Kovac wurde er bereits vergangene Saison mit Thomas Müller zum Vize-Kapitän hinter Manuel Neuer bestimmt. Nach dem Abschied der Führungsspieler Mats Hummels, Franck Ribéry und Arjen Robben, alle altersmäßig in der Ü30-Liga, stieg sein Stellenwert in der Mannschaftshierarchie. Der Mann hat also gut reden – und gut lachen.

Dass der Vertrag des Mittelstürmers demnächst über 2021 hinaus um zwei weitere Jahre verlängert werden soll, ist nur noch Formsache. „Wir sind in Gesprächen. Wie lange das dauert, weiß ich nicht“, sagte der Pole vor einer öffentlichen Trainingseinheit im „Dignity Health Sports Park“, der Heimstätte des MLS-Teams LA Galaxy in Carson. Lewandowski betonte ganz entspannt: „Aber wir sind auf einem guten Weg. Ich fühle mich sehr wohl in München. Wir müssen noch ein paar Dinge besprechen, es hängt ja nicht nur von mir ab.“ Kleinigkeiten.

Der Stürmer fühlt sich viel jünger, als er ist

Nicht nur. Denn Lewandowski will Planungssicherheit. Nicht, was sein Gehalt und seine eigene Zukunft betrifft – die ist sicher. „Ich bin bald 31 Jahre alt, aber ich fühle mich nicht wie 31 – eher ein paar Jahre jünger“, sagte Bayerns Mr. Body, über den Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge ausführte: „Sein Körper erinnert mich an den von Arnold Schwarzenegger in dessen besten Zeiten.“ An sein Karriere-Ende will Lewandowski noch nicht denken, eher an die unmittelbare Zukunft: die nächsten knapp sieben Wochen bis zum Ende des Transferfensters, das in Deutschland am 2. September schließt. Lewandowski fordert dringend Verstärkungen.

„Es ist nicht optimal, dass wir so wenige Profis im Kader haben. Ich denke, dass nicht nur ich, sondern alle Spieler auf die Transfers warten“, betonte der Toptorjäger der Bundesliga am Tag vor dem ersten Testspiel in der Vorbereitung gegen den FC Arsenal (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht angepfiffen).

Wunsch nach neuen Top-Spielern

Er richtete einen dringenden Appell an Sport- und Transferdirektor Hasan Salihamidzic plus den Vorstand: „Ich hoffe, dass der Vorstand und die Leute, die daran arbeiten, uns als Mannschaft verstärken. Nicht nur mit jungen Spielern, sondern auch mit Spielern, die uns sofort auf Top-Niveau helfen können. Das ist klar unser Wunsch, und ich hoffe, dass das in den nächsten Tagen passiert.“ Es sei „wichtig für die Konkurrenz im Training und um die Qualität zu steigern“, so Lewandowski. Auf der US-Tour sind lediglich 18 Profis dabei (Zugang Lucas Hernández absolviert seine Reha in München), plus acht A-Jugendliche.

Auch deshalb macht Lewandowski Druck. „Wenn du auf Topniveau spielen willst und daran denkst, alle Titel zu gewinnen, brauchst du auch Verstärkungen.“ Weitere Stars müssen her, denn „sonst wird es schwierig, um große Titel zu spielen“, so Lewandowski, in dessen Augen die Bayern „in den letzten zwei Jahren keine großen Transfers getätigt haben“. Er schob ein „jetzt schon“ hinterher und meinte die französischen Weltmeister Benjamin Pavard und 80-Millionen-Euro-Mann Hernández.

Rummenigge betont die Stärke der Abwehr

Lewandowski denkt vor allem an die fehlenden Verstärkungen in der Offensive nach dem Abgang der Flügelhelden Ribéry und Robben. Auch James Rodríguez, der nach zwei Jahren Leihe von Real Madrid nicht fest verpflichtet wurde, dürfte dem 30-Jährigen als Vorlagengeber – zumindest an guten Tagen war er das – fehlen. Auch deshalb schlägt der Pole Alarm.

Zuletzt hatte bereits Kapitän Neuer via Thomas Kroth, seinem Berater, aufhorchen lassen. Dieser hatte den aktuellen Kader der Bayern als nicht konkurrenzfähig im Vergleich mit den englischen Topteams bezeichnet. Kroth, dessen Meinung die Bayern-Bosse als „rein privat“ einstuften, sagte über den Nationaltorwart: „Wenn er merkt, der FC Bayern klotzt ran, dann wird er noch mal richtig aufblühen.“

Karl-Heinz Rummenigge ist trotz aller Kritik aber mit dem Kader zufrieden. Die Bayern hätten „eine gute Mannschaft. Vor allem, was die Abwehr betrifft, sehe ich in Europa wenig Besseres“, sagte der Vorstandschef. Dennoch ist Salihamidzic in München geblieben und schaut, wie sich auch die Offensive noch verstärken lässt.