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Griezmann in Barcelona – folgt jetzt Neymar?

Antoine Griezmann wechselt zum FC Barcelona. Er unterschreibt einen Vertrag bis 2024. Nun will Barça noch Neymar zurückholen.

Antoine Griezmann zieht das Atlético-Trikot aus und wechselt für 120 Millionen Euro Ablösesumme zum FC Barcelona.

Antoine Griezmann zieht das Atlético-Trikot aus und wechselt für 120 Millionen Euro Ablösesumme zum FC Barcelona.

Foto: Manu Fernandez / dpa

Barcelona.. Das letzte Kapitel einer monatelangen Seifenoper begann am Mittag mit der Ankunft eines legeren Rechtsanwalts am Sitz der spanischen Fußball-Liga. Offener Hemdknopf, weißer Rollkoffer, braune Aktentasche – und 120 Millionen Euro: Auf die kam es an, die hatte der Mann dabei, und so ging dann ganz plötzlich schnell, was sich zuvor ewig hingezogen hatte. Die Liga beglaubigte den Eingang der Summe, die der vertraglich festgelegten Ausstiegsklausel Griezmanns bei Atlético Madrid entsprach. Um 15.11 Uhr meldete sein neuer Klub Vollzug: Ab sofort ist er Spieler des FC Barcelona. Ausgestattet mit einem Fünfjahresvertrag und einer Ausstiegsklausel über 800 Mio. Euro.

Griezmann will große Vereinstitel gewinnen

Für den französischen Weltmeister von 2018 und Dritten bei der vergangenen Wahl zu Europas Fußballer des Jahres ist es die dritte Profistation seiner Karriere nach Real Sociedad San Sebastián und Atlético. Im Alter von 27 Jahren motiviert ihn vor allem die Aussicht auf große Vereinstitel wie die spanische Meisterschaft und die Champions League, die er bisher nicht gewinnen konnte. Schon vergangenen Sommer stand er kurz vor einem Wechsel nach Katalonien – machte dann aber einen Rückzieher. Weil er diesen in einem halbstündigen Dokumentarvideo inszenierte und damit viele in Barcelona verärgerte, erwartet ihn von seinen neuen Anhängern nicht nur Beifall.

Am Sonntag wird Griezmann mit den übrigen Kollegen in die Saisonvorbereitung starten, womit also ein Handlungsstrang des katalanischen Sommerbasars gerade noch pünktlich aufgelöst wäre. Nach Mittelfeldspieler Frenkie de Jong (75 Mio., Ajax Amsterdam) ist Griezmann der zweite hochkarätige Zugang im Messi-Klub. Während bei Matthijs de Ligt (ebenfalls Ajax) wegen dessen Flirt mit Juventus Turin nur noch Restchancen bestehen, wird es aber trotzdem nicht langweilig.

Warten auf den König der Telenovela

Es gibt ja noch den König der Telenovela, einen, der erst vor zwei Jahren sowohl Barcelona als auch Paris St. Germain in Aufruhr hielt. Damals wechselte er für die Rekordsumme von 222 Millionen Euro von Spanien nach Frankreich. Nun will Neymar Júnior den umgekehrten Weg gehen. Das hat zuletzt auch Paris’ neuer Manager Leonardo öffentlich eingeräumt.

Am Montag wird Neymar nach Aussage seines Vaters wieder in Paris aufschlagen. Eine Woche, nachdem er vom Verein einbestellt war: Ihn erwartet ein Disziplinarverfahren und also die nächste Eskalationsstufe eines Zerwürfnisses, das schon greifbar wurde, als PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi vorigen Monat kaum verhohlen den Übergang von Neymar auf Kylian Mbappé als Kopf des Pariser Projekts verkündete. Auch Leonardo macht auf klare Kante. „Neymar kann gehen, wenn es ein Angebot gibt, das uns alle überzeugt“, sagte er dieser Tage. Bisher liege allerdings noch keine solche Offerte vor.

Neymar hat den PSG in der Hand

Bei aller Rhetorik und so widersinnig es nach Monaten von Verletzungen und Verfehlungen klingen mag: Letztlich hat Neymar den PSG in der Hand. In der aktuellen Grauzone fehlt dem Verein jede Planungssicherheit – ein Team mit oder ohne Neymar ist dann doch ein erheblicher Unterschied. Bleibt es beim Konfrontationskurs, sinkt zudem sein Transferwert immer weiter unter die 222 Millionen von 2017. Genau darauf spekuliert Barcelona; es kann ihn sich sonst gar nicht leisten.

Ursprünglich hatte es ja nicht mal an ihn gedacht. Zu turbulent war die eigene Erfahrung mit Neymar, zu bitter der Nachgeschmack seines Wechsels nach Paris, als er den Verein wochenlang hinhielt und sogar noch die Auszahlung eines Treuebonus von 26 Millionen Euro forderte. Zu wenig plausibel schien außerdem das Szenario einer Rückkehr.

Coutinho und Dembélé als Tauschware?

Als es nicht zuletzt dank Neymars Fürsprecher Messi plötzlich realistisch wurde, war die Verpflichtung von Griezmann längst abgesprochen. Sowohl wegen des potenziellen Überangebots von Offensivstars als auch wegen einer explodierenden Payroll gibt es im Prinzip nur einen möglichen Weg, Neymar unterzubringen – wenn die an seiner Stelle gekauften Philippe Coutinho und Ousmane Dembélé den Klub wieder verlassen.

Paris hat einem möglichen Spielertausch bisher zumindest keine Absage erteilt. Aber ganz ist noch nicht einmal das Theater um Griezmann vorbei. Atlético hat kurz nach Bekanntgabe des Wechsels gegen den Transfer protestiert. Der Spieler und Barca seien sich bereits über den Wechsel einig geworden, als die Ausstiegsklausel noch 200 Millionen Euro betragen habe. Diese war am 1. Juli auf 120 Millionen Euro gefallen. Vielleicht muss der Rechtsanwalt noch mal sein Köfferchen packen.