Fussball

Götzes Traumtor bleibt für immer

Vor fünf Jahren schoss Mario Götze Deutschland gegen Argentinien zum WM-Titel. Danach verlief seine Karriere wie eine Achterbahnfahrt.

Ezequiel Garay (l.), Martin Demichelis (oben) und Torwart Sergio Romero können Mario Götze nicht stoppen, der mit einer technischen Meisterleistung Deutschland gegen Argentinien zum WM-Titel schoss.

Ezequiel Garay (l.), Martin Demichelis (oben) und Torwart Sergio Romero können Mario Götze nicht stoppen, der mit einer technischen Meisterleistung Deutschland gegen Argentinien zum WM-Titel schoss.

Foto: Herbert Rudel / pa / Pressefoto Rudel

Köln. Der Auftrag von Joachim Löw an Mario Götze war eindeutig. „Zeige der Welt, dass du besser bist als Messi“, flüsterte der Bundestrainer seinem Joker bei dessen Einwechslung in der 88. Minute im WM-Finale 2014 gegen Argentinien ins Ohr. Götze beherzigte die Worte seines Chefs und schoss die deutsche Nationalmannschaft im Fußball-Tempel Maracana in Rio de Janeiro in der 113. Minute mit einem Traumtor zum vierten Stern – und Superstar Messi ins Tal der Tränen.

Götzes Moment für die Ewigkeit

Es war ein Moment für die Ewigkeit. Götzes Name wird in den Fußball-Geschichtsbüchern für immer in einem Atemzug mit den drei vorherigen Final-Siegtorschützen Helmut Rahn (1954), Gerd Müller (1974) und Andreas Brehme (1990) genannt werden. „In Brasilien gegen Argentinien zu treffen, zu diesem Zeitpunkt und wie dann alles gelaufen ist – ich glaube, wenn man sich einen solchen Moment ausmalen könnte, man könnte es nicht besser tun. Das Tor wird mir immer bleiben“, sagte Götze über seinen Treffer am 13. Juli 2014 auf Vorlage des ebenfalls eingewechselten Andre Schürrle.

Doch der historische Moment war für den heute 27-Jährigen auch eine Belastung. Nach solch einem „riesigen Erfolg“ sei es „nicht so leicht gewesen, alles zu verarbeiten“, betonte er. Statt endgültig in die absolute Weltspitze zu Messi oder Cristiano Ronaldo aufzuschließen, entwickelte sich Götzes Karriere zu einer Achterbahnfahrt.

Vor dem Finale völlig deprimiert

Schon die WM in Brasilien verlief für den damaligen Münchner alles andere als wunschgemäß. „Die Leute vergessen, wie beschissen dieses Turnier für mich bis zum Schluss war“, schrieb der Offensivspieler von Borussia Dortmund zuletzt in einem Gastbeitrag für die Internet-Plattform „The Players Tribune“. Götze gehörte nicht zur Stammformation, vor dem Finale sei er daher „wirklich deprimiert“ gewesen.

Auch nach seiner Heldentat gegen die Argentinier ging es nicht bergauf, in München reichte es unter Startrainer Pep Guardiola nicht zum Stammplatz. Trotz zahlreicher Titel kehrte Götze 2016 zum BVB zurück. Aber auch in seiner Heimat tat er sich teilweise schwer. Eine Stoffwechselerkrankung zwang ihn zu einer längeren Pause.

Letzter Auftritt im DFB-Trikot 2017

„Einige der größten Momente, die ich im Fußball erlebt habe, sind direkt nach den dunkelsten gekommen. Umgekehrt ist es genauso. Ich war ein Judas, dann ein Held, dann eine Enttäuschung, dann war ich fast raus aus dem Fußball. Das alles in nur vier Jahren“, sagte Götze rückblickend.

In der Nationalmannschaft spielt Götze derzeit keine Rolle, sein letzter Einsatz im DFB-Trikot erfolgte im November 2017. Löw hat seinen WM-Helden zwar noch nicht komplett abgeschrieben, doch die Konkurrenz in der Offensive ist groß. Mit dem Tempo von Leroy Sané, Timo Werner oder Serge Gnabry kann Götze nicht mithalten. Dennoch machte Löw ihm zuletzt Hoffnung. Götze wirke „dynamisch“, sagte er. Wenn er so weitermache, „wird er zurückkommen“.

Dortmund will ihm weniger zahlen

Seine Leistungen in der Rückrunde der vergangenen Saison dienen als Mutmacher. Die Verantwortlichen in Dortmund würden seinen 2020 auslaufenden Vertrag gern verlängern, allerdings zu geringeren Bezügen. Götze will es auch ihnen beweisen. So wie er vor fünf Jahren der Welt bewiesen hat, dass er besser ist als Messi – zumindest in der Verlängerung des WM-Endspiels.