Fussball

Jetzt Klarheit bei Streitthema: Hand vor einem Tor ist Hand!

Zur neuen Saison sind bei den Aufregerthemen Handspiel und Videobeweis Neuerungen geplant. Davon haben auch die TV-Zuschauer etwas.

Immer wieder Aufregerthema: Hand oder nicht Hand, Absicht oder nicht. Wie hier beim Zweikampf zwischen Bremens Ex-Herthaner Sebastian Langkamp (r.) und Leipzigs Yussuf Poulsen soll es zur neuen Saison einheitliche Bewertungen geben.

Immer wieder Aufregerthema: Hand oder nicht Hand, Absicht oder nicht. Wie hier beim Zweikampf zwischen Bremens Ex-Herthaner Sebastian Langkamp (r.) und Leipzigs Yussuf Poulsen soll es zur neuen Saison einheitliche Bewertungen geben.

Foto: Jan Woitas / dpa

Frankfurt. Entspannungs-Übung beim Aufreger-Thema: Die Schiedsrichter-Abteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) will die Diskussionen um die Auslegungen der Handspiel-Regeln gemeinsam mit den Profiklubs entschärfen.

„Wir sind dabei, eine Vereinbarung zu treffen, um auch hier eine größtmögliche Einheitlichkeit zu erreichen“, sagte DFB-Videochef Jochen Drees der „Sport Bild“.

Konkret wurden 40 „relevante Handspiel-Situationen“ an die Vereine übermittelt. Die Trainer und Spieler sollen die Szenen bewerten. „Am 22. Juli und 5. August stehen zwei Workshops mit den Klubs der 2. Liga und der Bundesliga an“, äußerte Drees: „Dort wollen wir über die Ergebnisse diskutieren, um eine verbesserte Vereinheitlichung bei der Bewertung gewisser Handspiel-Situationen von allen Beteiligten zu erreichen.“

Weiter Interpretations-Spielraum für Schiedsrichter

Trotz dieser Vereinheitlichungs-Versuche wird es weiterhin einen Interpretations-Spielraum für die Unparteiischen geben, wenn es um Handelfmeter geht.

Anders sieht das bei Handspielen vor einem Tor aus. Die sind künftig in jedem Fall abzupfeifen - egal, ob Absicht oder nicht.

„Dadurch gibt es in diesem Teilbereich eine klare Schwarz-Weiß-Trennung“, betonte Drees: „Das macht es viel einfacher für die Schiedsrichter. Da wird es künftig sicher keine Diskussionen mehr geben.“

Das gilt für den Videobeweis sicher nicht. In diesem Bereich wird es wesentlich mehr Veränderungen als „nur“ die Einführung in der 2. Liga geben. So sollen die TV-Bilder aus dem „Kölner Keller“ besser werden. Unter anderem werden die Video-Assistenten deutlicher zu erkennen sein, weil sie von der Seite anstatt von hinten gefilmt werden.

Mehr Transparenz für TV-Zuschauer

Der TV-Zuschauer kann zudem auf mehr Transparenz hoffen. Parallel zum Aufenthalt des Schiedsrichters in der „Review-Area“ könnte es laut Drees einen „Split-Screen“ auf dem Bildschirm geben.

„Wenn der TV-Zuschauer weiß, anhand welcher durch den Video-Assistenten bereitgestellten Bilder der Schiedsrichter eine finale Entscheidung getroffen hat, steigert das die Transparenz und Akzeptanz sicher weiter“, sagte Drees.

Diesen Effekt hätte auch eine verkürzte Entscheidungs-Dauer. Deshalb experimentieren die Referees mit zwei Piloten, die einen kurzen sowie klaren Funkkontakt zwischen Schiedsrichtern und Video-Assistenten implementieren sollen. Auch die Veröffentlichung einer kompletten Funk-Kommunikation pro Spieltag ist im Gespräch.

Streitthema Videobeweis im Stadion

Nach wie vor ohne konkrete Antwort bleibt die Frage, ob die strittigen Szenen und das Videobeweis-Prozedere auch im Stadion gezeigt werden kann. Drees macht zur Bedingung, dass in allen Arenen „gleiche Voraussetzungen herrschen“. Das betrifft die Qualität der Videowände und den Zugriff darauf.

Als Vorbild dient das Vorgehen des Weltverbands Fifa bei der WM-Endrunde 2018.„Die Videowände gehören den Stadionbetreibern“, erklärte Drees: „Wenn wir, wie beispielsweise die FIFA bei der WM in Russland, einen direkten Zugriff auf die Videowände hätten, wäre es einfacher. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir alles versuchen müssen, um das hinzubekommen.“

Hinbekommen wollen die US-Amerikaner als erste, dass der Schiedsrichter analog zum American Football seine Entscheidung als Folge des Videobeweises per Lautsprecher im Stadion erklärt. Einen entsprechenden Antrag für eine Testphase haben die Amerikaner bei den Regelhütern des International Football Association Board (Ifab) gestellt.

Bisher lehnt das Ifab diese Idee ab. Falls diese Haltung überdacht wird, steht Drees einer Einführung in Deutschland positiv gegenüber.