FC Bayern

Hoeneß und sein Geschwätz von gestern

Bayern-Präsident Hoeneß ist genervt von Fragen nach Verstärkungen. Dabei hat er die Erwartungen auf große Transfers selbst geschürt.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat Erwartungen geweckt.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat Erwartungen geweckt.

Foto: Alexander Hassenstein / Bongarts/Getty Images

Berlin. Was für Politiker gilt, kann für Uli Hoeneß nicht falsch sein. Warum sollte der Präsident des FC Bayern München nicht auch nach dem Motto handeln: Was schert mich mein Geschwätz von gestern? Entsprechend genervt reagierte Hoeneß, als er mit jenem Satz von Ende Februar konfrontiert wurde, mit dem er bis zum Ende der Transferperiode am 2. September konfrontiert werden wird.

„Wenn Sie wüssten, wen wir schon alles sicher haben für die neue Saison“, hatte der Klubchef getönt. Nun, vier Monate später, ist er nur noch genervt davon, „dass man sich nur noch über Käufe definiert“. Am 15. August, so versicherte Hoeneß, stehe eine gute Mannschaft auf dem Platz.

Eine, die in der Bundesliga um die achte Meisterschaft in Folge spielen kann, mit Sicherheit. Aber auch eine, die in der Champions League neue Titelträume schüren kann? Das darf bezweifelt werden. Fakt ist: Die Erwartungen, die Hoeneß mit seiner Aussage geschürt hat, wird er erfüllen müssen.

Hernandez, Pavard – und dann?

Denn nach einer Saison, die zunächst nicht, dann urplötzlich doch unter dem Schild Umbruchjahr lief, muss eine Spielzeit her, die vor allem spielerisch Aufbruchstimmung erzeugt. Die Münchner Fußball zeigt, der sich auch wieder mit den Großen des Kontinents messen lassen kann, wie Champions-League-Sieger FC Liverpool zum Beispiel, Manchester City oder den FC Barcelona.

Davon ist bislang wenig zu sehen. Mit Lucas Hernandez wurde ein französischer Weltmeister-Verteidiger von Atlético Madrid verpflichtet, für 80 Millionen Euro, frisch operiertes Knie inklusive. Der Wechsel von Abwehrmann Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart (35 Millionen Euro Ablöse) stand schon im Januar fest, Wochen vor Hoeneß’ Ankündigung. Und Fiete Arp vom Zweitligisten Hamburger SV (drei Millionen Euro) kann nur als Ergänzungsspieler angesehen werden.

Dem stehen die Abgänge von Arjen Robben, Franck Ribéry, Rafinha, James Rodríguez und Mats Hummels gegenüber. Und Renato Sanches verkündete erneut, dass er in der neuen Saison lieber woanders spielen als beim FC Bayern auf der Bank sitzen würde.

Hummels hat um Wechsel gebeten

Im Fall Hummels entsprachen die Bayern der Bitte des Spielers, wie Hoeneß verriet: „Mats hat darum gebeten, dass er freigegeben wird, und daraufhin hat der FC Bayern die Gespräche aufgenommen. Das war ein ausdrücklicher Wunsch von Mats Hummels und seinem Vater. Und nachdem wir sehr viele Innenverteidiger haben, ist diese Entscheidung, glaube ich, total richtig, obwohl Mats eine sehr gute Rückrunde gespielt hat.“

Also, wo sind die Spieler, die eine Aufbruchstimmung erzeugen? Leroy Sané (23) wäre jemand. Doch der Nationalspieler hatte gerade erst wissen lassen, lieber in England bleiben zu wollen.

Wäre ein Transfer des schnellen Offensivmannes von Manchester City überhaupt machbar für die Bayern? Offenbar steht eine Ablösesumme von 100 Millionen Euro im Raum. „Wenn er will, geht das schon“, sagte Hoeneß am Rande der Meisterfeier der Bayern-Basketballer. Eine Verpflichtung Sanés wäre auch ein Signal an die europäische Konkurrenz, dass die Bayern einen neuen, ernsthaften Anlauf auf den europäischen Thron nehmen wollen.

Talent Kabak bei Bayern im Gespräch

Im Gespräch ist auch Ozan Kabak vom Absteiger VfB Stuttgart. Der 19 Jahre alte Verteidiger kann die Stuttgarter offenbar für eine festgeschriebene Ablösesumme von 15 Millionen Euro verlassen. Angeblich soll Kabaks Berater bereits intensive Gespräche mit Klubs aus ganz Europa geführt haben, darunter Manchester United oder der AC Mailand.

Und: Wo ist der Trainer, der die neue Bayern-Mannschaft auf das neue Niveau hievt? Niko Kovac ist diesen Beweis trotz Double-Gewinns schuldig geblieben. Auf „ausdrücklichen Wunsch“ Kovacs haben die Bayern nun Hansi Flick für den Trainerstab verpflichtet.

Flick, Co-Trainer von Bundestrainer Joachim Löw beim WM-Triumph 2014, zu holen, sei eine sehr gute Entscheidung, so Hoeneß: „Weil wir einen Mann brauchen, der mit der Jugend arbeitet und der integriert.“