U21-EM

Waldschmidt auf den Spuren von Müller und Co.

| Lesedauer: 3 Minuten
Christian Hoch
Luca Waldschmidt erzielte bereits vier Treffer für die deutsche U21

Luca Waldschmidt erzielte bereits vier Treffer für die deutsche U21

Foto: Alessandro Sabattini / Getty Images

Die Angreifer Luca Waldschmidt und Marco Richter erzielen sieben von neun deutschen Toren. Und setzen damit eine Diskussion in Gang.

Triest. Belo Horizonte in Brasilien. Jahr 2014. Ein gewisser Miroslav Klose hatte gerade im WM-Halbfinale 2014 das 2:0 gegen Brasilien geschossen und sich mit seinem 16. Treffer bei einer Weltmeisterschaft unsterblich gemacht. Bei der Frage nach dem größten deutschen Stürmer überhaupt fällt der Name Klose im selben Atemzug wie die von Gerd Müller, Oliver Bierhoff oder Horst Hrubesch.

Fast fünf Jahre später macht nun ein Stürmer bei der U21-Europameisterschaft in Italien und San Marino auf sich aufmerksam, der zwar mit all diesen Namen verglichen wird, ihnen eigentlich aber überhaupt nicht ähnelt.

Luca Waldschmidt. Der 23-Jährige hat nach zwei Spielen bei der U21-EM schon vier Tore geschossen, beim zweiten Gruppenspiel gegen Serbien war er mit einem Dreierpack der Spieler des Spiels. Der Freiburger ist zwar auf dem Aufstellungsbogen als Stoßstürmer aufgeführt, doch immer wieder lässt er sich während des Spiels tief fallen oder weicht auf die Außenbahnen aus. Nach Klose ist bisher keine echte „Nummer neun“ nachgekommen. Doch braucht Deutschland in Zukunft die überhaupt noch?

Bundestrainer Kuntz verzichtete auf Vollblutstürmer

Diese Frage ist zwar nicht ganz neu, auch Bundestrainer Joachim Löw lässt zum Beispiel bei der A-Elf oft mit einer „falschen Neun“ spielen, doch die Antworten in der Vergangenheit verschieden. Nach dem 6:1-Kantersieg gegen die serbische Mannschaft ließ U21-Trainer Stefan Kuntz einen Satz fast schon beiläufig fallen: „Einen Spielertypen wie Horst Hrubesch sehe ich tatsächlich nicht mehr im deutschen Nachwuchs.“

Kuntz muss es wissen, erzielte er als aktiver Fußballspieler immerhin 179 Tore in der Bundesliga. Und auch er verzichtete vor dem Turnier auf das Modell mit einem Vollblutstürmer vorne.

„Wenn man den nicht hat, dann muss man halt anders spielen. Mit Davie Selke hatten wir bei der EM 2017 zwar eine andere Idee, jetzt geht es für uns aber mehr darum, die richtigen Räume anzulaufen, schnell zu spielen und relativ Bewegung vorne haben“, beschrieb Kuntz das gewünschte Anforderungsprofil für die eigene Offensive.

Waldschmidt und Richter erzielten sieben von neun Toren

Natürlich wäre Kuntz dieses Vorgehen negativ ausgelegt worden, wenn die deutsche Mannschaft die ersten beiden Spiele verloren hätte. Doch die Erfolge über Dänemark (3:1) und Serbien sowie die Torquote seiner Offensivmänner geben ihm schon jetzt recht.

Sieben der bisherigen neun Turniertore der DFB-Elf gehen auf das Konto von Marco Richter und Luca Waldschmidt. Als Alternativen stehen offensiv noch Nadiem Amiri, Johannes Eggestein oder Lukas Nmecha bereit. Das sind zwar andere Namen als Müller, Bierhoff oder Klose, was für Trainer Kuntz aber keine Aussagekraft über deren Stärken hat: „Die Qualität von deutschen Nachwuchsstürmern ist da. Es ist wirklich toll, dass wir in allen Mannschaftsteilen top besetzt sind, aber der Klebstoff für all diese Teile ist unser Teamgeist.“

Beim abschließenden Gruppenspiel gegen EM-Neuling Österreich (Sonntag, 21 Uhr, ZDF) wollen die deutschen Stürmer um Luca Waldschmidt und Marco Richter ihr Torkonto weiter ausbauen. Ein Unentschieden gegen den Nachbarn würde reichen, um als Gruppenerster sicher in das Halbfinale der EM einzuziehen, was gleichbedeutend mit der Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio wäre. Die Kuntz-Elf will trotzdem voll auf Sieg spielen: „Anders können wir auch einfach nicht.“