Borussia Dortmund

Hans-Joachim Watzke: „Ich bin eher der Typ Grübler“

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Peter Müller
Stets kämpferisch: Hans-Joachim Watzke rettete Borussia Dortmund im Jahr 2005 vor der Insolvenz.

Stets kämpferisch: Hans-Joachim Watzke rettete Borussia Dortmund im Jahr 2005 vor der Insolvenz.

Foto: Bernd Thissen / dpa

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke feiert am Freitag seinen 60. Geburtstag und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Denn es läuft gerade gut.

Dortmund.  Aus seinem Büro in der Geschäftsstelle Borussia Dortmunds an der B1 kann Hans-Joachim Watzke hinüber aufs Stadion blicken. Ganz unaufgeregt, es sind gute Zeiten. Der Geschäftsführer des BVB hat andere erlebt, damals, als er den Job übernahm. Am Freitag wird er 60 Jahre alt, er ist zufrieden. Und das nicht nur, weil es beim BVB läuft.

60. Eine Zahl, die Sie beeindruckt?

Hans-Joachim Watzke: Ja, sie beeindruckt mich schon. Mir ist auch nicht ganz wohl dabei, da bin ich ganz ehrlich. Die Zahl passt eigentlich nicht zu mir. (lacht)

Warum?

Weil ich das Gefühl habe, dass ich fitter bin als mit 50. Ich habe überhaupt keine Wehwehchen - außer denen, die mir 40 Jahre Fußballspielen eingebracht haben, also die üblichen Knie- und Hüftprobleme. Aber ich habe mein Idealgewicht und trainiere dreimal pro Woche Kraft und Ausdauer.

Ist der 60. Geburtstag auch ein Anlass zum Innehalten, zur Bilanz?

Nein, im klassischen Sinne nicht. Ich nehme mir jetzt keine einschneidende Lebensanalyse vor. Ich bin sowieso eher der Typ Grübler, ich mache also alles wie immer. Ich lebe im Jetzt. Ich weiß aber, und das schon lange, dass ich ein Sonntagskind bin. Ich bin vom Glück gut behandelt worden und führe ein sehr privilegiertes Leben. Ich habe eine großartige Familie und ein paar wirklich enge Freundschaften. Dazu Gesundheit – das macht es aus.

Sie kommen aus Marsberg, haben dort viele Jahre bei Rot-Weiß Erlinghausen gespielt und sind nun auch schon seit Jahren Vorsitzender Ihres Heimatvereins. Wenn ich die Menschen dort im Sauerland jetzt fragen würde, wie er denn so ist, der Aki, und ob er sich verändert hat, seit er Chef des großen BVB ist – welche Antworten würde ich dann bekommen?

Gemischte. (lacht) Ist ja klar. Aber ich glaube schon, dass die Menschen in Erlinghausen, das ist ja mein Heimatort innerhalb der Stadt Marsberg, auch ein bisschen Stolz auf meinen Werdegang entwickelt haben. Sie sehen mich allerdings weniger. Manchmal muss ich auch auf Abstand gehen, ich kann nicht immer alle Kartenwünsche erfüllen. (lacht) Aber ich glaube, dass ich mich im Kern nicht verändert habe, sonst wäre ich nicht im 25. Jahr Vorsitzender.

Menschen, die Sie gut kennen, sagen über Sie: Es mangelt ihm definitiv nicht an Selbstbewusstsein, er ist auch sehr eitel. Aber auf sein Wort ist immer Verlass. Können Sie mit diesem Urteil leben?

(lacht) Mit dem „sehr eitel“ nicht, das ist totaler Quatsch. Ein gewisses Maß an Eitelkeit gehört dazu, das ist ja auch ein Beweggrund für jeden, der sich in die Öffentlichkeit begibt. Man will ja für ein gewisses Ansehen sorgen. Aber ich stehe nicht den ganzen Tag vor dem Spiegel. Was das Selbstbewusstsein betrifft: Wenn du ein Unternehmen wie Borussia Dortmund zusammenhalten sollst, dann hast du ohne Selbstbewusstsein keine Chance. Und zur Verlässlichkeit: Es ist in der Tat so, dass ein Wort von mir zählt.

Sie haben die Arbeitsschutz-Bekleidungsfirma Watex gegründet und sie stabil aufgestellt. Als Sie zum BVB kamen, zunächst als Schatzmeister des Vereins, hatten Sie nicht den Vorteil, ein Klub-Idol zu sein, Sie waren auch kein Profi-Fußballer. Ihr größter Trumpf war unternehmerisches Geschick, oder?

Natürlich musst du ein Unternehmen führen können, das können nicht unfassbar viele Ex-Profis. Aber man muss auch wissen, wie die Dinge im Fußball laufen. In der Westfalenliga sind die Abläufe die gleichen wie in der Bundesliga, nur das Niveau und die Gehälter sind da höher. Du musst auch ein Fußballspiel beurteilen können. Du brauchst zwar deine Experten. Aber du musst in der Lage sein zu erkennen, wenn dir einer von denen auch mal Unsinn für Gold verkaufen will. Ich habe nicht das Gefühl, dass das jeder Chef in jedem Profiverein kann.

Gleich zu Beginn als Geschäftsführer im Jahr 2005 mussten Sie den BVB vor der Insolvenz bewahren. Wenn man das hinter sich hat, fürchtet man nichts mehr, oder?

Mich kann so schnell nichts mehr erschüttern. Das war wirklich nicht prickelnd, vor den Gläubigern oder den Fonds-Anteilseignern zu stehen, die alles hätten verhindern können. Aber die Rettung war das eine Thema. Das andere war noch schwerer – nämlich einen Klub, der 2006 noch in der Insolvenzverwaltung war, gemeinsam mit Präsident Reinhard Rauball und Sportdirektor Michael Zorc zu sportlicher Stabilität zu führen. Wir haben im ersten Jahrzehnt zweimal die Meisterschaft geholt und fast immer international gespielt.

Sie hatten Ihre Erfolge mit Borussia Dortmund, Sie hätten sich danach auch zurücklehnen können. Was treibt Sie weiter an?

Ich hab‘ einfach Bock auf das Ding. Jeder Klub auf der Welt könnte mir ein Angebot mit doppeltem Gehalt machen – ich habe einzig und allein Lust auf Borussia Dortmund. Ich hatte nie ein Antriebsproblem und nie ein Euphorieproblem.

Ihr Vertrag läuft bis 2022. Gibt es einen Plan für die Zeit danach?

Nein. Es ist noch viel zu früh, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Vor 2021 beginne ich damit nicht. Und dann heißt mein erster Ansprechpartner Reinhard Rauball.